Sturmtief „Elon“ : Gefahr an der Uni: Zwölf Gebäude evakuiert

Zwölf Gebäude der Universität mussten aus Sicherheitsgründen evakuiert werden. Der Betrieb fiel aus.
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Zwölf Gebäude der Universität mussten aus Sicherheitsgründen evakuiert werden. Der Betrieb fiel aus.

Die Sicherheit war nicht gewährleistet: Der Sturm sorgte für den Ausfall des Lehrbetriebs in zwölf Uni-Häusern. Zahlreiche Feuerwehr-Einsätze gab es im gesamten Kieler Stadtgebiet.

shz.de von
09. Januar 2015, 14:21 Uhr

Die Geografie-Studentin kommt nicht weit. Die Tür des Institutes ist dicht. Alles dunkel, alles leer. Rot-weißes Absperrband flattert vor dem Eingang. Fachbücher kann die Studentin an diesem Freitag nicht mehr, wie geplant, einsehen. Der gesamte Betrieb: eingestellt. Sturmtief „Elon“ hat dafür gesorgt, dass die zwölf sogenannten Anger-Bauten auf dem Campus der Kieler Christian-Albrechts-Universität (CAU) am Mittag evakuiert werden müssen. Die ohnehin großflächig angebrachten Bauzäune an den maroden Fassaden muss der Sicherheitsdienst kontrollieren, teilweise neu befestigen.

Die vier betroffenen Gebäude-Komplexe, in dem etwa Geografie, Teile der Chemie oder Informatik untergebracht sind, verteilen sich über mehrere Straßen. Sie sind stark sanierungsbedürftig. Aufgrund eines Gutachtens aus dem vergangenen November, das die Sicherheitsstandards bemängelt, werden sie jetzt ab Windstärke zehn geräumt. Gestern nun der Ernstfall. Bis zu 550 Mitarbeiter müssen nach Auskunft der CAU am Mittag ihre Arbeitsplätze verlassen. Die Zahl der betroffenen Studenten: Unklar. Es müssen ebenfalls hunderte sein.

Ein Skandal aus Sicht des Allgemeinen Studierendenausschusses (AStA) der Kieler Uni. Massiv kritisiert AStA-Vorsitzende Sophia Schiebe den Ausfall des Lehr- und Lernbetriebs sowie den unhaltbaren Zustand der Gebäude. Das sei „absolut inakzeptabel“, so Schiebe: „Kiel ist keine Stadt der lauen Lüftchen und sanften Brisen. Wir brauchen eine Universität, die auch einem leichten Sturm standhalten kann.“ Zynisch kommentiert ein Student im Internet die Anger-Bauten als „Danger-Bauten“ (Danger– englisch für Gefahr, Anmerkung d. Red.)

Ein Sanierungsprogramm im Volumen von 165 Millionen Euro wurde Ende 2013 beschlossen. Der Sanierungsbedarf wird auf mehr als 200 Millionen geschätzt. Die Bauarbeiten sollen 2016 starten. 160 der 200 Uni-Gebäude sind älter als 30 Jahre, 120 sogar älter als 40 Jahre.

Punktuell hinterlässt „Elon“ im gesamten Stadtgebiet Spuren. Bis 14 Uhr arbeiten Kräfte der Kieler Berufsfeuerwehr 20 sturmbedingte Einsätze ab. Abgeknickte Äste sorgen für teilweise große Schäden. In Kiel-Hammer haben vier Insassen eines Autos Glück im Unglück. Zwei umstürzende Bäume beschädigen das Fahrzeug so schwer, dass Fahrer und Beifahrer nicht aussteigen können. Nur die zwei hinteren Mitfahrer können sich aus dem Wagen befreien. Die Feuerwehr öffnet die vorderen Türen. „Alle vier sind unverletzt“, berichtet Feuerwehr-Pressesprecher Michael Krohn. Im Stadtteil Russee bricht bereits am Vormittag ein großer Ast einer Tanne ab – und stürzt auf das Dach eines Einfamilienhauses. Er bricht durch die Decke bis ins Schlafzimmer der schockierten Bewohner.

Kleinere Schäden entstehen durch lose Dachpfannen, Metall-Teile eines Schornsteins oder ein umgestürztes Dixiklo. In Elmschenhagen-Süd lösen sich durch die Böen Teile einer Solardachanlage eines Dachs. Auch hier wird niemand verletzt. Die Leitstelle auf der Hauptfeuerwache am Westring vermeldet für den Kreis Rendsburg-Eckernförde insgesamt 35 und für den Kreis Plön 25 Sturm-Einsätze – alle ohne größere Schäden. In Kiel werden die beiden Löschzüge und Sonderfahrzeuge der Berufsfeuerwehr sowie vier freiwillige Wehren mit 70 Kräften eingesetzt. Die Leitstelle wird auf 18 Disponenten erhöht. Dadurch sind laut Feuerwehrsprecher Krohn alle Notrufabfrageplätze besetzt.

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