zur Navigation springen

Braunes Kino : Filme aus Hitlers Propagandastudio

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Im Kommunalen Kino der Pumpe startet im neuen Jahr eine siebenteilige Reihe mit sogenannten „Vorbehaltsfilmen“ aus der NS-Zeit. Dazu gehören etwa der antisemitische Streifen „Der ewige Jude“, das Kriegs-Epos „Heimkehr“ oder der Durchhalte-Film „Kolberg“, gedreht in den letzten Kriegsmonaten.

Der Giftschrank öffnet sich. Im neuen Jahr zeigen 26 Studenten der Medienwissenschaften an der Kieler Universität gemeinsam mit ihrem Dozenten Eckhard Pabst eine siebenteilige Filmreihe unter dem Titel „Propaganda – Das Kino der NS-Zeit“. Das Projekt versteht sich als Aufklärungsarbeit über das künstlerische Wirken der Nationalsozialisten, alle Filme werden im Kommunalen Kino der Pumpe von Vorträgen und Diskussionen begleitet. Christian Meyer-Heidemann als Landesbeauftragter für politische Bildung und Bildungsministerin Britta Ernst als Schirmherrin unterstützen diesen Ansatz. Eröffnet wird die Serie am 12. Januar mit „Hitlerjunge Quex“.

Zwischen 1933 und 1945 entstanden in Deutschland über 1200 Filme. Den größten Anteil stellen reine Unterhaltungsfilme. „Die Feuerzangenbowle“ mit Heinz Rühmann und „Münchhausen“ mit Hans Albers in der Titelrolle des Lügen-Barons gehören zu den bekanntesten. NS-Propagandaminister Joseph Goebbels ließ aber auch Werke produzieren, die den Kern der nationalsozialistischen Ideologie auf die Kinoleinwand transportierten: Judenfeindlichkeit und Rassismus, Kriegsverherrlichung und Volksverhetzung.

Als sogenannte „Vorbehaltsfilme“ dürfen sie in der Bundesrepublik auch 70 Jahre nach Kriegsende nur mit einem Rahmenprogramm gezeigt werden – um der perfiden Propaganda die Giftzähne zu ziehen. Denn sie sind, wie auch die Studenten in ihrer Filmsichtung herausgefunden haben, handwerklich durchweg sehr gut gemacht. „Man muss aufpassen“, erklärt eine Teilnehmerin, „dass man das Quex-Lied nicht einfach auf der Straße weitersingt.“

Die Filme im Einzelnen:
> „Hitlerjunge Quex“ (Dienstag, 12. Januar, 19 Uhr): Dieser Film, 1933 entstanden, nährt die Mythen des NS-Aufstiegs und des Kampfes mit dem politischen Gegner – jener brutale Arbeiter eingeschlossen, der seinem Sohn die „Internationale“ einprügelt.
> „Ich klage an“ (Sonntag, 17. Januar): Das Drama von 1941 wirbt um Sympathie für die Vernichtung unwerten Lebens – der Euthanasie fielen im Dritten Reich über 70  000 Menschen zum Opfer.
> „Der ewige Jude“ (Mittwoch, 20. Januar) setzt 1940 die Juden mit den Ratten gleich – als dreckige Krankheitsüberträger und schädliches Ungeziefer.
> „Jud Süß“ (Sonntag, 24. Januar) von 1940 soll die Hinterhältigkeit des jüdischen Wesens in der Person des Bankiers Oppenheimer offenlegen.
> „Ohm Krüger“ (Dienstag, 26. Januar) beschäftigt sich mit dem Burenkrieg in Südafrika und will die Machenschaften der Briten entlarven – Kriegsgegner der Deutschen im Jahre 1941.
> „Heimkehr“ (Sonntag, 31. Januar) wurde 1941 gedreht. Der Film rechtfertigt den Überfall der Deutschen auf Polen und schafft dafür Helden, die verbissen an ihren Zielen festhalten.
> „Kolberg“ (Mittwoch, 3. Februar) stammt aus dem Jahre 1945 und nutzt den historischen Freiheitskampf der Deutschen gegen Napoleon zur Stärkung des Durchhaltewillens in den letzten Kriegsmonaten.
 

Der Eintritt zu den Kinovorführungen in der Pumpe (Haßstraße 6, 24 103 Kiel) kostet 6 Euro (ermäßigt: 5 Euro). Reservierungen sind online unter www.diepumpe.de oder unter Tel. 0431 / 200 76 50 möglich. Restkarten gibt es an der Abendkasse, alle Vorführungen beginnen um 19 Uhr. Spezielle Veranstaltungen für Schulklassen sind zwischen 7. Januar und 29. Februar möglich, Anmeldung ist erforderlich. Die Veranstalter haben Kontakt zu zahlreichen Zeitzeugen, nach Möglichkeit sind diese Veteranen als Ansprechpartner vor Ort.

zur Startseite

von
erstellt am 20.Dez.2015 | 18:20 Uhr

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Kommentare

Leserkommentare anzeigen