Freiwilliges Soziales Jahr : Flintbeker Kita setzt auf den jungen syrischen „Brückenbauer“

Die Kita-Kinder haben ihn vermisst: Pastorin Simone Sommer (links) und die Vize-Leiterin Birgit Rammert freuen sich auf die Zusammenarbeit mit dem Syrer Rashed.
Die Kita-Kinder haben ihn vermisst: Pastorin Simone Sommer (links) und die Vize-Leiterin Birgit Rammert freuen sich auf die Zusammenarbeit mit dem Syrer Rashed.

Das Tischlerhandwerk ist nicht das Richtige für Rashed. Das Gärtnerei-Praktikum hat dem 22-Jährigen schon mehr Spaß gemacht. Doch am meisten Freude hat der syrische Flüchtling an der Arbeit mit Kindern. Rashed durchläuft in der Evangelischen Kindertagesstätte Flintbek ein Freiwilliges Soziales Jahr.

shz.de von
23. August 2018, 12:26 Uhr

Wo ist Rashed? Diese Frage haben die Kinder immer wieder gestellt. Der 22-jährige Syrer hat mit ihnen Fußball gespielt und aus Bilderbüchern vorgelesen. Das war im Mai, als Rashed ein Praktikum in der Kita absolvierte. „Wir waren schwer beeindruckt, wie aufmerksam er den Kindern gegenüber war, so zuvorkommend und hilfsbereit“, lobt die stellvertretende Leiterin Birgit Rammert. „Und wenn die Kinder jemanden vermissen: das heißt schon was“, fügt sie hinzu. Bei der FSJ-Bewerbung „hat uns Rashed einfach überzeugt“, erklärt die Flintbeker Pastorin Simone Sommer.

Erfahrung mit Kindern hatte der Syrer zuvor nicht wirklich sammeln können. „Ich hab‘ nur zu Hause mit den Nachbarskindern gespielt“, erzählt der ledige junge Mann. Zu Hause, das ist die Stadt Idlib, etwa 50 Kilometer südwestlich von Aleppo. Über die Türkei ist er vor drei Jahren vor dem Bürgerkrieg nach Deutschland geflohen. Alleine. Anfang des Jahres kam Rashed in Flintbek an. In der Kita wird er in der U-3-Familiengruppe eingesetzt. „Außerdem hilft er in der Küche mit“, kündigt Birgit Rammert an. Rashed lacht. Auf seiner Flucht hat er in der Türkei in der Gastronomie gearbeitet, hat Döner zubereitet. „Ich koche auch selbst jeden Tag“, bekennt der junge Syrer. Neben der praktischen Arbeit in der Kita wird Rashed Integrationskurse besuchen und weiter Deutsch lernen. „Die Kinder verstehe ich schon viel besser als die Erwachsenen“, hat er festgestellt.

Eine Chance für beide Seiten sieht Pastorin Simone Sommer in dem Freiwilligen Sozialen Jahr: „Unsere Einrichtung besuchen auch Kinder mit Fluchterfahrung. Da ist Rashed ein toller Brückenbauer und Botschafter.“

zur Startseite

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen