Diskriminierung : Für mehr Gleichheit an der Uni

Sie hat ein offenes Ohr, wenn Studenten oder Promovierende an der CAU diskriminiert werden: Sandra Elstner ist die erste Beauftragte für Diversität an der Universität.
Sie hat ein offenes Ohr, wenn Studenten oder Promovierende an der CAU diskriminiert werden: Sandra Elstner ist die erste Beauftragte für Diversität an der Universität.

Die Christian-Albrechts-Universität schafft eine Stelle für die erste Diversitätsbeauftragte. Sandra Elstner setzt sich für Studenten und Promovierende ein, wenn diese aufgrund ihres Alters oder der Herkunft diskriminiert werden.

shz.de von
02. Januar 2018, 12:27 Uhr

Vom Büro im 14. Stock des Hochhauses der Christian-Albrechts-Universität (CAU) geht der Blick auf die Schwentinemündung. Die Möbel wirken noch ein wenig zusammengewürfelt. Die Gesprächspartner sitzen sich an einer Ecke des Schreibtisches gegenüber. „Eine optimale Beratungssituation ist das noch nicht. Aber das soll sich möglichst schnell ändern“, sagt Sandra Elstner. Die lächelnde Frau mit den mittellangen braunen Haaren und den freundlichen Augen ist die erste Beauftragte für Diversität an der CAU. Sie soll sich stark machen gegen Diskriminierung und betroffene Studenten sowie Promovierende unterstützen. Auf erste Anfragen musste Elstner nicht lange warten.

Als ihre Stelle besetzt wurde, sei ein aufatmen durch die Gänge des Hochhauses gegangen. „Ich habe von vielen Seiten ein ‚endlich‘ gehört“, sagt Elstner. Vorher blieben Verfahren, in denen es um Diskriminierung ging, oft an anderen Abteilungen hängen. „Ich bekomme nicht nur neue Anfragen“, so Elstner. „Mir wurden auch einige laufende Verfahren übergeben.“ Bevor die Kielerin im November zur Diversitätsbeauftragten gewählt wurde, arbeitete sie in der zentralen Studienberatung. Auf Fälle von Diskriminierung traf sie auch dort schon.

„Die Bandbreite an Benachteiligungen ist enorm groß“, sagt Elstner. Die Diskriminierung könne sich in einer ungerechten Notenvergabe äußern oder darin, dass Promotionsstellen nicht in einem fairen Verfahren vergeben werden. In Fällen, die bei der neuen Beraterin auf dem weißen Schreibtisch liegen, geht es zum Beispiel um Diskriminierung wegen des Alters oder der Herkunft. „Wir haben es aber auch schon mit einer Diskriminierung zu tun gehabt, die auf der sexuellen Orientierung eines Studierenden fußte.“ Das sei ein besonderes Problem, da in Zukunft auch das dritte Geschlecht an der CAU anerkannt werden soll. Das bedeutet, dass Studenten zukünftig nicht mehr nur männlich oder weiblich auf ihrer Einschreibung ankreuzen können. Sie können sich dann auch für eine dritte Option entscheiden, die aussagt, dass sie weder das eine, noch das andere sind. „Wir werden Regelungen an der CAU brauchen, wie wir damit umgehen werden. Da kommt in Zukunft einiges auf uns zu“, sagt Elstner.

Die Antidiskiminierungsberatung richtet sich an Studenten und Promovierende, die aufgrund eines von acht Merkmalen ungerecht behandelt wurden. Dazu gehören neben der Herkunft und der ethnischen Zugehörigkeit, dem Geschlecht, dem Alter und der sexuellen Orientierung, auch die Diskriminierung wegen einer Behinderung, eines religiösen Glaubens oder einer Weltanschauung. Aber auch die soziale Herkunft und der sozioökonomische Status gehören zu der Liste dazu. „Es muss aber nicht nur ein Merkmal zutreffen“, sagt Elstner. „Es kann durchaus sein, dass ein Student wegen seiner Herkunft und einer Behinderung benachteiligt behandelt wird.“

Um die Probleme lösen zu können, müsse ihre Position vor allem erst einmal bekannt werden. „Es ist wichtig, dass die Studenten und Promovierenden wissen, dass es mich und das Angebot der Antidiskriminierungsberatung gibt und sie zu mir kommen können, wenn es Probleme gibt.“ Dabei ist alles, was in den Beratungen besprochen wird, streng vertraulich und verlässt ohne die Zustimmung des Hilfesuchenden nicht den Raum. „ Alle weiteren Schritte werden mit dem Ratsuchenden ganz genau besprochen, bevor irgendetwas unternommen wird“, bekräftigt Elstner. „Das ist die Grundlage einer jeden Beratung.“

>Hilfesuchende können sich unter Tel. 0431/8 80 70 00 melden oder per E-Mail an selstner@uv.uni-kiel.de wenden.

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