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Nicht mit Stadt Abgestimmt : „Gelbe Karte“ für Holstein Kiel

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Ratsversammlung „not amused“: Der Verein stellte die Stadt als Eigentümerin des Stadions bei Investitionen in Brandschutz vor vollendete Tatsachen – und kommt dennoch damit durch.

Die gestrige Sitzung der Ratsversammlung dürfte als eine der kürzesten in die Geschichte Kiels eingehen: Nach zwei Stunden waren die Debatten abgehakt. Ein Punkt nach dem anderen wurde einstimmig oder mit großer Mehrheit beschlossen. Bis sich beim letzten Tagesordnungspunkt doch noch zeigte: Rathaus-Kooperation und Opposition können manchmal nicht anders – sie müssen sich streiten. Um am Ende zähneknirschend doch grünes Licht zu geben. Thema des Tages: das teure Holstein-Stadion.

Es geht um viel Geld, das die Stadt als Eigentümerin des Stadions in Sicherheit und Brandschutz stecken muss – und nun wird. Bis zu 412  722,37 Euro netto. Gegen die Stimme der Linken-Fraktion haben SPD, Grüne, SSW, FDP und CDU mehrheitlich dafür votiert. So viel kosteten die Maßnahmen – so steht es auf einer Rechnung, die die KSV Holstein der Stadt im Herbst auf den Tisch gelegt hat. Denn die Arbeiten wurden bereits vorgenommen, in der Spielpause im vergangenen Sommer. Ohne dies mit dem Rathaus abzustimmen.

Moment mal, sagte da nicht nur die Verwaltung, sondern auch die Ratsversammlung: Vor vollendete Tatsachen wird man im Rathaus nicht gern gestellt. Es sei nicht das erste Mal, dass der Verein „in einem gewissen Rahmen macht wie er will und wir sollen folgen“, kritisierte die grüne Ratsfrau Dagmar Hirdes „not amused“ . Später drückte sie es bildhaft aus: „Fußballer wissen, es gibt erst ’ne gelbe Karte. Ich muss sagen: Die nächste ist gelb-rot!“ Auch die grüne Fraktionschefin Lydia Rudow betonte: „Die Schuld liegt beim Verein.“

Hintergrund: Nach Aussage von Sportstadtrat Gerwin Stöcken (SPD) hätte es eigentlich anders laufen sollen: „Holstein hat ja in der letzten Saison kurz vor dem Aufstieg gestanden. Und da hieß es von Seiten des Vereins – ’wenn wir aufsteigen, wird das viel Geld kosten. Wenn wir nicht aufsteigen, wird gar nichts passieren’“, so Stöcken. Holstein stieg nicht auf. Am 10. Juni habe er ein Schreiben des Vereins erhalten – ein besserer Brandschutz sei dennoch notwendig, koste rund 400  000 Euro. Zusammen mit Kämmerer Wolfgang Röttgers habe Stöcken dem Fußballverein gegenüber Irritation signalisiert – auch aus diesem Grund: „Wir haben hier Flüchtlinge unterzubringen und andere Sorgen. Diese Kosten können wir nicht auch noch gebrauchen. Ich habe den Verein ins Gebet genommen, dass es so nicht geht.“

Es hätte vorher ein Antrag gestellt werden müssen, so Stöcken. „Von Holstein Kiel ist es versäumt worden, nach der Ankündigung rechtzeitig vor Baubeginn ein Einvernehmen über die durchzuführenden Maßnahmen mit der Stadt als Eigentümerin herzustellen.“ Solch einen Fall wolle er nicht noch einmal erleben. Denn auch das Innenministerium kann nicht helfen. Es hat der Stadt bereits auf deren Anfrage hin mitgeteilt, dass es keine Fördermittel bereitstellen dürfe. „Die Kosten sind nun entstanden, wir sind dazu vertraglich verpflichtet. Es bleibt ein Ärgernis“, sagte Stöcken.

Stefan Kruber von der CDU-Ratsfraktion bestand allerdings darauf, dass auch die Verwaltung und die Rathaus-Kooperation sich in der Causa „nicht mit Ruhm bekleckert“ hätten. Einen Antrag der CDU im Juli vor der Sommerpause auf Sicherstellung des Spielbetriebs auch im Holstein-Stadion gerade im Hinblick auf Brandschutzmaßnahmen habe die Mehrheit schließlich vertagt. Auch Stöcken selbst habe die Sache im Sommer lockerer gesehen. Kruber will nun die Akten einsehen.

Die Stadt prüft nach eigenen Angaben die Rechnungen, verhandelt mit dem Verein über Angemessenheit und Höhe der Kosten. Die Zahlung an Holstein Kiel soll bis Jahresende über die Bühne gehen.

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erstellt am 10.Dez.2015 | 19:48 Uhr

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