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Platz für 500 Asylbewerber : Flüchtlinge ziehen ins Containerdorf

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Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Das Land drängte zur Eile: Die Handwerker richteten noch das Quartier her, da standen schon die ersten Asylbewerber vor dem Eingang der neuen Kieler Erstaufnahme-Unterkunft in der Nähe der Universität.

shz.de von
erstellt am 02.Sep.2015 | 15:00 Uhr

Planierraupen ebneten die Wege ein, Polizeischüler transportierten Bettgestelle in die Container, Arbeiter luden Schränke ab, Elektriker kümmerten sich um die Beleuchtung in der neuen „Siedlung“ direkt neben dem Nordmarksportplatz: In der provisorischen Asylbewerberunterkunft wurde gestern Mittag noch geschraubt, verklemmt, gebohrt und gehämmert. Mittendrin im geordneten Durcheinander lief ein Pressegespräch, zu dem die Stadt spontan eingeladen hatte, um „Irritationen“ zu vermeiden. Denn am Vorabend hatte Oberbürgermeister Ulf Kämpfer vom Innenminister Stefan Studt erfahren, dass die Unterkunft zwei Tage eher als geplant benötigt wird. Bereits am Nachmittag brachten Busse aus Neumünster 350 Asylbewerber nach Kiel.

Studt wehrte sich gegen den Verdacht, dass in dem kleinen Containerdorf in der Nähe der Universität mehr als 500 Kinder, Frauen und Männer untergebracht werden. Auf dieser Zahl beruht die Abmachung zwischen Stadt und Land, diese Zahl hatte auch Sozialdezernent Gerwin Stöcken bei der Einwohnerversammlung genannt (wir berichteten). Allerdings: „Wenn die Not größer wird, könnte eine größere Belegung möglich werden“, räumte Studt ein. Ähnlich seine Aussage zu der geplanten festen Unterkunft, die im nächsten Jahr das Provisorium am Norder ablösen soll (und in einer fernen Zukunft Studenten als Bleibe diesen soll) . Diese Siedlung am Bremerskamp ebenfalls in Uninähe wird laut Innenminister rechtzeitig Ende 2016 fertig. „Es sei denn, wir bekommen einen harten Winter“, so Studt. Noch jedenfalls haben die Arbeiten am Bremerskamp nicht begonnen.

Unabhängig von der Erstaufnahmeeinrichtung – für die bekanntlich das Land verantwortlich ist –, erhält Kiel wie jede andere Stadt im Lande ein festes Kontingent an Asylbewerber zugewiesen. In diesem Jahr sind es voraussichtlich 2300, fürs kommende Jahr sogar 2600 bis 2800 – vorsichtig geschätzt. Gegenwärtig muss Kiel Woche für Woche 90 Flüchtlinge aus fremden Ländern versorgen. Das geschieht unter immer schwierigeren Bedingungen, weil der Wohnungsmarkt an der Förde sehr eng ist, wie Kämpfer erklärt. Bis zum Frühjahr ist nach seinen Worten die Situation gesichert. Und danach? Der Oberbürgermeister zuckt mit den Schultern, ein Rezept hat er noch nicht.

Die Polizei ist bei der Erstaufnahme tagsüber mit fünf Beamten im Einsatz, in der Nacht sorgen regelmäßige Streifen und ein privater Sicherheitsdienst für Präsenz und Kontrolle. Alkohol ist im Containerdorf verboten, und der Zugang ist reglementiert. „Das hier ist kein Zoo“, werden Einsatzleiter Gordon Evers und seine Mitarbeiter von Secura Protect allzu neugierige Besucher abweisen. Die 500 Bewohner erhalten Quartier, Verpflegung, medizinische und soziale Betreuung. Daran ist Innenminister Studt gelegen. „Wir sorgen für menschenwürdige Unterkunft. Jeder erhält ein Dach über dem Kopf. Niemand muss unter Bäumen schlafen.“

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