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Stena Scandinavica : Feuerwehr probt Ernstfall auf der Fähre

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Löschübung auf der Schweden-Fähre im Kieler Hafen: Viel Rauch auf Deck 5, 16 Kameraden und drei Vermisste. Wir haben die Auszubildende Caroline Bohling bei dem Training begleitet. Am Ende war sie ganz schön erschöpft.

Am Ende zieht sie sich die Atemschutzmaske vom Kopf – und saugt frische Luft ein. Rotes Gesicht. Schweißperlen auf der Stirn. Caroline Bohling (26, Foto) sieht erschöpft aus. Waren es 20 oder 25 Minuten im Rauch? Sie kann es einfach nicht sagen. Die eigene Wahrnehmung trügt, wenn man im Ausnahmezustand ist. Und dieser hier ist so einer gewesen.

Rückblende. Dienstagmorgen. Feuer-Alarm auf der Schweden-Fähre, während der Entladearbeiten am Kai. Rauch auf Deck 5 im Vorschiff. Es brennt im Werkzeugraum. Drei Personen sind vermisst. Die Crewmitglieder der „Stena Scandinavica“ beginnen mit Rettungs- und Löscharbeiten. Zwei der Vermissten finden sie. Dann ist die Kieler Feuerwehr vor Ort. Ein Löschzug, mehrere Einsatzfahrzeuge, 15 Mann, eine Frau. Über eine Drehleiter klettern die Kameraden, ruhig und konzentriert, über die Lotsenpforte an Bord. Auch Caroline Bohling steigt dazu. Sie ist Auszubildende und in der Ostwache stationiert. „Wir brauchen eine Wärmekamera“, ruft ein Feuerwehrmann. Ein anderer reicht Caroline Bohling einen Schlauch. Die Crew bringt Einsatzleiter Martin Liebig (Foto) zur Brücke. Kapitän und Bordingenieur erklären die Lage. Vier Trupps zu je acht Kräften aus Feuerwehr und Bordbesatzung treffen am Einsatzort ein.

Durch die Metalltür zum Werkzeugraum dringt der Rauch. Caroline Bohling hat die schwere Atemschutzausrüstung angelegt. Der Qualm ist so dick, dass sie nichts mehr sieht. Nicht mal die eigene Hand vor Augen. Alle ihre Sinne sind jetzt geschärft. Sie muss sich vortasten, mit Händen und Füßen. Wo ist der Schuh des Vordermanns? Sie muss genau hinhören. Was sagt der andere Kamerad da gerade? Mit Hilfe der Wärmebildkamera finden sie den letzten Vermissten, schleppen ihn heraus. Dann schnell wieder rein in den Werkzeugraum, um den Brandherd zu löschen. Ungefähr 90 Minuten sind vergangen seit dem Alarm, als der Einsatz beendet ist.

„Kommunikation“, sagt Caroline Bohling später, „ist das Wichtigste in so einem Moment“. Besonders, weil die Kieler auf die Hilfe der schwedischen Crew angewiesen sind. Die kennt sich aus an Bord. Die stellt die technische Ausrüstung. Am Einsatzort sprechen alle daher Englisch. Oder Deutsch. Oder Schwedisch. Oder alles gemischt. Und wenn gar nichts klappt, dann eben mit Händen und Füßen.

Auch wenn es nur ein Übungs-Szenario war: Caroline Bohling ist noch neu bei der Berufsfeuerwehr in Kiel. Dieser Schulungs-Einsatz – keine Routine für sie. Seit gut einem Jahr absolviert die junge Frau aus Niedersachsen eine Ausbildung zur Brandmeisterin, ist eine von vier weiblichen Azubis und insgesamt acht Frauen bei der Berufsfeuerwehr der Landeshauptstadt. Sie hat bereits als Rettungsassistentin gearbeitet – und von Aufregung wollte sie im Vorfeld gar nichts hören. Hinterher, bei Weingummi und Apfelschorle, sagt sie dennoch: „Beruhigend, wenn man erfahrene Kollegen dabei hat. So eine Übung bringt ganz viel Erfahrung.“

Das bestätigt der Pressesprecher der Feuerwehr Kiel, Michael Krohn: Die Aktion sei gut verlaufen. „Wir und die Bordbesatzung sind uns einig – das wollen wir so bald wie möglich gemeinsam wiederholen“. Schließlich ist so eine Schiffsbrandbekämpfung anspruchsvoll. Lange Wege, Orientierungslosigkeit, fremde technische Ausrüstung, Sprachbarrieren. Auch Martin Wahl, Pressesprecher der Reederei Stena Line, hält die Übung, die regelmäßig einmal im Jahr ansteht, für notwendig: „Ein Feuer ist das gefährlichste, was auf einem Schiff passieren kann.“

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erstellt am 07.Mai.2014 | 06:18 Uhr

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