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Verschollenes Flugzeug : Flug MH370: Kieler Tauchgerät hilft bei Wrack-Suche

vom

Seit Anfang März ist die Maschine der Malaysia Airlines verschollen. Ein Gerät des Geomar-Instituts soll das Wrack finden.

shz.de von
erstellt am 18.Aug.2014 | 13:20 Uhr

Kiel | Bei der Suche nach dem Wrack des seit mehr als fünf Monaten verschollenen Passagierflugzeugs der Malaysia Airlines kommt jetzt ein Tauchgerät des Kieler Geomar-Instituts zum Einsatz. „Eine holländische Bergungsfirma hat sich unser 'Side Scan Sonar' gemietet“, sagte Andreas Villwock, Pressesprecher des Geomar - Helmholtz-Zentrums für Ozeanforschung, am Montag. Das Seitensichtsonar könne in bis zu 6000 Meter Tiefe zum Einsatz kommen und den Meeresboden absuchen. Bereits 2011 hatte das Kieler Institut mit einem unbemannten U-Boot geholfen, vor Brasilien das Wrack einer abgestürzten Air-France-Maschine zu finden.

Am 8. März war der Kontakt zu Flug MH370 abgebrochen. Die Boeing 777 mit 239 Menschen an Bord verschwand kurz nach dem Start in Kuala Lumpur vom Radar. Die Maschine sollte nach Peking fliegen. Sie stürzte vermutlich bei Australien ins Meer. Im März wurden auf Satellitenbilder mögliche Wrackteile entdeckt, doch MH370 blieb verschollen. Auch der Einsatz des unbemannten U-Boots Bluefin-21 brachte keinen Erfolg.

Im September soll eine neue Suchaktion beginnen. Australien hat die niederländische Firma Fugro Survey beauftragt, innerhalb eines Jahres ein 60.000 Quadratkilometer großes Gebiet im Indischen Ozean abzusuchen. Für diese Suchaktion werden mehrere Schiffe eingesetzt, die Schleppsonden, bestückt mit Fächer-Echolot, Videokameras und sogenannter Seitensicht-Sonartechnik, einsetzen werden, wie das Kieler Institut erläuterte.

Das etwa zweieinhalb Meter lange und 900 Kilogramm schwere Kieler Tauchgerät ist unbemannt und wird geschleppt. „In die Tiefe gelangt es mit Hilfe eines zwei Tonnen schweren Klotzes und es bleibt während des Einsatzes mit einem Kabel verbunden“, erläuterte Villwock. Es könne koffergroße Teile in Tausenden Metern Tiefe erkennen. Dabei entstehen keine Fotos, vielmehr handelt es sich um ein indirektes Bildverfahren, basierend auf Schall. „Unser Gerät wird zum ersten Mal für die Suche nach einem Wrack verwendet“, sagte Villwock. „Wir haben es bis Ende des Jahres vermietet, dann brauchen wir es wieder selber.“ 

Seitensichtsonare werden von Meeresforschern häufig eingesetzt, um die Struktur des Meeresbodens näher zu untersuchen. Aus den gewonnenen Informationen lassen sich Hinweise auf veränderte Strukturen am Meeresboden oder auf geologische Störungen im Untergrund gewinnen. Technisch funktioniert ein solches Sonar so, dass ein akustisches Signal von dem System abgestrahlt wird. Trifft dieses Signal auf eine Grenzfläche - etwa den Meeresboden -, wird das Signal reflektiert und ein Teil wird wieder vom Gerät aufgefangen.

Mit Seitensicht-Sonargeräten lassen sich Gesteinsschichten von anderem Material, wie zum Beispiel Wrackteilen, unterscheiden, erläuterte Jörg Bialas, Geophysiker am Geomar. Das ferngesteuerte unbemannte Unterwasserfahrzeug „Abyss“ des Geomar, das zunächst für die Suche nach MH370 im Gespräch war, wird nicht eingesetzt. „Abyss“, 2011 schon an der erfolgreichen Suche nach dem Wrack der vor Brasilien abgestürzten Air-France-Maschine beteiligt, werde in den kommenden Monaten für wissenschaftliche Expeditionen benötigt, sagte Villwock. „Bei dem geschleppten System handelt es sich aber auch um ein sehr leistungsfähiges Gerät, dass in der Auflösung 'Abyss' in nichts nachsteht.“

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