Schüsse aus dem Auto : Fahndung läuft nach dem nächtlichen Überfall auf Hochtouren

Noch steht die Polizei vor einem Rätsel. Aber die Ermittlungen laufen unter Hochdruck.
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Noch steht die Polizei vor einem Rätsel. Aber die Ermittlungen laufen unter Hochdruck.

Die Polizei hält sich mit Details zu den nächtlichen Schüssen auf eine türkische Gaststätte in Gaarden noch zurück, sie ermittelt in verschiedene Richtungen. Spezialisten untersuchen das nach der Tat abgefackelte Fahrzeug – in der Hoffnung, Hinweise auf die Täter zu bekommen.

shz.de von
28. Juli 2015, 18:30 Uhr

Es war wie eine Szene aus den US-Spielfilmen über die Mafia-Rivalitäten in den 30er-Jahren. Gemächlich rollt ein Fahrzeug mitten in der Nacht an einer türkischen Gaststätte in Gaarden vorbei, bevor es dreht und kräftig Gas gibt. Aus dem Fahrzeug heraus nehmen die Insassen den Laden unter Feuer. Ereignet hat sich der Überfall in der Nacht zum Sonntag gegen 2 Uhr (wir berichteten).

Zeugen haben mindestens sechs bis acht Schüsse gehört. Verletzt wurde niemand. Das Auto war gestohlen und wurde von den Tätern wenige Minuten später in der Nebenstraße in Brand gesetzt. Vermutlich, um Spuren zu verwischen. Die Ermittlungen laufen auf Hochtouren, erklärte gestern Polizeisprecher Oliver Pohl. Ergebnisse liegen nach seinen Angaben aber noch nicht vor. Zurzeit werden die Aussagen von Anwohnern in Gaarden ausgewertet, die zumeist von den Schüssen aus ihrem Schlaf gerissen wurden.

Solange es keine klaren Erkenntnisse gibt, schießen die Spekulationen ins Kraut. Haben übermütige Halbstarke einen Wagen gekapert und um sich geballert? Gegen diese These spricht allerdings, dass das Fahrzeug bereits zwei Tage vorher als gestohlen gemeldet und offenbar seitdem versteckt worden war. Geht es um eine Abrechnung im Zocker-Milieu, wo doch in der Gaststätte auch ein Wettbüro eingerichtet war? Sogar von einer Verwicklung in den Rockerkrieg ist gerüchteweise die Rede.

Doch an all diesen Mutmaßungen mag sich die Polizei nicht beteiligen. Sie verfolgt sämtliche Spuren, Pohl spricht allerdings von einem „zähen Informationsfluss“. Auch die Möglichkeit, dass es sich um einen rechtsradikalen Anschlag auf einen Ausländer-Treff handeln könnte, ist offenbar nach dem jetzigen Stand nicht auszuschließen. Das abgebrannte Auto wird zurzeit von Spezialisten in einer Garage der Polizei-Zentrale am Eichhof untersucht. „Dabei finden wir eigentlich immer etwas“, zeigte sich Pohl gestern zuversichtlich.

Bekannt ist bisher, dass die Täter großkalibrige Waffen abgefeuert haben. Die Zahl der Schüsse, bislang mit sechs bis acht angegeben, könnte deutlich höher liegen, das ergibt sich aus den gefundenen Patronen am Tatort. Genauere Angaben macht die Polizei nicht. Erschwerend kommt hinzu, dass am frühen Morgen ein Kehrfahrzeug durch die Augustenburger Straße gerollt sein soll. Die Fahnder konnten jedenfalls (noch) keine Hülsen entdecken, die bei den Schüssen aus dem Auto herausgefallen sein müssen. Die Tatsache, dass es sich in Höhe des Tatortes um eine Einbahnstraße handelt, die Angreifer aber in beide Richtungen gefahren sind, ruft beim Polizei-Sprecher ein Achselzucken hervor: „Ich glaube nicht, dass die Täter sich überhaupt an irgendwelche Regeln halten.“  

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