Kiel : Forscher finden Gen für langes Leben

Biologin Anna Marei Böhm gehört zum Team von Thomas Bosch und erforscht in ihrer Doktorarbeit die Regulation von Stammzellen in der Hydra. Hier untersucht die 30-Jährige am Fluoreszenzmikroskop genetisch veränderte Zellen, die leuchtend grün markiert wurden. Foto: Schulze
Biologin Anna Marei Böhm gehört zum Team von Thomas Bosch und erforscht in ihrer Doktorarbeit die Regulation von Stammzellen in der Hydra. Hier untersucht die 30-Jährige am Fluoreszenzmikroskop genetisch veränderte Zellen, die leuchtend grün markiert wurden. Foto: Schulze

Durchbruch in der Altersforschung: Kieler Forscher haben das "FoxO-Langlebigkeitsgen" entdeckt. Sie wollen mit dieser neuen Erkenntnis Leiden im Alter lindern.

shz.de von
15. November 2012, 09:39 Uhr

kiel | Seit Jahrtausenden ist die Menschheit auf der Suche nach Unsterblichkeit und ewiger Jugend. In der Tierwelt gibt es potenziell unsterbliche Spezies - Seegurkenarten, Pilze oder Süßwasserpolypen gehören dazu. Eine direkte Verbindung zum Menschen gab es bislang jedoch noch nicht. Jetzt haben Kieler Wissenschaftler der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel (CAU) ihre neuesten Forschungsergebnisse vorgestellt. Demnach ist dem Team um den Zell- und Entwicklungsbiologen Thomas Bosch vom Zoologischen Institut der CAU der Durchbruch in der Altersforschung gelungen.
Die Kieler Forscher haben deutliche Hinweise darauf gefunden, dass das sogenannte "FoxO-Langlebigkeitsgen" das Altern der Menschen steuert. Die Erkenntnis kam per Zufall. Im Zentrum der Forschung stand ursprünglich der bis zu drei Zentimeter große Süßwasserpolyp Hydra, der durch eine permanente Stammzellenteilung im Grunde unsterblich ist.
Forschung mit der Hydra
Verantwortlich für das ewige Leben der Hydra ist das FoxO-Gen, das vor allem bei den Menschen nachweisbar ist, die älter als 100 Jahre werden. Wie bei der Hydra in der griechischen Mythologie ist der Süßwasserpolyp in der Lage, abgeschlagene Körperteile innerhalb von drei Tagen neu zu bilden. "Die Hydra hat eine unglaubliche Regenerationsfähigkeit", sagt Bosch.
Um den Einfluss des FoxO-Gens beim Stammzellenwachstum herauszufinden, manipulierten die Forscher die Gene der Hydra. Tiere, die die Langlebigkeitsgene nicht mehr hatten, alterten deutlich schneller. Mit diesen Erkenntnissen sollen jetzt Rückschlüsse auf die Altersforschung beim Menschen gezogen werden. Denn für Bosch ist klar: Stammzellen spielen beim Altern eine wichtige Rolle und haben auch auf das Immunsystem einen entscheidenden Einfluss. Bosch: "Hierbei sind wir am Entschlüsseln universeller Grundregeln." Der Kieler Wissenschaftler betont aber gleichzeitig, nicht auf der Suche nach der ewigen Jugend beim Menschen zu sein: "Wir wollen das menschliche Altern nicht aufhalten, auch weil es vermessen ist, anzunehmen, es aufhalten zu können."
Welche Umweltfaktoren wirken auf das Gen ein?
Ziel sei es vielmehr, Leiden im Alter zu lindern und neue therapeutische Maßnahmen zu entwickeln. Das Problem: Mit dem Alter verlieren die menschlichen Stammzellen immer mehr die Fähigkeit, neue Zellen zu bilden. Die Folge: Die Regeneration des alternden Gewebes wird immer schlechter, auch die Muskelkraft lässt nach. Gerade Umweltfaktoren seien bei diesem Prozess von großer Bedeutung. Deren Einfluss schätzt Bosch auf 80 Prozent. Daher soll auch erforscht werden, welche Umweltfaktoren ein Fortbestehen des FoxO-Gens begünstigen. "Dieser Weg ist noch völlig unbeschritten", erklärt der Zellbiologe.
Und wie geht es jetzt weiter? "Wir werden einen Drittmittelantrag stellen, um ein umfassendes Verständnis über das FoxO-Gen zu erlangen." Die neuen Erkenntnisse der Forscher könnten auch dabei helfen, langfristig Fortschritte bei der Linderung neuronaler Krankheiten wie Parkinson oder Alzheimer zu erzielen.

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