Kieler Woche : Geführte Erinnerung an den Krieg

Zeitzeugin Emma Ewert hat ihre Erfahrungen literarisch verarbeitet.
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Zeitzeugin Emma Ewert hat ihre Erfahrungen literarisch verarbeitet.

Zur Kieler Woche berichten Zeitzeugen bei einer Führung im Flandernbunker an der Kiellinie vom Grauen des Zweiten Weltkriegs.

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25. Juni 2014, 05:28 Uhr

Umgebaut, saniert und modernisiert sind ehemalige Bunker heute attraktive Wohn- oder Geschäftsräume. Anders der Flandernbunker an der Kiellinie. „Er soll von außen immer als Ruine zu erkennen sein“, betont Dr. Jens Rönnau, Vorsitzender des Vereins „Mahnmal Kilian e.V.“, der sich den Erhalt sowie die Erinnerung und Bildung rund um das Thema Krieg und Frieden zur Aufgabe gemacht hat. Er bietet besondere Führungen zur Kieler Woche an.

Zusammen mit der Zeitzeugin Emma Ewert, die als 14-Jährige während des Zweiten Weltkriegs immer wieder mit ihrer Mutter in verschiedene Kieler Bunker geflohen ist, führt Rönnau durch den düsteren, ungemütlichen Bau. „Es ist eigentlich noch viel zu hell“, betont er. 1943 bis 1944 gebaut, fungierte der Bunker dann als Schutzraum für die Soldaten der 5. U-Boot-Flottille, diente als Funkzentrale und Kommandantur für Kiel, den Nord-Ostsee-Kanal und den gesamten Ostseeraum. Gegen Kriegsende wurde er auch für zivile Schutzsuchende freigegeben. Das ehemalige Kriegsgerät, das nicht mehr funktioniert, dient heute als Symbol. Der Bunker funktioniert nicht mehr.

„‚Es ist Krieg! Gestern musste Fiete zu den Soldaten und heute ist Krieg!ʻ Mama, was ist Krieg und was müssen Soldaten tun?“, so beginnt Emma Ewert ihre literarische Verarbeitung des Erlebten. Im Kontext mit der Umgebung entwickelt sich beim Zuhörer eine neue Sensibilität für das Grauen. Doch es geht auch um Bildung. Rönnau: „Die Gesellschaft muss das immer wieder reflektieren. Was nicht ausgesprochen wird, führt zum Trauma.“

Ein internationales Kunstprojekt zum Kieler Frieden, das ebenfalls zu sehen ist, beschäftigt sich mit dem Kieler Friedensvertrag. Er wurde vor 200 Jahren zwischen dem militärisch unterlegenen Dänemark und Schweden sowie dessen Verbündetem England geschlossen, womit in Nordeuropa die Napoleonischen Kriege endeten.


> Kiellinie 249; Geöffnet zur Kieler Woche täglich 11 bis 17 Uhr, heute parallel zum Open Ship der Marine bis 17.30 Uhr. Führungen: Heute, 11.30 Uhr/15 Uhr; „Kieler Frieden – 1814 / 2014 Peace“: Während der Kieler Woche täglich 11-17 Uhr.


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