Warleberger Hof : Freier Eintritt zur Zeitreise in die Stadtgeschichte

Getrennt durch die Förde: Gaardener Familien machen sich 1960 auf den Weg zur Fähre, die sie ans Westufer bringen soll.
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Getrennt durch die Förde: Gaardener Familien machen sich 1960 auf den Weg zur Fähre, die sie ans Westufer bringen soll.

Kiel kocht, Kiel segelt, Kiel wandelt sich: Das Stadtmuseum im Warleberger Hof stellte gestern sein Jahresprogramm vor. Besucher dürfen sich freuen, denn der Zutritt zu sämtlichen Ausstellungen ist kostenlos.

shz.de von
10. Januar 2018, 18:48 Uhr

Die Arbeitsteilung im Jubiläumsjahr des Kieler Matrosenaufstandes ist klar. Das Schifffahrtsmuseum in der alten Fischhalle an der Förde wird sich ab Mai in einer großen Ausstellung mit den sozialen und politischen Auswirkungen der Rebellion von 1918 beschäftigen. Der Warleberger Hof an der Dänischen Straße wiederum widmet sich der facettenreichen Stadtgeschichte. Dabei geht es etwa um Protest-Gemälde der „Kritischen Realisten“, um den bildhaften Wandel in den Kieler Stadtteilen, um die Historie des Segelsports und schließlich um die kulinarische Zeitreise durch die Kieler Kochtöpfe. Das Besondere: Sowohl im Schifffahrtsmuseum als auch im Warleberger Hof haben Besucher freien Eintritt zu sämtlichen Ausstellungen.

In das Bild, das Fiete Magnussen 1960 auf dem Ostufer geschossen hat, darf man sich vertiefen. Es zeigt adrett gekleidete Familien auf dem Weg zur Fähre von Gaarden ans Westufer. Lange bevor jeder Haushalt über ein Auto verfügte, lange bevor der Norwegenkai der Color-Line-Reederei entstand und lange bevor Oberbürgermeister Norbert Gansel die Hörn-Klappbrücke in Auftrag gab, fuhren die Gaardener übers Wasser in die Innenstadt. „Nach Kiel“, wie sie sagten, obwohl sie selber Kieler waren. Die spürbare Distanz hat nach Einschätzung von Museumsleiterin Doris Tillmann dafür gesorgt, dass Gaarden heute noch der vermutlich eigenständigste Kieler Stadtteil ist. Die Bilderschau mit Aufnahmen etwa aus Holtenau, Elmschenhagen oder Suchsdorf läuft vom 22. April bis zum 4. November.

Protest gegen Aufrüstung, Umweltzerstörung und seelenlose Stadtplanung spricht aus den Gemälden der „Kritischen Realisten“ (28. Januar bis 3. März). „Segelsport in Kiel“ – die Stadt nennt sich bekanntlich Deutschlands „Sailing City“ – ist vom 15. Juni bis 4. November zu bewundern. Die Präsentation klärt auch auf über die Kaiserliche Kieler Marine-Woche seit 1880, die sich erst nach Abdankung des Monarchen 1918 langsam zur Kieler Woche entwickelte, wie wir sie heute kennen. „Kiel kocht“ heißt es schließlich ab 25. November. Im Fokus stehen dabei die Ernährung und die Lebensmittelproduktion einer wachsenden Großstadt. Stichworte: Seefischmarkt, Kieler Sprotte, Brotfabriken und Kieler Küche.

Insgesamt gut 50 000 Besucher zählten die beiden städtischen Kieler Museen im vergangenen Jahr. Allein 32 000 waren es in der Fischhalle – den größten Anteil stellten die Touristen mit etwa 70 Prozent. Im Warleberger Hof mit seinen rund 18 000 Gästen ist es umgekehrt: Der überwiegende Teil stammt aus dem Großraum Kiel (etwa 70 Prozent), nur 30 Prozent von außerhalb. Das begründet einerseits die Arbeitsteilung zwischen den beiden Häusern und zeigt andererseits: Das Interesse an der Stadtgeschichte ist bei den Kielern ungebrochen.

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