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Asylpolitik : Flüchtlingsdorf bleibt länger stehen

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Die Unterkunft am „Norder“, ursprünglich für anderthalb Jahre eingerichtet, hat noch nicht ausgedient. Denn die geplante Ersatzsiedlung am Bremerskamp lässt auf sich warten. Währenddessen besuchte mit Gerd Müller ein amtierender Bundesminister die nitiative „Kiel hilft Flüchtlingen“. Er suchte nach Konzepten für die Spendenverteilung.

shz.de von
erstellt am 18.Mai.2016 | 19:27 Uhr

Sozialdezernent Gerwin Stöcken hatte keinen leichten Stand, damals im Mai 2015. Vor einem großen Zuhörerkreis mit zum Teil aufgeregten Zwischenrufen musste er erklären, warum direkt neben dem Nordmarksportfeld eine provisorische Erstaufnahme-Einrichtung für Asylbewerber eingerichtet werden soll. Das Containerdorf am „Norder“, ausgelegt auf eine Kapazität von 500 bis 600 Menschen, müsste Flüchtlinge aufnehmen, bis die feste Siedlung am Bremerskamp steht – das sollte Ende 2016 passieren. Stöcken hatte auf der Info-Veranstaltung angekündigt: „In anderthalb Jahren sind die Container wieder weg.“

Gut möglich, dass er diese Zusage nicht einhalten kann. Denn am Bremerskamp tut sich noch nichts. Und nach Informationen unserer Zeitung wird sich das so schnell nicht ändern. Das Land – zuständig für die Erstaufnahmen – hat bislang keinen Investor für das geplante kleine Dorf in Uni-Nähe gefunden, in das irgendwann nach den Flüchtlingen auch die Studenten einziehen könnten. So jedenfalls die im Mai 2015 verkündete Idee.

Jetzt, ein Jahr später, vermag das Innenministerium „keine Angaben“ zu geben – weder zum Baubeginn noch zur Fertigstellung. Auch mögliche Rückschlüsse auf die Landesunterkunft am Nordmarksportfeld „sind nicht angebracht“, wie Pressesprecher Patrick Thiede erklärte. Mit 144 Flüchtlingen ist das Quartier am „Norder“ gegenwärtig nur zu einem Viertel belegt, doch Thiede betont: „Die Frage der Notwendigkeit der Einrichtung steht in keinem Zusammenhang mit den aktuellen Zugangszahlen von Flüchtlingen.“

Die Stadt, befragt nach der Zukunft des „Norder“-Camps, gibt sich ebenfalls zurückhaltend und verweist auf die Verantwortung des Landes. Nur so viel: „Wenn die Erstaufnahme am ,Norder’ länger benötigt (wird), ist die Stadt selbstverständlich jederzeit für Gespräche offen.“ Nach Auflösung des Flüchtlingsdorfes hören sich diese Worte nicht an.

Wie sich die Flüchtlingspolitik binnen eines einzigen Jahres gewandelt hat, war gestern Nachmittag im zentralen Spendendepot der Initiative „Kiel hilft Flüchtlingen“ zu erfahren. Gerd Müller (CSU), Bundesminister für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung, ließ sich die tagtägliche Solidaritätsarbeit und das Konzept für die Sammlung, Sortierung und Verteilung der Spenden erklären.

Eingeladen vom Kieler CDU-MdB Thomas Stritzl – die beiden Politiker kennen sich aus gemeinsamen Junge-Union-Zeiten – suchte Müller nach Konzepten, wie man die Menschen etwa in den Flüchtlingscamps in Kleinasien sinnvoll unterstützen kann. Dieser Ansatz kommt den Kieler Helfern entgegen, die weit mehr Kleidung, Schuhe oder Baby-Ausstattung gesammelt haben, als sie in absehbarer Zeit abgeben können. Mit Unterstützung aus Hamburg haben die Kieler bereits erste Lkw-Touren in die Notstandsgebiete organisiert. Initiator Sebastian Rehbach war sich mit dem Gast Gerd Müller einig: „Es muss uns gelingen, Brücken zu schlagen.“  

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