Schwimmende Historie : „Freya“ – ein Schiff als Lebensretter

Bewegte Geschichte: (von links) Reeder Sven Paulsen und Jeanne Zwaans von der früheren Besitzerfamilie stellten gemeinsam mit Barbara Post und Lipsky das Buch über die „Freya“ vor – es ist an Bord erhältlich.
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Bewegte Geschichte: (von links) Reeder Sven Paulsen und Jeanne Zwaans von der früheren Besitzerfamilie stellten gemeinsam mit Barbara Post und Lipsky das Buch über die „Freya“ vor – es ist an Bord erhältlich.

Der historische, 110 Jahre alte Raddampfer fährt seit 2005 auf der Förde. Barbara Post und Stefan Lipsky beschreiben die Geschichte des niederländischen Veteranen, der in beiden Weltkriegen geholfen hat, Menschen zu retten.

shz.de von
05. Mai 2015, 18:33 Uhr

Doppel-Jubiläum an Bord: Seit genau zehn Jahren ist die „Freya“ für Ausflugsfahrten auf der Förde und auf dem Kanal im Einsatz. Und vor 110 Jahren erlebte der Raddampfer auf einer niederländischen Werft seinen Stapellauf. Der heutige Besitzer Sven Paulsen (Adler-Reederei auf Sylt) nahm den Geburtstag zum Anlass, ein Buch über die wechselvolle Historie des Veteranen vorzustellen: „Raddampfer Freya – ein Schiff mit Geschichte“.

Die beiden Autoren Barbara Post und Stefan Lipsky wollten, als sie vor zwei Jahren mit ihrer Recherche begannen, „ein Buch über ein Schiff“ schreiben. Herausgekommen ist aber „ein Buch über Menschen“, wie sie selber sagen. So wurde die „Westerschelde“ (der erste Name des Dampfers) 1907 kurzzeitig zur königlichen Yacht für die Regentin Wilhelmina und ihren Gemahl Prinz Hendrik. Im ersten Weltkrieg transportierte der Raddampfer eingeschlossene britische Soldaten und später auch belgische Flüchtlinge in die Niederlande – die deutschen Besatzer hatten an Land die Grenze mit einem elektrischen Zaun verschlossen.

Mit dem Verkauf an die Ölhändler-Familie Zwaans wurde aus der Fähre „Westerschelde“ 1935 das Bunkerschiff „De Zwaan“ (Der Schwan). Kees Zwaans war im Zweiten Weltkrieg im Widerstand, auf „De Zwaan“ kamen jüdische Flüchtlinge, politisch Verfolgte und später sogar englische Piloten unter. Selbst der SS, die im Sommer 1944 das Schiff stürmte, entging das Versteck in der „Hölle“. Der tiefste Raum des Schiffes war nur über eine schwenkbare Toilettenschüssel zu erreichen. Stunde auf Stunde knieten die Menschen im Öl-Wasser-Gemisch. Überlebende wie Manda Wijnperle oder ihr großer Bruder Nathan haben später ihre Erinnerungen veröffentlicht.

Barbara Post und Stefan Lipsky klären in ihrem Buch auch auf, wie die „Freya“, die in den 80er-Jahren zur Verschrottung anstand, eine neue Maschine erhielt und zunächst vor Sylt, später dann auf der Kieler Förde ihre mächtigen Wasserschaufeln wieder laufen ließ. Reeder Sven Paulsen ist überzeugt: „Die ,Freya’ wird uns alle überleben.“
 
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> „Raddampfer Freya“; 68 Seiten, 14,80 Euro; ISBN 978-3-943582-10-9

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