Getöteter Hund am Einfelder See : Fall Hannibal: Gericht bestätigte in zweiter Instanz das Urteil

Er galt als verspielt: Hund Hannibal wurde im Dezember 2012 bei am Einfelder See erstochen.
Er galt als verspielt: Hund Hannibal wurde im Dezember 2012 bei am Einfelder See erstochen.

2012 wurde der Hund Hannibal am Einfelder See erstochen. Im vergangenen Jahr wurde ein Neumünsteraner (53) für die Tat zu 5400 Euro Geldstrafe verurteilt. Jetzt fand in Kiel die Berufungsverhandlung statt.

shz.de von
13. Januar 2015, 10:00 Uhr

Neumünster/Kiel | Auch die Berufung verlief schlecht für den Angeklagten aus Neumünster. Das Landgericht in Kiel befand den 53-Jährigen ebenfalls für schuldig, vor zwei Jahren am Einfelder See den Weimaraner-Hund Hannibal erstochen zu haben. Bereits in der ersten Instanz vor dem Amtsgericht in Neumünster hatte der Schlosser wegen der „Tötung eines Wirbeltieres“ eine Geldstrafe von 5400 Euro erhalten. Gestern wurde dieses Urteil bestätigt. Hatte der Angeklagte vor dem Amtsgericht die Tat noch rundweg abgestritten, machte er vor dem Landgericht überhaupt keine Angaben mehr zu dem Geschehen am Einfelder See.

Tatsache ist, dass sich der 53-Jährige immer wieder über Hundebesitzer geärgert hat, die ihre Vierbeiner am Einfelder See frei laufen ließen. Dabei besteht in dem Revier eigentlich Leinenpflicht. Insbesondere mit Hannibals Besitzer, einem Bankkaufmann aus Einfeld, hatte er sich wiederholt angelegt.

Am 14. Dezember 2012, einem sonnigen frostigen Freitag, eskalierte die Situation. Hannibal wurde ausgeführt von der 72-jährigen Mutter des Eigentümers, ihr Sohn befand sich auf Dienstreise in München. Weil der Blaue Weimaraner ungehindert auf ihn und seinen Foxterrier Luis zurannte, herrschte der Schlosser die ältere Dame an, den Hund an die Leine zu nehmen. Die Frau hatte allerdings Angst, der kräftige, 44 Kilo schwere Hund könnte sie auf dem spiegelglatt gefrorenen Wanderweg einfach umreißen. Sie lief Hannibal hinterher und bekam noch mit, wie der Mann ein Messer aus dem Rücken ihres Vierbeiners zog. Diese Verletzung war tödlich, wie sich bald herausstellte. Zwar konnte die Frau noch einen Tierarzt in Einfeld aufsuchen, aber auf dem Weg in die Tierklinik verblutete Hannibal.

Geschockt erzählte die Frau aus Trappenkamp auch gestern vor dem Landgericht von dem Geschehen. „Das blutige Messer werde ich nicht vergessen“, erklärte die Frau, die dem Mann dann konsterniert hinterrief: „Sie haben ja meinen Hund verletzt.“ „Habe ich das?“, soll der Mann geantwortet haben. „Und weg war er“, ergänzte die heute 74-Jährige ihre Aussage.

Zwei Ehepaare, die kurz nach dem Vorfall am Tatort spazieren gingen, waren ebenso als Zeugen geladen wie eine gute Bekannte des Angeklagten, die von wiederholten Attacken Hannibals zu berichten wusste. Allerdings hatte der Angeklagte selbst, als er direkt nach dem Vorfall bei der Polizei eine Anzeige wegen Verstoßes gegen die Leinenpflicht aufgegeben hatte, davon überhaupt nicht gesprochen. Im Gegenteil: Er betonte auch auf mehrmalige Nachfrage, dass es nie zu gefährlichen Vorfällen mit Hannibal gekommen sei. Er wolle auch keinen Ärger, es gehe ihm lediglich ums Prinzip – das gab gestern der Polizeibeamte zu Protokoll, der die Aussage des Schlossers aufgenommen hatte.

Vergeblich hatte der Verteidiger des Angeklagten verlangt, einen Gutachter zu bestellen, um die Gefährlichkeit der Hunderasse zu bestätigen. Die Weimaraner seien Jagdhunde, die Aggressivität gehöre zu ihren Zuchteigenschaften und lasse sich nicht unterdrücken. Die Staatsanwältin sprach von „Unsinn“, über die Eigenschaften eines toten Hundes könne niemand ein Gutachten anfertigen.

Der Richter wies das Ansinnen der Verteidigung zurück („der konkrete Handlungsverlauf ist maßgebend“) und billigte dem Angeklagten auch keine Notwehrlage zu. „Der Tod des Tieres ist nur zu erklären, dass der Hund von Ihnen abgestochen wurde“, erklärte er. Es sei „schon ein starkes Stück, sich mit einem Messer durchzusetzen und Selbstjustiz zu üben“. Nach dem Urteil muss der Neumünsteraner mit weiteren Forderungen rechnen. Hannibals Herrchen will in einem Zivilverfahren 10  000 Euro Schadenersatz durchsetzen.
 

zur Startseite
Karte

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen