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Nach Brandstiftung in Kiel : Feuer in Döner-Imbiss: Zwei Angeklagte gestehen Tat

vom

Der Brand in einem Kieler Mehrfamilienhaus im Juni 2015 hatte für Schlagzeilen gesorgt. Die Brandstifter haben gestanden.

shz.de von
erstellt am 05.Jan.2016 | 13:00 Uhr

Kiel | Im Prozess um eine schwere Brandstiftung in einem Kieler Mehrfamilienhaus haben zwei Angeklagte am Dienstag die Tat gestanden. Sie hätten in einem Döner-Imbiss im Erdgeschoss mehrere Liter Benzin verschüttet, sagten die 20 und 23 Jahre alten Männer am Dienstag vor dem Kieler Landgericht. Den Auftrag habe ihnen der Besitzer des Imbisses erteilt, um seine Versicherung um rund 30.000 Euro Versicherungssumme zu betrügen. Er habe jedem von ihnen dafür 1500 Euro geboten.

Das Feuer hatte Ende Juni 2015 das Mehrfamilienhaus verwüstet. Eine Frau kam mit einer Rauchgasvergiftung in die Klinik. Bis zu 70 Feuerwehrleute waren im Einsatz. Über 20 Bewohner mussten unter dramatischen Umständen gerettet werden. Das Haus wurde unbewohnbar.

Nach Angaben des 23-Jährigen kam es zur Explosion, als er selbst am Rädchen seines Feuerzeugs drehte: „Ich sah Funken, dann schoss schon mit einem lauten Knall eine Feuerwand auf mich zu.“ Die Feuerwalze fraß sich blitzschnell durch das Treppenhaus. Mehr als 20 Bewohner mussten am 29. Juni mitten in der Nacht unter dramatischen Umständen von ihren Balkonen gerettet werden. Angesichts der Feuersbrunst und des beißenden Qualms wollten einige sogar aus den oberen Stockwerken in die Tiefe springen.

Beide Männer beteuerten, dass sie niemanden gefährden wollten. Sie hätten nur den Imbiss anzünden und dann die Feuerwehr rufen wollen. Dass das ganze Haus in Flammen stehen könnte, hätten sie nicht gedacht. „Ich weiß nicht, was mich geritten hat, da mitzumachen“, sagte der 23-Jährige. Nach den Schilderungen der beiden Angeklagten drängte der Imbiss-Besitzer sie zur Tat. Dessen Geschäfte seien denkbar schlecht gegangen. Er habe deswegen immer wieder Wutausbrüche gehabt und gefordert, dass der Laden endlich brennen müsse. Der 42-Jährige schwieg auch am zweiten Verhandlungstag. Die Aussagen seiner ehemaligen Praktikanten quittierte er immer wieder mit Kopfschütteln.

Er selbst war bei der Brandstiftung nicht in seinem Geschäft. Beide jungen Männer erlitten schwere Verbrennungen, flüchteten aber zunächst. Sie hatten nach eigenen Angaben einen unbeteiligten Bekannten gebeten, sie in der Nacht zu fahren. Auf ihrer Flucht hielten sie demnach an einem Teich, um die Verbrennungen zu kühlen. Dann ließen sie sich ins Krankenhaus bringen. Von dort wurden sie in eine Spezialklinik nach Lübeck verlegt. Von den schweren Gesichtsverbrennungen ist im Gericht auf den ersten Anschein nichts zu sehen. Einer der beiden trug aber eine schwarze Binde um die Hand.

In ihren Aussagen deuteten die beiden Angeklagten an, dass der Imbiss-Besitzer vor der Tat möglicherweise Gas aufgedreht habe. Anders könnten sie sich die Wucht der Explosion nicht erklären. Denn sie hätten nur rund fünf Liter Benzin über Inventar und Boden geschüttet. Als sie das Geschäft in der Nacht betreten hätten, hätten sie einen merkwürdigen Geruch wahrgenommen.

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