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Leukämiekranker kieler : Felix: Spendersuche geht weiter

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Felix Martey Seth (20) hat mittlerweile die dritte Chemotherapie hinter sich. Die weltweite Suche nach einem geeigneten Spender läuft weiter. Zahlreiche Kieler helfen mit verschiedensten Aktionen. 3795 Menschen haben sich schon typisieren lassen.

shz.de von
erstellt am 26.Apr.2014 | 06:15 Uhr

Felix Martey Seth ist 20 Jahre alt – eigentlich kein Alter, um über den Tod nachzudenken. Eigentlich. Ende Januar änderte sich das Leben des sportlichen Studenten schlagartig. Diagnose: akute Leukämie (wir berichteten). „Ich denke schon darüber nach, dass ich sterben kann. Aber ich kann es mir nicht gut vorstellen“, sagt Felix. Oft lässt er diese Gedanken unausgesprochen – vor allem vor seiner Mutter und seiner Freundin. „Ich rede nicht so über Gefühle und Ängste. Welcher Mann macht das schon?“

Seit Anfang Januar hat sich viel getan. Felix hat die ersten beiden Chemotherapien überstanden. „Ich habe Glück, sie schlagen an, und ich komme auch wieder aus dem Zelltief heraus“, sagt er. Das schaffen nicht alle. Der Krebszellenanteil im Knochen sank durch die Chemos von 80 auf mittlerweile unter fünf Prozent. Das ist der Wert, bei dem transplantiert werden kann, wenn ein Spender gefunden ist. Die Suche gestaltet sich allerdings schwierig, denn Felix benötigt besondere Gewebemerkmale, wegen seiner afrikanisch-kaukasischen Wurzeln. Die Familie hofft, in der Gruppe der Afroeuopäer den geeigneten Stammzellenspender zu finden. Sie organisierten im März eine Typisierungsaktion. Durch das große Engagement seiner Freunde und Familie standen die Spender an diesem Tag Schlange. Auch später haben sich per Stäbchen immer weiter Menschen bei der Deutschen Knochenmarkspenderdatei (DKMS) registrieren lassen. Bettina Steinbauer von der DKMS: „1509 ausländische Mitmenschen aus mehr als 30 Nationen haben sich registrieren lassen. Das ist wirklich einmalig. Wir sind hier ausgeflippt vor Freude.“ Insgesamt gab es 3795 Spender für Felix, deren Daten jetzt ausgewertet sind und in der zentralen Knochenmarkspenderdatei zur Verfügung stehen. „Die weltweite Suche für Felix läuft auf Hochtouren“, sagt Steinbauer. Auch Felix’ Mutter kämpft weiter. Gemeinsam mit Verwandten will sie sich für den Aufbau einer Datenbank in Ghana einsetzen. Cordula Seth: „In unserer Situation gäbe es dort jetzt gar keine Hilfe. Aber auch ein ghanaisches Kind will leben.“

Die nächste Typisierungsaktion für Felix ist am 22. Juni auf dem Gelände von Markant (Holtenauer Straße 111) in Verbindung mit einem Jazz-Frühstück geplant. Die Heinrich-Bar (auch in der Holtenauer) will der DKMS pro verkauftem Lieblingscocktail von Felix einen Teil der Einnahmen spenden. Ähnlich die Aktion des marrokanischen Restaurants „Le Safran“ in Heikendorf: Vom 27. April bis 11. Mai wollen sie von jedem verkauften Essen einen Euro an die DKMS geben. Die freut sich über jeden Cent: „Die aktuellen Laborkosten liegen bei 190 050 Euro, und an Spenden haben wir bisher 42 350 Euro bekommen. Da ist noch viel Luft nach oben“, sagt Bettina Steinbauer.

Cordula Seth hält der Kampf für das Leben ihres Sohnes aufrecht: „Ich schlafe kaum, organisiere viel und überlege mir, was ich noch tun könnte.“ Nachmittags besucht sie ihren Sohn, bis seine Freundin Patriciane oder Freunde kommen.

Cordula Seth hofft, dass die erste Konsolidierungs-Chemo Anfang April die letzte war, die Felix vor seiner Transplantation über sich ergehen lassen musste. „Ihm geht es schlecht, er ist das erste mal umgefallen, hat nichts mehr gesehen und gehört, sich an der Lippe verletzt. Er sah nicht gut aus.“ Ihr Wunsch: Dass Felix seinen 21. Geburtstag am 1. Mai Zuhause feiern kann. „Momentan sieht es wohl nicht danach aus, aber man kann ja hoffen“, sagt sie.

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