Zwei Männer vor Gericht : Geldtransporter-Fall: Angeklagte schweigen zum Millionen-Diebstahl

Aus einem Geldtransporter des Unternehmens sind Millionen Euro verschwunden.
Aus einem Geldtransporter des Unternehmens waren im Frühjahr mehr als zwei Millionen Euro verschwunden.

2,4 Millionen Euro verschwanden an einem Rastplatz aus einem Geldtransporter. Fahrer und Helfer stehen unter Anklage.

shz.de von
03. September 2018, 13:27 Uhr

Kiel | Der Fahrer eines Geldtransporters und sein mutmaßlicher Komplize müssen sich seit Montag für den Diebstahl von 2,4 Millionen Euro aus einem gesicherten Fahrzeug verantworten. Der 41 Jahre alte Fahrer aus Hamburg und der mitangeklagte 48-Jährige schwiegen zu Prozessbeginn vor dem Kieler Landgericht zu den Vorwürfen. „Das steht einem pauschalen Bestreiten der Anklage gleich“, sagte Verteidiger Martin Schaar nach Ende des ersten Verhandlungstages.

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Laut Anklage nutzten die Männer am 24. Januar eine Tour von Hamburg nach Kiel. An einer Tankstelle an der Bundesstraße 404 bei Kirchbarkau (Kreis Plön) habe der Fahrer seinen Beifahrer gebeten, Kaffee zu holen, sagte Staatsanwalt Florian Müller-Gabriel.

Die beiden Angeklagten mit ihren Verteidigern beim Prozessauftakt in Kiel.
Eckard Gehm

Die beiden Angeklagten mit ihren Verteidigern beim Prozessauftakt in Kiel.

Anschließend soll die Situation genutzt worden sein, unbemerkt drei Geldboxen umzuladen und zu entwenden. Wie genau das ablief, muss die Beweisaufnahme ergeben. Auf der Fahrt von Hamburg nach Kiel hatte die Besatzung zuvor bereits auf einem Autobahnrastplatz an der A21 bei Tremsbüttel (Kreis Stormarn) gestoppt.

Beide Angeklagten sitzen in Untersuchungshaft. Sie müssen sich wegen gemeinschaftlichen Diebstahls mit Waffen in einem besonders schweren Fall verantworten. Denn der Fahrer habe an dem Tag eine geladene Dienstpistole bei sich geführt, sagte Müller-Gabriel. Das Gesetz sieht für Diebstahl mit Waffen einen Strafrahmen von sechs Monaten bis zu zehn Jahren Haft vor. „Die Staatsanwaltschaft geht davon aus, dass die gesammelten Beweise eine Verurteilung beider Angeklagten ermöglichen werden.“

Vor Gericht wirken beide Männer gefasst. Beide tragen Brillen. Der Fahrer des Geldtransporters wirkt schmächtiger als der Mitangeklagte. Ende März hatten Polizei und Staatsanwaltschaft in Hamburg acht Wohnungen und Fahrzeuge durchsucht. Dabei wurden zwei Millionen Euro aus der Beute sichergestellt. Das Geld war in verschiedenen Fahrzeugen versteckt. Die Ermittler waren früh überzeugt, dass Fahrer oder Beifahrer in den Fall involviert sein mussten.

Vor den Durchsuchungen hatte es wochenlange Ermittlungen und Observierungen gegeben. „Wie die Tat letztlich von uns vermeintlich aufgeklärt worden ist, das wird ebenfalls noch Gegenstand der Beweisaufnahme sein“, sagte Müller-Gabriel. Er wolle die versteckten Ermittlungsmaßnahmen aber nicht vollständig offenlegen.

Am ersten Verhandlungstag wurden in dem Prozess drei Videoaufnahmen von Überwachungskameras gezeigt. Auf dem ersten waren Fahrer und Beifahrer beim Beladen des Geldtransporters in Hamburg zu sehen. Das zweite zeigte die Ankunft auf dem Parkplatz der Firma in Melsdorf (Kreis Rendsburg-Eckernförde) und das dritte das Entladen der Geldboxen. Dabei ist auf den Bildern zu sehen, wie die beiden Männer nach dem Entladen der Boxen diskutieren und mit jemandem am Telefon oder per Funk reden.

Verteidiger Schaar sagte, „es wird im weiteren zu klären sein, ob hier ein Tatnachweis geführt werden kann“. Aus Sicht der Verteidigung gehe es vor allem darum, ob der Sachverhalt „in rechtlicher Hinsicht eher eine Unterschlagung ist und nicht, wie angeklagt, ein Diebstahl mit Waffen“.

Der Prozess wird nun aufklären müssen, was genau zwischen dem Beladen des Geldtransportes und dem Entladen in Melsdorf genau passiert ist. Die Strafkammer hat dafür sechs weitere Verhandlungstage geplant.„Das Gericht hat 17 Zeugen geladen“, sagte Gerichtssprecherin Rebekka Kleine. „So wird man dann am Ende hoffentlich zu einem Ergebnis kommen.“ Der Prozess soll am 11. September fortgesetzt werden. Ein Urteil in dem Prozess könnte Anfang November fallen.

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