Freies Parken in Falckenstein

Schwimmen und Schiffe schauen: Als Badeparadies präsentiert sich der Falckensteiner Strand in der Saison.
Schwimmen und Schiffe schauen: Als Badeparadies präsentiert sich der Falckensteiner Strand in der Saison.

Die Stadt streicht die Tagesgebühr von 4 Euro – und verfolgt mit dem Ankauf des Gewerbegebietes noch ganz andere Pläne. Mit öffentlichen Wegen und Straßen könnte der Strand viel dichter ans Zentrum heranrücken. Auch die Festung wird aufgewertet.

shz.de von
07. März 2019, 19:50 Uhr



Schlange stehen, im Auto schwitzen, nach Kleingeld und kleiner Parklücke suchen – alles, um mal schnell in die Kieler Förde zu hüpfen? Geschenkt! Die Stadt schafft die Parkgebühren am Falckensteiner Strand ab. In diesem Sommer erlässt die Verwaltung den Besuchern die Gebühr von zuletzt vier Euro pro Tag. Denn die Abgabe sorgt seit Jahren für Unmut. Nicht nur bei den Gästen, sondern auch unter hiesigen Unternehmern wie Gastronomen, die über Umsatzeinbußen klagten.

Hintergrund: Vor zwei Jahren hatte die Stadt die Tagesgebühr von zwei auf vier Euro verdoppelt. Seitdem häuften sich die Beschwerden. Von Besuchern, die vielleicht nur einen Kaffee mit Fördeblick genießen wollten, oder von Eltern, die den Nachwuchs schnell am Kletterwald absetzen wollten. „Das ist ungerecht“, befindet Oberbürgermeister UIf Kämpfer: „Wir scheren alle über einen Kamm.“ Und nicht zu vergessen: Enttäuschte Gäste fahren dann lieber gleich nach Schilksee oder Strande durch – dort wird keine Stellplatzgebühr eingefordert.

Kämpfer will zum 1. Mai eine neue Parkverordnung erlassen, in der die Gebührenerhebung gestrichen wird. Der Zeitpunkt ist günstig. Der Vertrag mit einer privaten Firma, die die Bewirtschaftung der Parkplätze am Falckensteiner Strand in Friedrichsort für Stadt und Land 2006 übernommen hatte, lief 2018 aus. Er soll nicht erneuert werden. Die Pacht-Einnahmen lagen bei unter 10 000 Euro.

Zeitweilig hat man im Rathaus an eigenes Personal zum Abkassieren oder an Parkautomaten gedacht. Beide Ansätze wurden verworfen – zu teuer, zu aufwendig. Zumal echter Bedarf nur an 30 bis maximal 60 Tagen in der Saison besteht. Es folgt jetzt der Versuch, ganz ohne Gebühren auszukommen.

Im Detail stellt die Verwaltung klar, für welche Bereiche das kostenfreie Parken gelten soll. Es geht um die Parkplätze P 1 und P 2, die Straße Falckensteiner Strand und den Deichweg (wo Bund und Land zuständig sind) sowie das Antennenfeld. Doch aufgepasst: Wildes Parken etwa am Straßenrand bleibt weiterhin verboten. Das Ordnungsamt wird laut Verwaltungsspitze täglich kontrollieren und sicherstellen, „dass Falschparker entsprechend geahndet und gegebenenfalls abgeschleppt werden können“. Damit stets eine Durchfahrt für Rettungsfahrzeuge gewährleistet wird, sollen nach Kämpfers Worten Findlinge am Deich abgelegt werden – das wilde Parken wird dann schlichtweg nicht mehr möglich sein.

Nicht nur an Autofahrer hat die Verwaltung gedacht. Für Radfahrer sollen im Deichweg 50 bis 60 Fahrradbügel zur Verfügung gestellt werden. Und die Pläne für Falckenstein gehen noch viel weiter. Die Stadt will einen Teil des Friedrichsorter Gewerbegebietes (das ehemalige Vossloh-Gelände) ankaufen und in eigene Regie übernehmen. Möglichst noch in diesem Jahr. Die Rede ist von Investitionen jenseits der Größenordnung von 30 Millionen Euro.

Wenn’s klappt, eröffnen sich den Städteplanern ganz neue Perspektiven. Eine Buslinie könnte eingerichtet werden, die die Badegäste nahezu bis zum Strand bringt. Ein eigener Fuß- und Radweg würde – verglichen mit der jetzigen Anfahrtroute – eine erhebliche Abkürzung bedeuten. Schließlich könnte man dann endlich auch die ersehnte Anbindung der Festung Friedrichsort vornehmen. Die denkmalgeschützte Anlage ist zurzeit öffentlich gar nicht zugänglich. Dabei gibt es immer wieder Reisegruppen speziell aus Dänemark, die wegen einer Besichtigung anfragen. Und Tourismus ist in Kiel stets ein gutes Argument.

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