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Wildblumen statt Rasen : Förder-Programm für die Stadt-Bienen

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Ein neuer Aktionsplan für den Bienensschutz wird umgesetzt: Kiel will öffentliche Grünflächen in Blumenwiesen umwandeln. Eine Idee ist zudem, dass die Stadt Bürgern Blühmischungen kostenlos zur Verfügung stellt.

shz.de von
erstellt am 30.Apr.2014 | 06:13 Uhr

Geht es nach der Stadt Kiel, dann summt und brummt es in Zukunft in der Landeshauptstadt wieder deutlich mehr. Der Plan: Bienen sollen es in der Stadt besser haben. Besonders Wildbienen sind gefährdet. Denn viele der 296 nachgewiesenen Arten neben der Honigbiene sind in ganz Schleswig-Holstein ausgestorben oder bedroht. Auch, weil für sie immer weniger Lebensraum in der industrialisierten Landwirtschaft zur Verfügung steht.

Mit dem „Kieler Aktionsplan Bienenschutz“ stehen ganz konkrete Maßnahmen an. So soll etwa, wie es im schönsten Amtsdeutsch heißt, aus „Straßenbegleitgrün“ mehr „Straßenbegleitbunt“ werden. Man könnte auch sagen: Bunt blühende Blumenwiesen statt schnöder Rasenflächen. Das soll nach und nach am Straßenrand, in Parks und an Wanderwegen geschehen, beispielsweise auf der Orchideenwiese am Tirpitzhafen, an der Wrangelstraße, am Mittelstreifen des Stresemannplatz und am Ida-Hinz-Park neben dem Fußweg. Ab Mitte Mai sollen nach Auskunft einer Sprecherin der Stadt erste Samen ausgesät werden. Dazu gehörten heimische Wildblumen und blühende Krautpflanzen wie Kornblumen oder Schaumkraut – eben ein bunter Mix, der den Insekten viel Nahrung bietet. Auch Überwinterungsmöglichkeiten wie Sand- und Steinaufschüttungen soll es geben.

Die Kieler dürfen sich übrigens nicht nur über Blumenteppiche freuen, sondern sollen auch selbst mitmachen beim Bienenschutz. Beispielsweise auf dem Balkon, der Terrasse, im eigenen Garten, oder als Pate für öffentliche Flächen. Diesen Aktionsplan stellte der Abteilungsleiter des städtischen Umweltschutzamtes, Bernd Kernke, im Innen- und Umweltausschuss im Rathaus vor. Er war im September vergangenen Jahres beantragt worden und stößt in der Kommunalpolitik, besonders bei den Grünen, auf viel Gegenliebe. In zwei Jahren soll es eine neue Aufstellung geben. Eines der Ziele bis dahin ist es nach Angaben der Stadt, genau zu evaluieren, welche Blumen die Tiere eigentlich anlocken – und welche Bienen in Kiel vorkommen.

Denn Biene ist nicht gleich Biene. So meinen viele die domestizierte Westliche Honigbiene, wenn sie an die Insekten denken. Diese bilden Staaten. Wildbienen summen hingegen solo durchs Blütenmeer, mit Ausnahme der Hummeln. Und, der wichtigste Unterschied: Sie produzieren keinen Honig. Sie konkurrieren sogar mit den Honigbienen um Nektar und Pollen – und ziehen gegen die Honigbienen-Gruppen oft den Kürzeren. Sie werden von den Honigbienen teilweise sogar aus dem gemeinsamen Lebensraum verdrängt. Das soll sich ändern. So will die Stadt etwa Flächen, die sich möglicherweise für den Wildbienenschutz eignen, besonders herrichten und pflegen. Später soll es eine Karte geben, auf der aktuelle Wildbienenvorkommen und potenzielle Lebensräume vermerkt werden.

Und der Plan geht noch weiter. In Zukunft sollen neue Honigbienenstände von Imkern nicht mehr in unmittelbarer Nähe von Wildbienen errichtet werden. Die Stadt will zur Umsetzung des Aktionsplans mit örtlichen Imker-Vereinen wie „Kollhorst“ kooperieren.

Über mögliche Kosten für die Umsetzung des Aktionsplans ist nach Angaben der Stadtsprecherin noch nichts bekannt. Zudem läuft er auch eher als Test, was sich positiv auf das Bienenvorkommen auswirkt – und wie. Umsonst wird es den Bienenschutz für die Landeshauptstadt aber nicht geben. So schlägt etwa das Umweltschutzamt bereits vor: „Wünschenswert wäre es, wenn die Stadt den Bürgerinnen und Bürgern ein Kontingent an Blühmischungen kostenlos zur Verfügung stellen könnte.“

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