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Frische Energie aus der Schwentine

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Wasserkraft des Flusses soll wieder genutzt werden / Konzept des Investors aus Selent überzeugte / Strom für 200 Kieler Haushalte ab November

Kiel | Schon früher machten sich die Menschen die Kraft des Wassers der Schwentine zu Nutze und betrieben damit ihre Mühlen. Diese alte Tradition soll nun wiederbelebt werden. Allerdings wird die Rohrturbine, die Investor Detlev Eckhoff im mittleren Hauptstrom der Schwentinemündung installieren möchte, der Energiegewinnung dienen. Gestern unterzeichnete der Diplom-Ingenieur aus Selent den Vertrag im Amtszimmer von Kiels Bürgermeister Peter Todeskino (Grüne). Eckhoff mietet das Wasserrecht von der Stadt - Vertragslaufzeit 30 Jahre.

Die Turbine wird fördeseitig der Wehr eingesetzt - und zwar an der mittleren der drei alten Schwentinebücken. Dort soll die Anlage, die aus Bayern kommt, ab Ende November dieses Jahres mit dem Wasser der Schwentine Energie gewinnen und mit dem Strom rund 200 Kieler Haushalte versorgen können. Todeskino freute sich, dass mit seiner Unterschrift und der des 44-jährigen Diplom-Ingenieurs aus Selent endlich ein Schlusstrich unter "eine lange Geschichte" gezogen wurde. Seit der Sanierung der Schwentinebrücken im Jahr 2008 sei das Thema Wasserkraftwerk ständig in der Diskussion gewesen. "Der Verwaltung war von Beginn an klar, dass wir an dieser Stelle die Wasserkraft nutzen wollen. Das Konzept von Detlev Eckhoff hat uns, im Gegensatz zu den vorigen Ideen anderer Bewerber, überzeugt", betonte der Bürgermeister. Auch umweltpolitisch sei die Nutzung der natürlichen Ressourcen vor allem für Kiel als Klimaschutzstadt ein gutes Zeichen, so Todeskino.

Detlev Eckhoff investiert zwischen 600 000 und 700 000 Euro in die Wasserkraftanlage. "Ich hoffe, dass sie sich in gut 20 Jahren amortisiert hat", erklärt Eckhoff, der verschiedene Motivationen für sein Handeln hat: "Grundsätzlich ist es eine gute Sache, Energie so zu gewinnen und das Wasser nicht ungenutzt vorbeifließen zu lassen. Außerdem bin ich technisch interessiert und sehe das auch ein Stück weit als Altersversicherung", gibt Eckhoff unumwunden zu, mit dem Wasserkraftwerk auch Geld verdienen zu wollen.

Ein wichtiger Aspekt in seinem Konzept ist die Nutzung der mittleren alten Schwentinebrücke, an der im Jahr 2008 auch eine so genannte Fischtreppe (Mäander-Fischpass) errichtet wurde, über die Fische den Höhenunterschied zwischen Förde und Fluss überwinden können. Denn damit die Fische den Lockstrom zur Treppe finden und nicht fehlgeleitet werden, muss die Wasserkraftanlage dicht daneben installiert werden. Auf der Schwentineseite wird ein Feinrechen verhindern, dass größere Fische in die Turbine gelangen.

Neben dem Volumenstrom ist die Fallhöhe des Wassers mitentscheidend für die Produktivität einer Wasserkraftanlage. In Zukunft wird die Pegeldifferenz von 1,74 Metern zwischen Schwentine (Oberwasser) und Förde (Unterwasser) in der so genannten Kaplan-Turbine (Durchmesser 1,35 Meter) ausgeglichen. Rund 600 000 Kilowattstunden kann sie so pro Jahr schaffen, die nach dem Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG) ins Kieler Stromnetz eingespeist werden. Der Selenter Investor erhält dann Geld durch die EEG-Einspeisevergütung. Im zweiten Jahr gehen zwei, ab dem vierten Jahr drei Prozent davon an die Stadt.

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erstellt am 06.Aug.2013 | 05:59 Uhr

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