Gift in der Luft : Fahrverbote, Wohnverbote – oder ein Tunnel?

Laster vor der Tür: Nur wenige Meter liegen zwischen den Häusern und der stark befahrenen B  76. Der Messkasten (links) liefert die fünftschlechtesten Werte in Deutschland.
Laster vor der Tür: Nur wenige Meter liegen zwischen den Häusern und der stark befahrenen B 76 in Kiel. Der Messkasten (links) liefert die fünftschlechtesten Werte in Deutschland.

Die Diskussion über Maßnahmen gegen die hohe Schadstoffkonzentration im Verlauf der B 76 ist in vollem Gange. Die zulässigen Grenzwerte werden seit Jahren übertroffen – und im vergangenen Jahr wurde hier die fünftstärkste NO2-Belastung in ganz Deutschland registriert.

shz.de von
05. März 2017, 18:16 Uhr

Die gute Botschaft: An den allermeisten Standorten der Landeshauptstadt herrscht eine angenehme Atmosphäre, die frische Brise vom Meer bringt gute Luft nach Kiel. Die schlechte Nachricht: In einigen wenigen Straßenschluchten ist es laut, stickig und ungesund – hier werden die gesetzlichen Höchstwerte überschritten. Die Stadt drängt auf Abhilfe und hat durchaus Teilerfolge zu vermelden. Doch insgesamt bleibt die Perspektive für die Problemzonen ungünstig. Das geht aus dem Papier hervor, das Umwelt- und Baudezernent Peter Todeskino in den Ausschüssen zur Diskussion stellt.

Die Vorgaben sind eindeutig: Der durchschnittliche Immissionswert an Stickstoffdioxid (NO2) darf, aufs Jahr gerechnet, 40 Mikrogramm pro Kubikmeter Luft nicht übertreffen. Für die Hauptverkehrszeit sind maximal 200 Mikrogramm zulässig, also das Fünffache des Durchschnittswertes. Auch das ist noch nicht das Ende der Fahnenstange: 18 Mal im Jahr darf dieser 200er-Satz überschritten werden.

Das aber ist für den Standort am Theodor-Heuss-Ring (zwischen Krusenrotter Weg und Dithmarscher Straße) kritisch. In den vergangenen Jahren übertrafen die pro Stunde gemittelten Werte ein knappes Dutzend Mal den Höchstwert. Und im Jahre 2015 wurden sogar 20 Überschreitungen gemessen. Die Jahresbelastung in diesem Abschnitt liegt mit 65 Mikrogramm um das Anderthalbfache über dem Grenzwert. Todeskino hält fest: „Die Messwerte bilden den fünfthöchsten Wert in Deutschland.“ Damit stellt der Bereich auch die (gar nicht weit entfernte) Bahnhofstraße in den Schatten. Hier lag der Durchschnitt in den letzten Jahren bei „nur“ 37 bis 42 Mikrogramm NO2 in jedem Kubikmeter Luft.

Das Papier stellt einige Maßnahmen zur Diskussion. Eine weiträumige Umleitung gilt ebenso wie eine Untertunnelung oder ein Brückenbau als kurzfristig nicht realisierbar und zudem als sehr kostspielig. Tempolimits oder auch gezielte Fahrverbote für den Schwerverkehr stehen ebenso im Raum wie eine künstliche Durchlüftung mit riesigem Gebläse oder sogar die Aufgabe der Wohnungen in diesem Abschnitt.

Insgesamt aber, so hält Todeskino fest, „stoßen die kommunalen Bemühungen an ihre Grenzen“. Der Dezernent verweist auf den wiederholten Appell des Deutschen Städtetages, den Schadstoffausstoß der Fahrzeuge zu verringern. Das gilt insbesondere für Diesel-Autos. Umkehrschluss: Erst wenn die Auto-Industrie die strengen Diesel-Abgaswerte auch wirklich einhält, können die leidgeprüften Anwohner wieder saubere Luft einatmen.

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