Katzheide : Freibad: Heiße Debatte ums kühle Nass

Eine der letzten Aktionen in Katzheide: Im Juli 2014 lief eine Qualifikation zur 1. Europameisterschaft im Badewannen-Rennen.
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Eine der letzten Aktionen in Katzheide: Im Juli 2014 lief eine Qualifikation zur 1. Europameisterschaft im Badewannen-Rennen.

Sommerbad auf dem Kieler Ostufer soll ab Montag zum halben Preis öffnen. Die Linken-Fraktion wirft der Stadt indes eine „katastrophale Kommunikationspolitik“ vor. Die wiederum bezeichnet das als „Effekthascherei“.

shz.de von
17. Juli 2015, 06:05 Uhr

Es ging noch einmal zur Sache. Vor der Sommerpause tagte die Kieler Ratsversammlung gestern zum letzten Mal – und musste sich gleich mehrfach und auch emotional aufgeladen mit dem schwierigen Thema Sommerbad Katzheide im Stadtteil Gaarden befassen. Dieses soll nach Aussage des zuständigen Dezernenten Gerwin Stöcken (SPD) voraussichtlich am kommenden Montag öffnen – und zwar zum halben Preis, da nur das Nichtschwimmerbecken freigegeben wird. Das beschloss die Ratsversammlung mehrheitlich auf den interfraktionellen Antrag von SPD, CDU, Grünen und SSW hin.

Vorläufiger Endpunkt des gestrigen Katzheide-Kapitels: Der verärgerte Stöcken warf Stefan Rudau von der Linken-Fraktion vor, die Unwahrheit zu sagen: „Sie nutzen Infos, die Sie von mir bekommen, um sie bewusst falsch darzustellen.“ Ein Kommentar aus dem Plenum dazu: „Unerhört!“ Rudau hatte zuvor statt des halbierten Eintrittspreises einen freien Eintritt für das Freibad gefordert, von „aufgebrachten Nutzern“ gesprochen. Er warf der Verwaltung eine „katastrophale Kommunikationspolitik“ vor. Stöcken bezeichnete das als „Effekthascherei“. Er habe der Fraktion wiederholt Begehungen und Informationen angeboten und hielt fest: „Sie wissen ganz genau – dieses Bad geht so nicht.“ Das ließ Rudau unkommentiert.

Die Initiatoren des Bürgerbegehrens zum Erhalt von Katzheide kamen indes zu Wort. In der Einwohnerfragestunde wollten Hartmut Jöhnk und Andreas Regner von der Stadt etwa wissen, ob diese eine „Gläserne Akte“ im Internet plane, wie es etwa eine für die Ansiedlung von Möbel Kraft gibt, um Transparenz zu schaffen. Antwort von Stöcken: „Es gibt keinen Ansatz für eine Gläserne Akte. Mein oberstes Ziel ist es, das Freibad zu öffnen.“ Notwendige Informationen würden „so rechtzeitig wie möglich“ über Medien oder das Internet erteilt.

Außerdem stand gestern die Innenstadtentwicklung auf der Tagesordnung. Am späten Abend sollte das 12,5-Millionen-Euro-Projekt Kleiner Kiel-Kanal beschlossen werden, auch das geplante Wohnviertel Schlossquartier in der Altstadt sollte grünes Licht erhalten. Erkannt haben Stadtverwaltung und Stadtparlament zudem, dass ein Neubau der maroden Berufsschule RBZ1 notwendig ist – die Frage ist nur, wie das finanziert werden soll, und wo die Berufsschüler in der Zwischenzeit lernen können. Im Herbst soll ein Konzept vorliegen.

Einen Prüfantrag der Linken über die Voraussetzungen für eine Sondergenehmigung der Stadt für die kontrollierte legale Cannabis-Abgabe an Erwachsene verwies die Ratsversammlung mit großer Mehrheit an den städtischen Sozialausschuss. SPD, SSW, Grüne und Linke sprachen sich unter Enthaltung der FDP grundsätzlich für eine modernere, liberalere Drogenpolitik im Hinblick auf Cannabis aus. Die CDU-Fraktion jedoch warnte eindringlich vor den medizinischen Gefahren: „Cannabis zerstört das Gehirn und Beziehungen.“ FDP-Fraktionschef Hubertus Hencke bekannte hingegen freimütig: „In jungen Jahren wurde mir geraten: Trink weniger Alkohol und rauch’ lieber mal eine.“ Ob er diesen Ratschlag beherzigt hat, stand nicht zur Debatte.

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