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Mikrokredite in Kiel : Gaarden: Kleiner Kredit, großer Erfolg

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Kleinunternehmer aus dem Kieler Problemstadtteil können Mikrokredite erhalten, die als Starthilfe für eine Zukunft auf eigenen wirtschaftlichen Beinen dienen sollen. Die Kieler Wirtschaftsförderungsgesellschaft (KiWi) verzeichnet deutlich mehr Anträge als sie Zusagen erteilen kann.

shz.de von
erstellt am 11.Okt.2013 | 00:33 Uhr

Kiel | Vor zwei Jahren, im September 2011, wurden sie in Kiel eingeführt – Mikrokredite, die Kleinunternehmern aus dem wirtschaftlich schwachen Stadtteil Gaarden eine finanzielle Perspektive geben sollen. Oder die eine Existenzgründung aus der Arbeitslosigkeit heraus ermöglichen. Die Stadt Kiel und die Kieler Wirtschaftsförderungsgesellschaft – kurz KiWi – haben sich zusammen mit der gemeinnützigen KIZ GmbH in Offenbach und der genossenschaftlichen GLS-Bank dafür zusammengetan. Die KiWi berät, kontrolliert und vermittelt, spricht nun auf Nachfrage in einer Zwischenbilanz von einer „äußerst positiven Entwicklung“.

Die Kredite, die bei 500 bis 5000 Euro liegen, haben eine Laufzeit von 24 Monaten. Insgesamt gibt es ein Volumen von 100.000 Euro, davon ist laut KiWi rund die Hälfte bereits vergeben worden. „Im Lauf der kommenden drei Monate haben die ersten Kreditnehmer die Beträge nach und nach komplett zurückgezahlt“, sagt Dr. Ingo Lübben von der KiWi zufrieden. Man könne diese Summen nun wieder neu vergeben. Seit Beginn des Programms haben Lübben zufolge zwölf Gaardener Unternehmer davon profitiert. Es habe keine Ausfälle gegeben. In zwei Fällen sei das Geschäft allerdings nicht weitergeführt, sondern verkauft worden.

Lübben hat eine Erklärung dafür: Gerade unter türkischen Migranten komme es vor, dass Geschäfte eröffnet und nach dem Erreichen eines gewissen Bekanntheitsgrades wieder verkauft würden – beispielsweise bei Imbissen. Das sei auch bei Teilnehmern des Mikrokredit-Programms aufgetreten, erklärt Lübben: „Das ist einfach eine andere Mentalität und nichts Negatives.“ So seien die meisten der Mikrokredite bisher an türkische und polnische Unternehmer vergeben worden, aber auch an deutsche.

Einer von ihnen ist Markus Arp (38). Der arbeitslose gelernte Einzelhandelskaufmann erhielt zur Übernahme des Fahrradkurier- und Transportgeschäfts „L.O.O.K.-Transporte“ seines Schwiegervaters in Gaarden Anfang 2012 einen Kredit über 1500 Euro. Zudem gewährte ihm das Jobcenter ein zinsloses Darlehen in selber Höhe. „Ohne das Geld“, sagt Arp „hätte ich mir den kleinen Transporter nicht kaufen können. Dadurch wäre ein großer Auftraggeber abgesprungen.“ Bis Februar 2014 stottert er nun monatlich insgesamt gut 130 Euro ab und ist zuversichtlich, dass das klappt. „Im ersten Jahr habe ich den Umsatz verdoppelt“, sagt Arp stolz, der zurzeit drei studentische Aushilfskräfte auf drei Kurier-Rädern durch Kiel schickt. Er selbst übernimmt die Transporte mit dem Auto. „Noch kann ich nicht davon leben, stocke mit Arbeitslosengeld II auf“, sagt Arp, verheirateter Vater dreier Kinder. „Aber mein Ziel ist es, im Sommer nächsten Jahres ganz auf eigenen Beinen zu stehen.“ Er ist dankbar für die Beratung der KiWi, die ihn regelmäßig betreut und von der Vermittlung des Mikrokredits bis zum Abbezahlen „an die Hand nimmt“.

Wie kommt man an so eine Unterstützung? Die Anträge werden in enger Zusammenarbeit mit dem Wirtschaftsbüro in Gaarden bearbeitet. Denn die Interessierten müssen mit ihrer tragfähigen Geschäftsidee überzeugen und davon leben können. Wenn der Antrag komplett ist, leitet das Wirtschaftsbüro ihn an die KiWi weiter. Ingo Lübben sagt: „Wir bekommen weit mehr Anträge, als wir bewilligen können.“ Von 25 Anträgen würde nur etwa ein Fünftel genehmigt. Manche Interessierten würden im Vorfeld herausfinden, dass es für sie einen anderen Weg gibt, sagt Lübben, viele Quereinsteiger seien darunter, die zu romantische Vorstellungen hätten, etwa vom eigenen Café. Andere wiederum würden sich noch einmal überlegen, ob sie das Geld wirklich zurückzahlen können.

Die KiWi nimmt 8,56 Prozent Zinsen. „Das ist kein Billig-Kredit“, gibt Lübben zu. Jedoch hätten die Gaardener Kunden, die in Frage kämen, oft bereits Absagen von Banken bekommen, „oder die Kredithistorie ist nicht ganz lupenrein. Darüber sehen wir großzügig hinweg“. Zudem müsse es als Sicherheit zwei Bürgen für mindestens die Hälfte der Kreditsumme geben. Die fand auch Markus Arp – in seiner Familie.

In diesem Jahr sind fünf neue Kreditnehmer dazu gekommen, die je etwa 4000 Euro erhalten haben. Die Branchen, so Ingo Lübben, seien grundsätzlich sehr gemischt, aber vor allem im Dienstleistungsbereich stark vertreten. Plakatkleber seien genauso dabei wie eine Schneiderei, Handelsvertretung und Gastronomie. Oder eben, wie bei Markus Arp, die Kurierbranche.

Mehr Informationen im Internet unter www.wirtschaft-gaarden.de, unter www.mikrofinanz-kiel.de oder unter www.kiwi-kiel.de

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