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Folk mit Fuß- und Rückenleiden: "Ilgi" in der Halle 400

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Kiel | Der Ort und die Gruppe klangen so gar nicht nach dem klassischen Schleswig-Holstein Musik Festival: Die lettische Band "Ilgi" trat in der Halle 400 auf. Das shmf ist also nicht nur jazzig, sondern auch folkig geworden. Es war ein außergewöhnliches Konzert - in mehrfacher Hinsicht. Die Musik war gewöhnungsbedürftig und das Stehen auf dem harten Hallenboden eine Herausforderung für Füße und Rücken des meist älteren Publikums.

Als Folk-Rock war die Gruppe angekündigt worden. "Ilgi" besteht bereits seit 32 Jahren, der Mittelpunkt ist immer noch ihre Gründerin, Ilga Reizniece, die eine Ausbildung als klassische Geigerin hat. Sie entlockte ihrem Instrument manchmal mystisch-schräge Töne, die man bei lettischen Folk durchaus erwartet. Neben modernen Instrumenten wie E-Bass (Gatis Gaujenieks) und Percussion (Martins Linde) setzte Maris Muktupavels mit der lettische Zither Kokle oder mit Sackpfeife die Akzente. Vierter im Bunde war Egons Kronbergs mit Gitarre.

Hätte man reinen Folk erwartet (die Gruppe hätte auch bei der Folk Baltic auftreten können) und hätte es Sitzplätze gegeben, wäre die Erwartungshaltung erfüllt worden und der Genuss wohl größer gewesen. Aber nur wenige der Stücke boten einen Rock-Rhythmus und verleiteten zum Bewegen.

Statt dessen reihten sich Titel mit Mittelalter-Anklängen aneinander, manchmal mit eigenwilligem Takt - aber immer getragen von Ilga Reiznieces Gesang und Geigenspiel. Der Titel des Konzerts ist zugleich der Titel der neuesten CD der Gruppe: "Tur Saulite Perties Gaja", was so viel heißt wie "Die Sonne geht saunen". Glücklicherweise war es am Sonnabend Abend abgekühlt, so dass die Halle 400 sich nicht in eine Sauna verwandelte.

Vier Mal wurde eine CD der Gruppe von der lettischen Schallplattenindustrie als "Bestes zeitgenössisches Folk-Album" ausgezeichnet. Entweder, der deutsche Hörgeschmack ist so ganz anders oder man muss der Musik noch mal im Sitzen eine Chance geben.

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erstellt am 05.Aug.2013 | 03:59 Uhr

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