Besuch aus Israel : Förde wird morgen zur Sperrzone

Die gesamte Innenförde wird morgen gesperrt. Die Fördeschifffahrt wird eingestellt, einzig die „Color Magic“ darf um 14 Uhr auslaufen. Die Hörnbrücke vor dem Bahnhof soll allerdings für Fußgänger und Radfahrer passierbar bleiben.
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Die gesamte Innenförde wird morgen gesperrt. Die Fördeschifffahrt wird eingestellt, einzig die „Color Magic“ darf um 14 Uhr auslaufen. Die Hörnbrücke vor dem Bahnhof soll allerdings für Fußgänger und Radfahrer passierbar bleiben.

Wegen der Visite des israelischen Präsidenten Reuben Rivlin müssen Verkehrsteilnehmer in Kiel morgen mit stundenlangen Behinderungen rechnen. Das Regierungsviertel ist vollständig abgeschottet, die Innenförde bis zur Schwentinemündung ist Sperrgebiet.

shz.de von
11. Mai 2015, 10:54 Uhr

Allerhöchste Sicherheitsstufe an der Förde: Die Landeshauptstadt wird morgen während des Besuchs des israelischen Präsidenten Reuven Rivlin in großen Teilen zur Sperrzone. Autofahrer und Freizeitkapitäne, selbst Fußgänger und Radfahrer müssen mit erheblichen Behinderungen und Personenkontrollen rechnen. Wer irgendwie kann, sollte ab 7 Uhr morgens zumindest das Revier rund um die Innenförde meiden. Der genaue Umfang der Sicherheitsmaßnahmen stand bei Redaktionsschluss gestern Abend immer noch nicht fest. Die Experten sprechen nämlich von einer „dynamischen Situation“. Soll heißen: Bis zur letzten Minute muss mit Änderungen gerechnet werden.

Bekannt ist bisher allerdings, dass das Regierungsviertel mit Staatskanzlei, Landtag, Gästehaus und drei Ministerien abgeriegelt wird. Hier bewegt sich nichts und niemand ohne ausdrückliche Erlaubnis. 1500 Beamte und Angestellte haben dienstfrei. Auch das benachbarte Institut für Weltwirtschaft macht vollständig dicht. Die Kiellinie ist von der Reventlouallee bis fast zum Seebad Düsternbrook streng abgeschottet.

Die gesamte Innenförde bis zur Schwentinemündung wird für den Bootsverkehr gesperrt, ebenso der Anlieger Bellevue. Einzig die „Color Magic“ darf um 14 Uhr auslaufen. Die Fördelinie F  2 fährt nicht, der Fördetörn nur die erste Runde ab 11 Uhr von der Bahnhofsbrücke Kiel. Auch auf der Linie F1 kann es ganztägig zu Störungen bis hin zu Ausfällen kommen. Die Schlepp- und Fährgesellschaft Kiel (SFK) bedauert, dass sie „aufgrund der dynamischen Sicherheitslage“ keine verbindlichen Aussagen machen kann. Nur so viel: Fahrgästen, die feste Termine haben, empfiehlt die SFK, auf andere Verkehrsmittel umzusteigen. Die Hörnbrücke vor dem Bahnhof ist – Stand gestern Abend – nicht betroffen.

Nach Mitteilung der Landespolizei wird es an der Universität, wo Rivlin mit Studenten diskutieren will, am Vormittag zu kurzen Sperrungen kommen. „Der Betrieb an der Universität wird so gut wie gar nicht beeinträchtigt“, verspricht Jürgen Börner als Pressesprecher der Landespolizei. Auch für den Bereich Werftstraße sind „zurzeit keine Einschränkungen geplant“. Rivlin wird sich auf der Werft TKMS (Thyssen Krupp Marine Systems) das für Israel gebaute, 600 Millionen Euro teure U-Boot „Rahav“ anschauen. Mit der Bestellung von vier Korvetten liegt bereits ein neuer Großauftrag aus Israel vor.

Als „Opfer der großen Weltpolitik“ sieht sich die Sporthafen Kiel GmbH. Geschäftsführer Philipp Mühlenhardt klagt über ein Verwirrspiel. Vor einer Woche noch hieß es, dass 190 Freizeitkapitäne vor Düsternbrook ihre Schiffe verlegen müssten. Dann aber folgte „Kommando zurück“. Taucher werden heute die Hafenbecken nach Sprengstoff absuchen und anschließend abriegeln. Niemand kommt mehr hinein. Frustrierten Bootsbesitzern kann Mühlenhardt nur erklären: „Wir hängen mit den Informationen am Tropf der Politik.“

Ärgerliche Auswirkungen hat das größte Sicherheitsszenario, das die Stadt je erlebt hat, für die Skipper dennoch. Am Tag vor Himmelfahrt machen sie ihre Boote traditionell startklar für den verlängerten Wochenendtörn. Doch damit können sie diesmal erst am Abend beginnen – wenn Rivlin seine Kiel-Visite beendet hat.
 

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