Mannheimer Energieversorger : Gaskraftwerk Kiel: Stadt mit MVV einig

Muss ersetzt werden: Das Fernwärme-Kraftwerk in Kiel.
Muss ersetzt werden: Das Fernwärme-Kraftwerk in Kiel.

Bis 2018 soll nun doch ein neues Kraftwerk in Kiel gebaut werden. Der Bau soll 300 Millionen Euro kosten.

shz.de von
15. Mai 2015, 11:33 Uhr

Kiel | Nach monatelangen Kontroversen kommt das geplante Gasheizkraftwerk in Kiel nun doch. Die Stadt Kiel und Stadtwerke-Mehrheitsgesellschafter MVV wollen das Projekt im Umfang von knapp 300 Millionen Euro gemeinsam an der Kieler Förde bauen.„Wir haben jetzt eine Einigung“, sagte Kiels Oberbürgermeister Ulf Kämpfer (SPD) am Freitag. Er sprach von einem „ganz wesentlichen Durchbruch“. Beide Seiten wollen das Projekt demnach nun konsequent und planmäßig weiter vorantreiben.

Das mehr als 40 Jahre alte Gemeinschafts-Kraftwerk soll nach bisherigen Planungen zum Oktober 2016 durch einen Neubau ersetzt werden. Sollte die Laufzeit des Kraftwerkes bis 2018 verlängert werden, drohen nach Angaben der Stadtwerke jährliche Verluste in Höhe von 18 Millionen Euro. Das Kraftwerk stellt die Versorgung von 70.000 Haushalten mit Fernwärme sicher. Die Bauzeit für das neue Kraftwerk in Kiel mit einer Leistung von 190 Megawatt wird rund zwei Jahre betragen.

Die Vorbereitungen für das neue Kraftwerk laufen bereits seit längerer Zeit. Auf dem Gelände am Fördeufer werden immer wieder Blindgänger aus dem Zweiten Weltkrieg unschädlich gemacht. Derzeit läuft noch die Ausschreibung. Die endgültige Bauentscheidung soll im ersten Halbjahr 2016 fallen. Mitte des kommenden Jahres könnte dann der erste Spatenstich erfolgen. Geht alles glatt, soll das Kraftwerk pünktlich zur Heizperiode 2018 ans Netz gehen.

MVV-Vorstandschef Georg Müller sagte, „das Kraftwerk ist auch jetzt noch kein Selbstläufer“. Hintergrund sind geplante Änderungen bei der Förderung der Kraft-Wärme-Kopplung. Ursprünglich wollte sich MVV nicht an der notwendigen Erhöhung des Eigenkapitals beteiligen. Bis zur Inbetriebnahme sei „noch einiges zu erledigen“. Vor gut einem Jahr hatte sich MVV eigentlich bereits aus dem Projekt zurückgezogen. An den Anteilsverhältnissen bei den Kieler Stadtwerken ändert sich nun aber doch nichts. „Das Thema ist mit der Einigung vom Tisch“, sagte Müller.

MVV hatte in einem Brief an Ulf Kämpfer vom 30. April 2014 angekündigt, sich nicht an dem Bau beteiligen zu wollen. Die erforderliche Investition passe nicht in das Gesamtportfolio der Unternehmensgruppe und sei auch gegenüber der Stadt Mannheim als Mehrheitseigentümerin der MVV Energie nicht begründbar, hieß es damals.

Grund für diese Entwicklungen sind die politischen Rahmenbedingungen in Berlin: In den vergangenen Wochen hatten sich die Aussichten für das Projekt verbessert. Ministerpräsident Torsten Albig hatte sich bei Bundeswirtschaftsminister Sigmar Gabriel (beide SPD) dafür eingesetzt. Nach einem Treffen mit Albig sagte Gabriel im April in Kiel: „Natürlich werden wir das fördern.“ Hintergrund sind geplante Änderungen bei der Förderung von Kraft-Wärme-Kopplungen (KWK). Der Bund will in begrenztem Umfang neue Anlagen fördern.„Wenn in Berlin die Weichen für eine zukunftsweisende Energieversorgung gestellt werden, dann wird dieses Kraftwerk in Kiel das Paradebeispiel für ein modernes, innovatives Energiewende-Kraftwerk“, sagte Müller. Er fügte hinzu: „Und dann passt das auch in unser Portfolio.“

Positiver Nebeneffekt der neuen Anlage für die Stadt Kiel: „Wir erreichen damit auf einen Schlag alle unsere klimapolitischen Ziele“, sagte Oberbürgermeister Kämpfer.

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