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Fazit: Viel Licht und wenig Schatten

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Sommerfest, Segeln, Sicherheit: Stadt, Kieler Yacht Club, Polizei und Marine geben sich rundum zufrieden zum Abschluss der 134. Kieler Woche

shz.de von
erstellt am 27.Jun.2016 | 05:46 Uhr

Ein großer Abschluss-Knaller – das traditionelle Feuerwerk über der Förde – sollte gestern Abend eine weitgehend friedliche und fröhliche Kieler Woche beenden. Zehn Tage voller Sommerlaune und sportlicher Segelwettbewerbe ohne bedrohliche Szenarien wie Terror oder massenhafte Antanz-Delikte wie in Köln ließen Kiels Oberbürgermeister, Polizei, Kieler Yacht Club und Marine eine positive Bilanz ziehen. Mit „mehr als drei Millionen Besuchern“, etwas weniger als im Vorjahr, zeigte Ulf Kämpfer sich zufrieden: „Eine sehr schöne, runde Kieler Woche.“ Er freue sich bereits auf kommendes Jahr, so Kämpfer, der witzelte: „Eine Welt ohne Kieler Woche ist möglich, aber sinnlos“.

Deutlich politisch eingefärbte Gespräche angesichts von „Brexit“ und erneut ausgeschlossener russischer Marine habe er erlebt, so Kämpfer, der auch von „Wetterextremen“ sprach und damit heiße Tage mit bis zu 34 Grad Celsius ansprach, aber ebenso Gewitter und Starkregen. Gibt es etwas zu verbessern? Vier bis fünf „kleine Ideen“ für 2017 habe er für sich vermerkt, die wolle er aber nicht öffentlich nennen, so Kiels OB. Einen Wunsch äußerte er aber: „Die Gorch Fock muss wieder kommen.“ Sie konnte reparaturbedingt nicht die Windjammerparade anführen.

Rappelvoll war es auch in Schilksee oft, wenn die Regatten anstanden. Carsten Krage vom Kieler Yacht Club geriet ins Schwärmen: „Wir sind wirklich absolut rundum zufrieden mit der Kieler Woche.“

Auch Kiels Polizeichef Thomas Bauchrowitz gab sich entspannt: „Unsere Sicherheitskonzepte haben gegriffen.“ Man gehe nach vorläufigem Stand von einem friedlichen Volksfest aus. Besonders hatte die Polizei sich auf mögliche Bedrohungslagen durch Terror und sexuelle Gewalt wie an Silvester in Köln und Hamburg vorbereitet, – „doch all das haben wir nicht gebraucht“, so Bauchrowitz. Im Vorfeld hatten Beamte sogar präventiv Flüchtlings-Einrichtungen besucht, um dort zu vermitteln, „dass Kiel in diesen zehn Tagen anders ist – auch, wie man sich am Strand verhält. Da prallen Kulturen und Welten aufeinander“, sagte der Leitende Kriminaldirektor: „Wir glauben, dass das etwas bewirkt hat.“

Nichtsdestotrotz hatten die Beamten – zur Kieler Woche etwa 40 Prozent mehr Personal als sonst, täglich waren 90 Kräfte aus Eutin dabei, viel zu tun. Drei von ihnen wurden bei Einsätzen verletzt, einer war kurz dienstunfähig. Bis gestern Mittag rückten die Kräfte seit dem ersten Kieler-Woche-Freitag zu insgesamt 2313 Einsätzen in Kiel aus, wovon 414 (371 im Jahr zuvor) einen direkten Bezug zur Kieler Woche hatten. Sie verzeichneten 91 Anzeigen wegen Rohheitsdelikten – 2015 waren es noch 68 – sowie rund 100 Platzverweise und mehrere Widerstandshandlungen. Einsatzschwerpunkte waren der Hauptbahnhof, die Bergstraße, das Hörn-Gelände sowie die südliche Kiellinie, aber auch das Bayernzelt, in dem viele ausländische Marineangehörige alkoholisiert feierten. Weniger betrunkene Jugendliche (67) als sonst (390 im Vorjahr) seien angesprochen worden, darunter zwei so stark, dass deren Eltern gerufen wurden. Es habe insgesamt keine schwerwiegenden Straftaten gegeben, darunter „nur wenige Sexualdelikte“, sagte Bauchrowitz. Drei Fälle seien angezeigt worden. Frauen hätten angegeben, begrapscht worden zu sein, an Po und Brust, hieß es. Beim Frauennotruf haben sich indes zwei Frauen gemeldet, weil sie während der Kieler Woche vergewaltigt worden seien. Möglicherweise sind diese Taten noch nicht angezeigt worden.

Bedauerlich fand Fregattenkapitän Achim Winkler bei aller Zufriedenheit aus Sicht der Marine, dass sich einige ausländische Marinesoldaten daneben benommen hatten: „Da geht es mitunter schon mal ein bisschen robuster zu“, sagte Winkler. Es gab auch kuriose Momente wie diesen: So haben Feldjäger einen estnischen Marinesoldaten nur mit einer Mülltüte bekleidet aufgegriffen. Der Mann hatte eine Wette verloren.

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