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Haus-Taufe : Feierstunde im Krooger Waldhof

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Im neuen Therese-Blunck-Haus der Marie-Christian-Heime entstehen 36 Wohnungen. Die meisten sind gedacht für Patienten der Sozialpsychiatrie. Im idyllischen Waldhof leben heute 200 Patienten in stationären Einrichtungen.

shz.de von
erstellt am 04.Mai.2017 | 19:35 Uhr

Eigentlich kam die Landtagswahl dem Waldhof in Kiel-Kroog wie gerufen. Wahrscheinlich wären sonst kaum so viele prominente Politiker zur Namensgebung des Neubaus am Rande des Rönner Holzes gekommen. Allen voran Bundes-Familienministerin Manuela Schwesig, die gemeinsam mit Schleswig-Holsteins Sozialministerin Kristin Alheit die Stoffbahn über dem Namenszug neben dem Eingang entfernte: Das Haus mit seinen 36 Wohneinheiten wird zu Ehren von Therese Blunck benannt. Sie hatte vor über 100 Jahren in Kiel eine Einrichtung für Frauen in Not gegründet, aus der später die Marie-Christian-Heime mit dem Waldhof erwuchsen.

Der Neubau ist nach den Worten von Geschäftsführer Burkhard Ziebell mit 4,5 Millionen Euro die teuerste Investition der Waldhof-Geschichte. Das Besondere am seit fast zehn Jahren geplanten Therese-Blunck-Haus ist die „gelebte Inklusion“. Neben den 29 eher kleineren Wohnungen in den unteren Etagen für die Bewohner der Marie-Christian-Heime sind im Obergeschoss sieben „normale“ Mietwohnungen vorhanden. Die Ein-, Zwei- und Drei-Zimmer-Wohnungen kosten 9 Euro pro Quadratmeter an Miete.

Dieses nicht immer selbstverständliche Nebeneinander von gesunden und seelisch angeschlagenen Menschen lobte denn auch Manuela Schwesig in ihrer kleinen Festrede. „Wir müssen ihnen ermöglichen, ein möglichst normales Leben zu führen“, erklärte die Bundespolitikerin mit Blick auf die Waldhof-Bewohner und fügte hinzu: „Viele können als Familie leben, wenn sie Unterstützung erhalten.“

Die bedingungslose Hilfe und Fürsorge war schon der Grundgedanke von Therese Blunck, als sie vor 110 Jahren – noch zu den gesellschaftlich hierarchischen Kaiser-Zeiten – sich in Kiel um „gefallene Frauen“ kümmerte. Arme, verirrte, im Stich gelassene Mädchen und Mütter fanden bei ihr Unterkunft, im Grunde handelte es sich um einen Vorläufer der heutigen Frauenhäuser. „Niemand wird abgewiesen“ war schon damals der Leitspruch der Diakonissin Therese Blunck – er gilt im idyllischen Waldhof mit seinen rund 200 stationären und 100 ambulanten Patienten bis heute.

Auch das christlich bestimmte Menschenbild hat sich bis heute gehalten, wie Michael Kosmahl als Aufsichtsratsvorsitzender sagte. Der Aufgabenbereich ist allerdings umfangreicher geworden. Zu der frühen Mutter-und-Kind-Hilfe sind die Behindertenhilfe und die ambulante Wohnbetreuung hinzugekommen. Ebenso die pädagogische Arbeit in den Kitas. Arbeit & Beschäftigung wird im Waldhof ebenfalls geboten – und längst gehören nicht nur Frauen, sondern auch Männer zu den WaldhofPatienten.

Propst Thomas Lienau-Becker sprach gestern den Segen für das neue Therese-Blunck-Haus, in dem insbesondere Menschen mit bipolaren Störungen (Stichwort: Schizophrenie) ein betreutes Domizil erhalten werden. Die Innenarbeiten im Gebäude sind noch in vollem Gange, bis zum Einzug wird es noch acht Wochen dauern. Doch im Juli ist kein Wahlkampf mehr in Schleswig-Holstein – die Politiker sind dann nicht so rastlos unterwegs. Und die Zahl der Ehrengäste, die gestern nahezu bei einem Dutzend lag, würde im Sommer kleiner ausfallen.

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