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Silvester in der Landeshauptstadt : Feuer-Drama im „Schlemmermarkt“

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Die Bäckerei in einem stadtbekannten Supermarkt brennt an Silvester, die Ursache ist unklar. Der Eigentümer ist in Sorge. Hinter Kiel liegt eine Nacht voller Arbeit für Feuerwehr und Polizei.

shz.de von
erstellt am 02.Jan.2014 | 06:36 Uhr

Kiel | Not am Jahresende im stadtbekannten „Schlemmermarkt Freund“ in der Kieler Innenstadt: Ein Brand hat eine Bäckerei-Filiale in den Räumen des Supermarktes in der Holtenauer Straße völlig zerstört und die gesamte Verkaufsfläche verrußt. Die Ursache ist bislang unklar; voraussichtlich am heutigen Vormittag sollen Spurensicherer der Kieler Kriminalpolizei ihre Arbeit aufnehmen. Sorgen macht sich das Inhaber-Ehepaar Marten und Imke Freund nicht nur um die 120 Mitarbeiter, die vorerst zu Hause bleiben müssen – das Geschäft wird wegen der Renovierungsarbeiten für mehrere Wochen schließen. Das Paar hat auch Angst, Kunden zu verlieren.

Dabei war am Silvester-Tag zuerst alles nach Plan gelaufen. Das berichtete Imke Freund, als sie am Neujahrstag die Schäden an den von der Feuerwehr versiegelten Räumen von außen begutachtete, einen Elektriker in Empfang nahm. „Nachmittags um 16 Uhr haben wir den Markt geschlossen, am Silvester-Abend waren wir eingeladen.“ Sie hätten gerade mit dem Essen beginnen wollen, als um 19.12 Uhr der Alarm losging: Feuer!

Die Kieler Berufsfeuerwehr, die Freiwillige Feuerwehr Suchsdorf und ein Rettungsdienst trafen mit insgesamt 42 Kräften und mehreren Löschfahrzeugen kurz nach dem Alarm am Einsatzort ein. „Da brannte die Bäckerei bereits vollständig, Tresen, Regale, die gesamte Einrichtung“, berichtete Jochim Jahn vom Leitungsdienst der Feuerwehr. Starker Qualm hatte sich im Markt ausgebreitet, die Decken waren rußgeschwärzt. Die Feuerwehrmänner drückten den Rauch durch die hinteren Schiebetüren ins Freie. „Eine gute halbe Stunde später war das Feuer unter Kontrolle“, so Jahn. Um viertel nach acht Uhr wurde die Einsatzstelle der Kripo übergeben. Die sperrte das Gebäude von außen mit Flatterband ab. Der Bereich zwischen Schauenburger Straße und Jungmannstraße musste für rund zwei Stunden voll gesperrt werden.

Für Imke und Marten Freund war der dramatische Abend am Markt erst kurz vor Mitternacht beendet. „Wir mussten viel organisieren“, sagte Imke Freund. Ein Sicherheitsdienst sorgte noch in der Neujahrs-Nacht dafür, dass niemand das Gelände betreten konnte – der Strom war abgestellt worden, die hinteren Schiebetüren standen offen. Erst im Lauf des gestrigen Tages sollte sich klären, ob die Stadtwerke den Strom wieder anstellen konnten. Gekühlte und gefrorene Ware ist in der Zwischenzeit verdorben oder unverkäuflich geworden. Ein hoher Sachschaden wird befürchtet. Trotz allem zeigte sich Imke Freund gestern gefasst: „Wir sind ja versichert. Am wichtigsten ist uns, dass es für die 120 Mitarbeiter weitergeht. Wir hoffen, dass uns die Kunden nicht verloren gehen.“ Der Supermarkt in der Holtenauer Straße hat Tradition: Unter der „Freund“-Regie läuft er im 27. Jahr. Eine weitere, kleinere Filiale befindet sich stadtausärts im Stadtteil Wik.

Die Feuerwehr musste in der Silvesternacht in der Landeshauptstadt zu insgesamt dreißig Brandeinsätzen ausrücken. Herausragend war Landesfeuerwehrverbands-Sprecher Holger Bauer zufolge ein Dachstuhlbrand an einem Wohnhaus im Stadtteil Hasseldieksdamm, der jedoch schnell gelöscht werden konnte – niemand wurde verletzt. Eine Silvester-Rakete könnte Ursache gewesen sein; die Kieler Kripo ermittelt. Im Kreis Plön wurden sieben kleine Feuer gemeldet. Bei einem Küchenbrand in Kronshagen bei Kiel wurden zwei Menschen leicht verletzt.

Auch die Beamten der Polizeidirektion Kiel hatten viel zu tun. Im Zeitraum von 18 Uhr bis 6 Uhr waren die Polizisten in der Nacht zu gestern 275 Mal im Einsatz. Der Schwerpunkt lag laut Sprecher Matthias Arends „wie erwartet mit 226 Einsätzen (Vorjahr: 189) im Stadtbereich“.

In 14 Fällen nahmen die Beamten Anzeigen wegen Körperverletzungen auf, in 13 weiteren Fällen konnten sie die Streithähne beruhigen. Ein Raub wurde angezeigt, nachdem eine fünfköpfige Gruppe gegen 2.30 Uhr einem Passanten in der Andreas-Gayk-Straße Geldbörse und Handy gestohlen hatte. In 16 Fällen hatte es die Polizei mit Randalierern zu tun. Um acht hilflose Betrunkene kümmerten sich die Beamten auch. Kurz vor Mitternacht prallte zudem auf der Eckernförder Straße ein Radfahrer auf ein Taxi. Der Radler musste mit einem Schock ärztlich behandelt werden. Bei weiteren sieben Verkehrsunfällen im Stadtgebiet blieb es bei Blechschäden. Unannehmlichkeit anderer Art: Silvester-Reste prägten am Alten Markt und auf vielen Bürgersteigen das Stadtbild.

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