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Schülerkongress in Kiel : Fachsimpeln mit „Mrs. Bundesbank“

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Ein Team des Rendsburger Helene-Lange-Gymnasiums diskutierte bei dem Bildungsprojekt „YES“ in Kiel mit der Vizepräsidentin der Bundesbank – auf Englisch.

Die hochrangigen Persönlichkeiten aus Politik, Bankensystem, Wissenschaft und Wirtschaft sehen Schüler höchstens in den Nachrichten. An zwei Tagen sitzen sie jetzt mit ihnen zusammen auf dem Podium in Kiel, um über aktuelle ökonomische und ökologische Probleme zu diskutieren – eine Herausforderung, aber auch besondere Gelegenheit. Im Bildungsprojekt und Wettbewerb „Young Economic Summit“ (kurz „YES“) zeigen rund 200 Schüler aus dem Norden bis einschließlich heute, dass sie mitreden können – und wollen. Anlass ist das ebenfalls zurzeit stattfindende „Global Economic Symposium“ des Kieler Weltwirtschaftsinstituts (IfW).

Mit auf dem Podium sind Diskutanten wie der Vorsitzende des Aufsichtsrats der HSH Nordbank, Thomas Mirow, oder Aart De Geus, Vorstandschef der Bertelsmann Stiftung. Mit der Vizepräsidentin der Deutschen Bundesbank, Claudia Buch, haben nun gestern sieben Projektteilnehmer des Rendsburger Helene-Lange-Gymnasiums gefachsimpelt – auf Englisch. Es ging um Geldpolitik und die Herausforderungen für die Finanzstabilität. Lampenfieber inklusive.

Auch Lehrerin Janika Apitz (30) fieberte in der ersten Reihe mit. Für sie steht fest: „Wenn das Institut für Weltwirtschaft die Schüler nach ihrer Meinung fragt, dann ist das etwas Besonderes.“ Schon vor den Sommerferien begann das Team daher mit der Vorbereitung. Denn das Thema hatte es in sich. Am Beispiel des Finanz-Instruments Quantitative Lockerung („Quantitative Easing“) haben die 16-bis 18-jährigen Schüler und eine Schülerin gemerkt, wie anspruchsvoll es ist, eigene Lösungsvorschläge zur Finanzstabilität zu entwickeln. „Das war frustrierend“, beschrieb Jasper Kölling. Daher hat die Gruppe sich darauf beschänkt, das Instrument zu evaluieren.

„QE“ ist eine extreme Form expansiver Geldpolitik. Derartige Maßnahmen bestehen im direkten Ankauf von Wertpapieren durch eine Zentralbank, um unmittelbar Geld in die Finanzmärkte zu leiten. „Inwiefern sollte die Europäische Zentralbank Geld in den Markt pumpen – ist das gut und effektiv?“, fasste Lukas Gerdes (17) die Fragestellung zusammen. „Wir sagen, dieses Instrument ist langfristig nicht effektiv.“ Es gebe keine einfache Antwort, die EU-Länder müssten ihre strukturellen Probleme für sich lösen.

Lukas Gerdes nimmt teil, weil er sich selbst für „interessiert an wirtschaftlichen Vorgängen“ hält und sich vorstellen kann, Wirtschaftsinformatik zu studieren. Hannes Winter, Svea Wupper, Jasper Kölling und Tillmann Reimer vermittelten den anderen Schülern Chancen, Risiken und Ziele des „QE“ – etwa die Preisstabilität. Im Gespräch mit „Mrs. Bundesbank“ ging es dann auch um die Legitimation der EZB. „Die Unabhängigkeit der Zentralbanken ist ein Privileg“, betonte Claudia Buch – und dass dies nicht missbraucht werden dürfe.

Buch lobte im Anschluss die Gruppe für ihr Engagement: „Toll, wie Sie so ein schwieriges Thema heruntergebrochen haben – und das in einer Fremdsprache.“ Auch Ministerpräsident Torsten Albig sprach den „YES“-Teilnehmern gestern Nachmittag seine Anerkennung aus: „Die hohe Teilnahme von über 200 Schülerinnen und Schülern an diesem Kongress zeigt, dass das Interesse an globalen Zusammenhängen in unserer Jugend groß ist.“

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erstellt am 13.Okt.2015 | 06:05 Uhr

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