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Jemeniten in Kiel : Fastenbrechen in der Kieler Mensa

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Am Wochenende lud die Jemenitische Gemeinde zum traditionellen Zuckerfest – dem Ende des Ramadan – mit Safranreis und Hühnchen.

von
erstellt am 02.Jul.2017 | 15:20 Uhr

Heiß dampfend stehen sie da – die großen Töpfe, bis zum Rand gefüllt mit gelbem Safranreis und duftenden Hähnchenkeulen; darin Kellen so groß wie Suppenschüsseln. Neben Schüsseln mit Salaten stapeln sich verschiedene süße Backwaren auf den Tischen in der Mensa I der Christian-Albrechts-Universität. Doch nicht der alltägliche Mittags-Betrieb war Grund für die kulinarisch reichhaltige Auslage am Wochenende. Statt hungriger Studenten feierte hier die Jemenitische Gemeinde aus Schleswig-Holstein und Kiel eines der wichtigsten Feste ihres Glaubens: das Ende des Ramadan – dem Fastenmonat der Muslime.

Das sogenannte Fastenbrechen hat zwei Bedeutungen, erklärt Gemeindesprecher Ahmed Shaddad: „Neben der religiösen Bedeutung gibt es auch die sozial-gesellschaftliche. Denn die Menschen besuchen sich gegenseitig am Ende des Ramadan und schenken sich Süßigkeiten.“ Darum wird das Fastenbrechen auch als Zuckerfest bezeichnet.

Etwa 100 Menschen nahmen an dem Zuckerfest in der Mensa am Westring teil. Doch Schwerpunkt des Fastenbrechens ist nicht das Essen, erklärt Naser Al-Gahmi: „Wichtig ist heute die Familie, die Gemeinsamkeit.“ Das feierliche Ende des Ramadan habe im Islam etwa den Stellenwert von Weihnachten im christlichen Glauben. So umfasste das mehrstündige Fest ein Programm mit traditionellen Tänzen, Gesang, Sketchen und dem Beschenken der Kinder. „Das Fastenbrechen ist das Fest der Familie“, betont Naser Al-Gahmi, „es wird viel gelacht.“ Religiöses Fasten ist für den Familienvater ein Weg, nicht nur den Körper, sondern auch den Geist zu reinigen: „Wenn ich reich bin und immer satt, denke ich nicht wie ein armer Mensch. Man teilt in dieser Zeit mit Menschen, die nicht viel haben.“

Lebt seit sieben Jahren in Kiel: Naser Al-Gahmi (mit seinem Sohn Khaled).
Lebt seit sieben Jahren in Kiel: Naser Al-Gahmi (mit seinem Sohn Khaled).
 

Die Jemenitische Gemeinde gründete sich im vergangenen Oktober und hat in Schleswig-Holstein und Hamburg mittlerweile etwa 1000 Mitglieder – 90 Prozent von ihnen sind Flüchtlinge, erklärt der Vorsitzende Taleb Al-zaje aus Neumünster. So sei das Zuckerfest bewusst offen gestaltet, denn: „Wir möchten nicht nur jemenitische Flüchtlinge integrieren, sondern auch, dass die Deutschen unsere Kultur kennen lernen.“ Hiltraud Liesenfeld etwa feierte ebenfalls das Ende des Ramadan. Die ehemalige Lehrerin interessiert sich schon seit vielen Jahren für Arabien und hat in den vergangenen Jahren bereits enge Kontakte zu jenen geknüpft, die sie so ungern als „Flüchtlinge“ bezeichnet. In diesem Jahr hat sie selbst den Ramadan zelebriert und gemäß der Regeln für Muslime gefastet: Zwischen Sonnenauf- und Sonnenuntergang hat die Scharbeutzerin weder gegessen noch getrunken. „Es war wirklich hart“, lautet ihre Bilanz. „Auf das Essen zu verzichten, ist kein Problem. Der Durst aber schon – vor allem bei der Hitze.“ Wer in der Nacht seinen Wasservorrat nicht mit drei oder vier Litern auffülle, der bekomme tagsüber Schwierigkeiten. Datteln, Joghurt, Brötchen, Kaffee und Tee kamen nachts auf den Tisch. „Man hat gar nicht so viel Appetit“, sagt Hiltraud Liesenfeld. Trotzdem oder gerade deswegen genoss sie anlässlich des Fastenbrechens jeden Bissen von Reis, Hühnchen, Salat und Kuchen. Mohammed Al-Baajor sorgte indes für ständigen Nachschub auf dem Teller seiner Freundin. „Mohammed“, sagt Liesenfeld, „hat mit dem Fasten überhaupt kein Problem. Er kennt das ja von klein auf.“

Kochen gern zusammen: Mohammed Al-Baajor und Hiltraud Liesenfeld.
Kochen gern zusammen: Mohammed Al-Baajor und Hiltraud Liesenfeld.
 

Freundlichkeit und Zusammenhalt – das habe einen hohen Stellenwert, beschreibt Hiltraud Liesenfeld die jemenitische Gemeinschaft. Diesen Zusammenhalt feierten sie gemeinsam mit ihren Gästen auch am Wochenende. Zusammen gedachten sie der Menschen in ihrer Heimat, die sich seit zwei Jahren im Bürgerkrieg zwischen sunnitischer Regierung und schiitischen Rebellen befindet. Neben radikalen Gruppierungen bedrohen Hunger und Cholera den Jemen.








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