Kieler Landgericht : Fünfeinhalb Jahre Haft für brutalen Raubüberfall – Verurteilter weint

Als Paketboten verkleidet hofften sie große Beute. Dafür gingen sie brutal gegen eine Frau und ihre Tochter vor.

shz.de von
20. Juni 2018, 18:23 Uhr

Kiel | Es sollte ein großer Coup mit einer Beute von bis zu einer Million Euro werden. Doch trotz ihres brutalen Vorgehens wurde daraus nichts. Nun müssen zwei Angeklagte für fünf- beziehungsweise zweieinhalb Jahre in Haft. Der 39-jährige Hauptangeklagte weinte am Mittwoch bei der Urteilsverkündung vor dem Kieler Landgericht bitterlich. Die Richter sprachen den Familienvater wegen versuchten besonders schweren Raubes, Körperverletzung und Diebstahls schuldig, den 21-jährigen Mitangeklagten wegen Beihilfe.

Damit lag die Kammer deutlich unter dem Strafantrag des Staatsanwaltes und über dem Antrag der Verteidigung. Während der 39-Jährige nach Angaben seines Verteidigers das Urteil annimmt, wollen Staatsanwaltschaft und die beiden Verteidiger des 21-Jährigen Revision prüfen. Die Verteidiger hatten eine Bewährungsstrafe beantragt.

Laut Urteil verschaffte sich der 39-Jährige, als Paketbote getarnt, kurz vor Weihnachten 2017 Zutritt zum Haus eines vietnamesischen Restaurantbesitzers. Der 21-Jährige wartete draußen im Fluchtwagen.

Die Männer hätten auf eine Beute von Hunderttausenden Euros gehofft, sagte der Vorsitzende Richter. In ihrem Gepäck: Kabelbinder und der Elektroschocker eines weiteren Mittäters. Er und ein vierter Mann, nach Auffassung des Gerichts der Drahtzieher, konnten fliehen und stehen nicht vor Gericht.

Tochter konnte Polizei rufen

Bei der Tat erlitt die Ehefrau des Restaurantbesitzers einen gefährlichen Halswirbelbruch. Nach Anhörung einer Rechtsmedizinerin ging das Gericht aber zugunsten des Hauptangeklagten davon aus, dass letztlich ungeklärt bleibe, ob die schwere Verletzung Folge eines heftigen Schubsers des Angeklagten war. Glück für die Familie: Während die Männer auf der Suche nach einem Tresor in das Haus eindrangen, blieb die Tochter im ersten Stock zunächst unbemerkt und konnte per Handy die Polizei alarmieren. Dann wurde auch sie wie ihre Mutter gefesselt und geknebelt.

Die ersten Beamten standen kurz darauf vor der Tür. Der 39-Jährige wird sofort festgenommen, der 21-Jährige wenig später im Fluchtwagen gefasst.

Der 39-Jährige hat zu Hause in Moldawien seine Frau und einen achtjährigen Sohn, wie er unter Tränen bei seinem Geständnis schildert. In Deutschland hoffte er auf Arbeit auf einer Baustelle, sagt er. Stattdessen sei er an die beiden Mittäter geraten und habe sich, weil er kein Geld mehr gehabt habe, auf die Tat eingelassen.

Der kräftig gebaute Mann ist nicht vorbestraft. Er zeigt im Prozess Reue, die ihm das Gericht ausdrücklich abnimmt: den Kopf stets tief gesenkt wischt er sich immer wieder Tränen aus dem Gesicht. Die Tatopfer wollten vor Gericht weder seine Entschuldigung noch die des 21-Jährigen annehmen. Die Mutter leidet weiterhin an Angstattacken.

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