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Fall aus Pronsdorf : Familie mit Axt und Messer attackiert – 20-Jähriger muss in Psychiatrie

vom

Der 20-Jährige verletzte seine Eltern und seinen Bruder – angeblich, weil das Internet zu langsam war.

shz.de von
erstellt am 11.Okt.2017 | 13:19 Uhr

Kiel | Wegen einer lebensgefährlichen Axt- und Messerattacke auf seine Eltern muss ein 19-Jähriger dauerhaft in die Psychiatrie. Die Jugendkammer des Kieler Landgerichts sah es am Mittwoch als erwiesen an, dass der junge Mann aus Wut und Hass versuchte, seine Eltern zu töten. Auslöser war offenbar ein Streit mit seinem Bruder über das zu langsame Internet.

Der Angeklagte sei aufgrund einer schweren Persönlichkeits- und Bewusstseinsstörung zur Tatzeit nur vermindert steuerungs- und schuldfähig gewesen, sagte der Vorsitzende Richter Stefan Becker. Der junge Mann habe sich schon lange benachteiligt gefühlt. „Das führte zum Impulsdurchbruch bei der Tat.“ Die Staatsanwältin hatte die Tat als Mordversuch gewertet. Dem folgte das Gericht nicht, es ging von versuchtem Totschlag aus. Das Urteil dürfte rechtskräftig werden, denn Anklägerin und Verteidigung kündigten an, auf Rechtsmittel zu verzichten. 

Laut Urteil greift der junge Mann am 20. März nach dem Streit mit seinem Bruder aus „Kränkung, Wut und Hass“ zur Axt, weil seine Mutter ihn zurechtweist. Er attackiert die nichts ahnende Frau in der Küche des Wohnhauses hinterrücks. Ein Axthieb trifft sie so am Kopf, dass eine Gesichtshälfte komplett herunterhängt. Sie erleidet mehrere Frakturen und wäre ohne Hilfe verblutet, beschreibt der Vorsitzende. Die Frau leidet demnach noch heute an den Folgen der Tat, sie ist noch immer arbeitsunfähig. Die schweren Gesichtsverletzungen seien aber „relativ gut verheilt“.

Zum Messerangriff auf den Vater kommt es, als er gemeinsam mit dem jüngeren Sohn seiner Frau zu Hilfe eilt. Es gelingt ihnen, den 19-Jährigen in dessen Zimmer einzusperren. Doch dabei sticht der Sohn laut Urteil mehrfach mit einem Messer auf seinen Vater ein, auch er droht zu verbluten. Nur Notoperationen retten Vater und Mutter. Ihr Sohn flieht durch das Fenster, bewaffnet mit Pfeil und Bogen, sagt Becker. Noch in der Nacht stellt er sich dann in Hamburg auf der Davidwache und gesteht sofort, dass er seine Eltern töten wollte.

Auch vor Gericht ist er weitgehend geständig, in Details fehlen ihm aber Erinnerungen. Er habe „einen Tunnelblick“ gehabt. Die Öffentlichkeit war vom Verfahren zum Schutz des Angeklagten und der Familie weitgehend ausgeschlossen. Von der Verhängung einer Jugendstrafe sieht die Kammer in ihrem Urteil ab und folgt damit den Unterbringungsanträgen der Staatsanwältin und der Verteidigerin.

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