Energiespeicherung im Untergrund : Forscher sehen saisonale Wärmespeicher als Ersatz für Kraftwerke

Hoch hinaus geht es am 13. Juli: Die Christian-Albrechts-Universität zu Kiel stellt sich dann vor.
Forscher aus ganz Deutschland nahmen in Kiel an einem nationalen Symposium zum Thema teil.

Wärmespeicher sollen Alternative zu Kohle- und Gaskraftwerken werden. Der Bund fördert ein Forschungsprojekt.

shz.de von
28. November 2017, 15:54 Uhr

Kiel | Unterirdische Wärmespeicher können nach Ansicht von Wissenschaftlern wesentliche Probleme der Energiewende lösen. Deren Nutzung eröffnet die Möglichkeit, „Wärmekraftwerke basierend auf fossilen Brennstoffen sogar schon mittelfristig teilweise ersetzen zu können“, sagte der Geologe Andreas Dahmke von der Kieler Christian-Albrechts-Universität (CAU). Dort nahmen am Dienstag Forscher aus ganz Deutschland an einem nationalen Symposium zur Energiespeicherung im Boden teil. Bis Ende 2020 fördert der Bund ein entsprechendes Forschungsprojekt im Norden mit 6,6 Millionen Euro.

Neben Wissenschaftlern der CAU sind daran auch die Europa-Universität sowie die Hochschule in Flensburg, die Mainzer Johannes Guttenberg-Universität und das Helmholtz-Zentrum für Umweltforschung in Leipzig beteiligt. Die unterirdischen Speicher sollen wie riesige Wärmetauscher funktionieren und über einen geschlossenen Wasserkreislauf verfügen.

„Wir müssen auch den Blick auf unterirdische Speicherungsmöglichkeiten richten, denn die Nutzung an der Oberfläche stößt an Grenzen“, sagte Schleswig-Holsteins Umweltminister Robert Habeck (Grüne). Akzeptanzprobleme in der Gesellschaft wie bei der umstrittenen Carbon Capture and Storage (CSS) genannten Methode zur Speicherung des Treibhausgases Kohlendioxid (CO2) im Boden fürchtet er nicht. „Ich glaube, dass dies zurecht anders gesehen wird.“ Verunreinigungen des Grundwassers und „nicht gewollte Verdrängungen“ müssten mit Hilfe des Wasserrechts jedoch vermieden werden.

Ein Teil des Forschungsprojekts „Angus“ sind Wärmeversorgungskonzepte für Städte. „Es existieren in Städten gerade in den Sommermonaten eine Reihe potenzieller Wärmequellen, deren Einbindung in die städtische Wärmeversorgung möglich wird, wenn saisonale Wärmespeicher verfügbar sind“, sagte der Kieler Geologe Sebastian Bauer. Nötig sei aber ein großräumiges Wärmemanagement. Damit könnten diese Speicher auf unterschiedliche Arten in die Energiesysteme integriert werden und sowohl lang- als auch kurzfristige Speicherdienste erbringen.

Im Zuge der Energiewende soll die Energieversorgung in Deutschland bis 2050 zu 60 Prozent aus Erneuerbaren gedeckt werden. Für eine 100-prozentige Versorgung mit Ökostrom seien die Energie- und Wärmespeicher im Boden ein wesentlicher Baustein, sagte der Flensburger Klimaforscher Olav Hohmeyer. „Ab einer gewissen Durchdringungsrate von regenerativer Energiequellen wie Wind und Sonne – ich sage mal ungefähr 60 Prozent – brauchen wir notwendig Speicher. Sonst geht es nicht.“ Ab diesem Zeitpunkt werde es in Deutschland nicht mehr genügend konventionelle Energie beispielsweise aus Kohle und Gas geben. „Dann brauchen wir schnell steuerbare Speicher.“

Zu den Auswirkungen von derartigen Wärmetauschern gehört eine Erhöhung der Umgebungstemperaturen unter der Erde. „Höhere Grundwassertemperaturen sind per se aber nichts Schädliches“, sagt Experte Dahmke. Auswirkungen auf das Grundwasser seien aber zu erwarten und müssten kontrolliert werden. Hohmeyer schlug deshalb vor, analog zu Grundwasser-Schutzgebieten Vorranggebiete für Wärmespeicher zu bestimmen.

Geologe Dahmke sieht in Wärmespeichern aber nicht nur einen wichtigen Bestandteil für den Klimaschutz, sondern auch eine ökonomische Komponente: Denn der Gaspreis werde nicht auf ewig so niedrig bleiben wie aktuell.

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