zur Navigation springen

775 Jahre Stadtrecht : Für den Historiker Oliver Auge war Kiel stets eine bewegte Stadt

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

shz.de von
erstellt am 23.Jul.2017 | 17:46 Uhr

In Sachen Bevölkerungszuwachs war Kiel einzigartig in Deutschland: 1850 beherbergte die Stadt an der Förde rund 16  000 Einwohner, 1914 waren es 225 000 Kinder, Frauen und Männer. „Dieses Wachstum erinnert in bester Weise an zeitweilige amerikanische Verhältnisse“, betonte der Historiker Oliver Auge in seinem Festvortag am Sonnabend in der Nikolaikirche. Den 775. Geburtstag Kiels galt es zu feiern – und der Uni-Professor beschrieb die besonderen Merkmale der Stadtgeschichte. Für ihn war Kiel stets eine Stadt in Bewegung. Und zwar von Anfang an.

Das gilt bereits für die Jahre nach der Stadtgründung 1242, als Händler und Kaufleute aus Holstein in die Stadt strömten. Ein gutes Jahrhundert später sorgten hanseatische Zuzügler für Dynamik, ab 1665, als die Christian-Albrechts-Universität gegründet wurde, verschoben die Professoren das soziale Gefüge. Sie verdrängten den Magistrat ins zweite Glied und mussten, als ab 1860 die Marine das Leben dominierte, selbst zurückstecken. Unter den Umständen des rasanten Wechsels und Wandels konnte sich in Kiel gar keine organisch gewachsene Bürgerschaft herausbilden. Ganz im Gegenteil: Kiel zeigte laut Auge „Ansätze einer anonymen Großstadt“. Damit einher ging der architektonische Gesichtsverlust: Zahlreiche Traditionshäuser und Plätze mussten den pulsierenden Adern der Stadt mit ihren wachsenden Pendlerströmen weichen.

Ähnlich beschreibt auch Oberbürgermeister Ulf Kämpfer die Entwicklung. Die Stadt mit ihren vielen Baustellen befindet sich nach seinen Worten in seiner vierten Häutung. 1242 die Geburtsstunde, 1871 die Einrichtung des Reichskriegshafens und schließlich die Nachkriegszeit ab 1945: Dreimal vollzog sich bisher die „Gründung“ Kiels – und jetzt steht laut Kämpfer die vierte an.

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Kommentare

Leserkommentare anzeigen