Warleberger Hof : Fisch, Fleisch, Feinkost

Traditioneller Vierklang:  Die Kieler Sprotten genoss der hart arbeitende Mann früher mit Brot, Bier und einem Verdauungsschnaps.  Warleberger Hof
1 von 2
Traditioneller Vierklang: Die Kieler Sprotten genoss der hart arbeitende Mann früher mit Brot, Bier und einem Verdauungsschnaps. Warleberger Hof

Die neue Ausstellung im Warleberger widmet sich der Ernährung und dem Essverhalten in 200 Jahren. Auf die Besucher warten an jeder Station Rezepte aus historischen Kochbüchern. Die Gerichte lassen sich dann zu Hause nachkochen.

shz.de von
23. November 2018, 19:16 Uhr



Um gleich zu Anfang mit einer Legende aufzuräumen. „Die Kieler Sprotte ist ein Kieler Produkt“ – Museumsleiterin Doris Tillmann erklärt für die Landeshauptstadt kategorisch den Patentschutz. Natürlich, sagt sie, haben dann später andere Hafenstädte wie Eckernförde die Rezeptur für die Fischspezialität übernommen und ihre Sprotten in den Rauch glimmenden Buchenholzes gehängt. Das Kapitel zu den Sprotten und den Dutzenden Räuchereien im Fischerdorf Ellerbek gehört zur neuen Ausstellung „Kiel kocht“ im Warleberger Hof. Es geht um Lebensmittelversorgung, Ernährung und Esskultur über zwei volle Jahrhunderte.

Der Warleberger Hof dokumentiert mit der neuen Ausstellung den Übergang von der einstigen Selbstversorgung der Bevölkerung über den frühen Handel, die ersten Luxus-Kolonialwaren aus Übersee und die Versorgung in Kriegszeiten zu den modernen Einkaufsmärkten, die Tante Emma an der Ecke verdrängt haben.

Insgesamt acht Etappen meistern Doris Tillmann und Kuratorin Katrin Seiler-Kroll auf dem Weg in die esstechnische Neuzeit. An jeder Station liegen drei Rezepte aus, allesamt historischen Kochbüchern entnommen. Die Besucher können die Rezepte mitnehmen und zu Hause ausprobieren. Rote Grütze anno 1900 beginnt mit den Worten: „Man pflücke 2 Suppenteller voll Waldhimbeeren oder Erdbeeren.“ Und für die „Saure Suppe von Schinkenabfällen“ aus dem ersten Nachkriegsjahr 1919 wird dringend angeraten, die Schwarten, Knochen und Schinkenabfälle vor dem Gebrauch gründlich auszukochen.

„Der Kaiser ließ sich Kieler Sprotten einmal pro Woche kommen, das wusste damals jeder“, erzählt Doris Tillmann. Salzhering wiederum war das Arme-Leute-Gericht. Frischem Fisch aber stand die Bevölkerung früherer Jahrzehnte durchaus skeptisch gegenüber, konnten doch Fehler in der Kühlkette zu gefährlicher Vergiftung führen. Weshalb die große Halle des Seefischmarktes in Wellingdorf nicht nur sauber gefliest wurde. Die Sofortvermarktung sollte auch den Eindruck stärken, dass bis zum Fischgenuss nur wenig Zeit verstreicht.

Dass Essen auch immer eine politische Frage war, zeigt das Quartett „Durchhalten“ aus dem ersten Weltkrieg. Auf einer Spielkarte heißt es: „Wer hamstert, das ist doch bekannt, verrät das eigene Vaterland.“

Offiziell eröffnet wird „Kiel kocht“ am morgigen Sonntag um 11.30 Uhr. Bis zum Juni 2019 läuft ein umfangreiches Begleitprogramm zur Ausstellung. Das beginnt mit der Aufklärung über die tolle Knolle Kartoffel, beinhaltet traditionelle Ernährungsratschläge („Der Patriot isst Roggenbrot“), lädt ein zum „Genuss aus der Region“ und ist mit dem feinheimischen Kochen noch längst nicht beendet.

zur Startseite

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen