Aufsichtspflichten : Fast ertrunken beim Kita-Ausflug

Stadträtin Renate Treutel verspricht einen transparenten Bericht, sobald die internen und polizeilichen Ermittlungen abgeschlossen sind.
Stadträtin Renate Treutel verspricht einen transparenten Bericht, sobald die internen und polizeilichen Ermittlungen abgeschlossen sind.

Ein schwerer Unfall in Kiel-Ellerbek sorgt für leidenschaftliche Debatte. Ein kleiner Junge kippte beim Ausflug mit seiner Krippengruppe in den Teich. Nur die Reanimation rettete sein Leben. Stadträtin Renate Treutel kündigt eine umfassende Aufklärung an.

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20. Dezember 2018, 18:19 Uhr



Dieser Fall machte Schlagzeilen und sorgt in der Landeshauptstadt seit Tagen für eine heftige Diskussion: Vor gut einer Woche war ein kleiner Junge während eines Spaziergangs seiner Krippengruppe in das kalte Wasser des Schwanenseeparks in Kiel-Ellerbek gefallen. Er wäre fast ertrunken, nur eine schnelle Reanimation rettete sein Leben. Heute geht es dem knapp zweijährigen Jungen wieder besser, er ist nach dem dreitägigen Klinikaufenthalt zurück bei seiner Familie. Stadträtin Renate Treutel als zuständige Dezernentin für Kinder und Jugend kündigte gestern eine gründliche Untersuchung des Vorfalls an.

Ihre Erklärung beginnt mit den Worten: „Ich bin – genau wie das Kollegium der Kita Hangstraße – bestürzt über diesen Vorfall. Unser Mitgefühl gilt den Eltern, die große Angst um ihr Kind hatten. Ich bin sehr erleichtert, dass es dem Kind den Umständen entsprechend gut geht. Wir werden mit allen Beteiligten diese Situation analysieren. Die Sicherheit der Kinder steht an erster Stelle.“ Renate Treutel verspricht, den Unfallhergang vollständig aufzuarbeiten. Allerdings: Mit Verweis auf die Ermittlungen der Polizei „dürfen wir derzeit öffentlich keine näheren Angaben machen“.

Was war in Ellerbek geschehen? Soweit bisher bekannt, waren zwei Betreuerinnen mit den sechs Kindern der städtischen Krippengruppe an der Hangstraße auf einem kleinen Spaziergang unterwegs. Der Schwanenseepark mit seiner kleinen Seenlandschaft ist auf dem Ostufer ein ein beliebtes Ausflugsziel, mittendrin befindet sich auch ein Abenteuerspielplatz. Aus ungeklärter Ursache ist der kleine Junge an einem der fünf Teiche ins Wasser gerutscht. Die Angaben, wann die Betreuerinnen dies bemerkt haben und wie lange die Rettung gedauert hat, schwanken stark. In der aktuellen Debatte wird auch gefragt, ob die Betreuerinnen überhaupt ein Handy dabei hatten, um Hilfe zu rufen.

Renate Treutel verwahrt sich gegen derlei Unterstellungen und Behauptungen: „Gerüchte und unscharfe Diskussionen über den Vorfall, wie sie derzeit zum Beispiel in manchen Sozialen Netzwerken stattfinden, helfen in dieser Situation niemandem.“ Die Stadträtin bittet um Verständnis dafür, dass ein transparenter Bericht über den Vorfall erst „nach einer umfangreichen internen und polizeilichen Aufarbeitung“ möglich ist.

Mittlerweile hat eine Begehung des Unfallortes stattgefunden. Das städtische Grünflächenamt hat den Böschungsabschnitt, an dem das Kind ins Wasser gerutscht ist, eingefriedet. Es wird geprüft, ob ein Ufer-Umbau an dieser Stelle auf Dauer sinnvoll ist.

Außerdem gilt für die städtischen Kitas eine weitere Sicherheitsmaßnahme. Die leuchtenden Warnwesten, die die Jungen und Mädchen immer dann tragen, wenn es bei Ausflügen an der Straße entlang geht, werden ab sofort zur Pflicht, sobald die Kinder das Kita-Gelände für Spaziergänge und Ausflüge verlassen – also auch für Abstecher zum Spielplatz oder in den Park nebenan.

Die Eltern haben den kleinen Jungen aus der Krippengruppe an der Hangstraße herausgenommen, sie betreuen ihren jüngeren Sohn vorläufig zu Hause. Und für den älteren vierjährigen Bruder suchen sie einen Platz in einer anderen Kita.

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