Nord-Ostsee-Kanal : Fangedämme und Hopperbagger

Der Schwimmkran „Enak“ hob gestern auf der Fördeseite die Schleusentore heraus. Jedes Teil wiegt rund 80 Tonnen.
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Der Schwimmkran „Enak“ hob gestern auf der Fördeseite die Schleusentore heraus. Jedes Teil wiegt rund 80 Tonnen.

Das Mega-Projekt Neubau der Alten Schleusen in Holtenau hat gestern begonnen. Sofern alles Plan läuft, wird 2029 die Fertigstellung gefeiert. Dann hätte der Nord-Ostsee-Kanal endlich wieder vier funktionsfähige Schleusenkammern.

shz.de von
15. Mai 2018, 18:37 Uhr

Der gestrige Tag hat das Zeug zu einem historischen Termin. Am 15. Mai 2018 begannen die Arbeiten an den Alten Schleusen in Holtenau. In ferner Zukunft – angepeilt ist das Jahr 2029 – soll der Nord-Ostsee-Kanal wieder vier funktionsfähige Schleusenkammern besitzen. Um diesen Zustand zu erreichen, stellt der Bund eine Viertelmilliarde Euro bereit.

Man muss wissen: Das Paar der Alten (oder auch Kleinen) Schleusen stammt noch von 1895, aus der Anfangszeit des damaligen Kaiser-Wilhelm-Kanals. Bei einer Routine-Kontrolle vor ein paar Jahren wurden gefährliche Risse im Mauerwerk entdeckt. Seitdem sind die Kammern für den Schiffsverkehr gesperrt. „Gemessen an heutigen Normen war das Bauwerk nie standsicher“, steht in den Unterlagen von Frank Bullerkist, Projektleiter beim Wasserstraßen- und Schifffahrtsamt (WSA) in Holtenau.

Vor dem Neubau geht es allerdings zunächst um die Sicherung und Herrichtung der Baustelle – genau dieses Projekt ist gestern angelaufen. Der mächtige, aus Hamburg georderte Schwimmkran „Enak“, hob auf der Fördeseite die jeweils 80 Tonnen schweren Schleusen-Halbtore heraus. In den nächsten Wochen werden sogenannte „Fangedämme“ errichtet, die mit jeweils 6000 Kubikmeter Sand gefüllt werden, um dem Wasserdruck standzuhalten.

Sobald die befahrbaren, 15 Meter breiten Dämme auf der Fördeseite fertiggestellt sind, wiederholt sich das Szenario auf der Kanalseite. Anschließend werden die beiden Schleusenkammern ebenfalls mit Sand befüllt. Matthias Baasch vom WSA hat ausgerechnet, dass dafür noch einmal 110 000 Kubikmeter nötig sind. „Hopperbagger“ bringen das Material von der dänischen Südsee nach Holtenau. Leidige Lastwagentransporte auf den Straßen soll es nicht geben.

Bis Ende des Jahres wollen Bullerkist und Baasch diesen ersten Abschnitt abgeschlossen haben. 2023 soll dann Baubeginn für die 270 mal 80 Meter große, mindestens 20 Meter tiefe Baugrube sein. Sie ist Voraussetzung für den Abriss der alten maroden Schleusen und den Neubau.

Künftig – voraussichtlich in elf, zwölf Jahren – werden die Schleusenkammern eine nutzbare Länge von 155 Meter besitzen. Das sind 30 Meter mehr, als die alten Kammern zu bieten hatten, und bietet der Kanal-Verwaltung ganz praktische Vorteile. „70 Prozent des Schiffsverkehrs können wir dann über die Kleinen Schleusen abwickeln“, erklärt WSA-Pressesprecher Matthias Visser und denkt bereits an die Sanierung der Großen Schleusen. Doch das ist noch fernere Zukunftsmusik – weit jenseits von 2030.

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