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Kleingartengelände Prüner Schlag : Gegen Möbel Kraft-Ansiedlung in Kiel: Der Rebell von Parzelle 556

vom
Aus der Redaktion des Ostholsteiner Anzeigers

Andreas Galka ist sauer auf die Stadt Kiel und Möbel Kraft: Bis zum Schluss will er seinen Kleingarten auf dem Gebiet des geplanten Möbelhauses nutzen. Er hat einen Anwalt eingeschaltet.

shz.de von
erstellt am 22.Mär.2015 | 17:33 Uhr

Kiel | Bunte Ostereier baumeln an nackten Ästen, eine Vogelscheuche mit rotem Pullover und Strohhut streckt ihre Arme aus – und Andreas Galka sät zusammen mit Sohn Timon (4) Bio-Möhren-Samen aus. Noch ist die Märzsonne kühl. Noch sieht man die Spuren des Winters stark, verlangen viele Ecken von Parzelle 556 nach Pflege. Galka, naturverbundener Physik-Wissenschaftler an der Uni-Klinik, genießt den Nachmittag in seinem wilden Kleingarten. Es könnte einer der letzten sein.

Der Möbel-Konzern Krieger, zu dem die Möbel Kraft AG aus Bad Segeberg gehört, hat ihm zum Ende des Monats gekündigt – „hilfsweise und höchstvorsorglich im Namen und in Vollmacht der Stadt Kiel“, heißt es im Schreiben der Krieger Grundstück GmbH aus Schönefeld bei Berlin von Anfang Februar. Hintergrund ist der geplante Bau eines großen Einrichtungshauses von Möbel Kraft auf dem Kleingartengelände Prüner Schlag, das Krieger gehört. Ab 2016 sollen die Bagger rollen. Alle Kleingärtner haben längst das Feld geräumt. Alle bis auf Galka, der dort seit genau drei Jahren gärtnert, und eine weitere Kleingärtnerin in der Anlage.

Galka und seine Frau haben einen Anwalt eingeschaltet, die Kündigung der Pacht aufgrund von Formfehlern zurückgewiesen. „Bis jetzt kam noch keine Antwort zurück“, erklärt der 47-Jährige. Darum gärtnert er weiter. „Ich nenne das Palliativgärtnern“, sagt Galka. „Ich weiß, dass der Garten sterben wird, bleibe aber bis zuletzt am Krankenbett.“

Ein Jahr ist es her, dass die Bürgerinitiative gegen die Ansiedlung eines Einrichtungshauses von Möbel Kraft den Bürgerentscheid knapp, aber deutlich verloren hat. Immerhin rund 42.000 Kieler stimmten gegen den Bau. Als Repräsentant dieser Gegner sieht sich Andreas Galka, der in seinem Blog zum Teil mit drastischen Worten gegen Stadtpolitiker und Möbel Kraft wettert („unappetitliche Allianz von Macht und Geld“ , „Cocktail aus Drohungen und verlockenden Geldangeboten“).

Wer Andreas Galka trifft, erlebt einen besonnenen Mann, den die „Arroganz“ im Rathaus stört. Er gehörte zum engeren Kreis der Bürgerinitiative, die nun versucht, von den Planern auf Seiten der Stadt und der Investoren ein Entgegenkommen zu erreichen. Weniger Fläche für den Parkplatz zu versiegeln, etwa.

Dabei war Galka früher wenig interessiert an Kommunalpolitik, wie er sagt. Als Wissenschaftler habe er in seinem Elfenbeinturm gelebt. Er erforscht Epilepsie an der Uni-Kinderklinik. Besonders „die Sache“ mit Möbel Kraft aber habe ihn politisiert. Ihm gehe es um die Verteidigung des Grüngürtels, sagt Galka. Der wird durch Bauprojekte immer stärker verdrängt. Für ein Krankenhaus, eine Schule oder wichtige Straßen hätte er übrigens Verständnis gehabt, meint Galka. Auch, wenn die Stadt von Anfang an die Öffentlichkeit mehr einbezogen hätte, kritisiert er. Aber so? So „gehe ich bis zum äußersten, was ich rechtlich und finanziell machen kann“, stellt Galka fest.

Irgendwann wird die Räumungsklage auf dem Tisch liegen. Irgendwann wird der Widerstand ein Ende haben. Aber Galka hofft, diesen Sommer noch mal ernten zu können. Kartoffeln, Fenchel, Erdbeeren. Und Bio-Möhren.

 > https://parzelle556.wordpress.com

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