zur Navigation springen

Kieler Zentrum für Integrative Psychiatrie : Ex-Klinik-Finanzchef gesteht Millionenbetrug

vom

Jahrelang hat der Mann Geld abgezweigt - und unter anderem Immobilien für seine Söhne gekauft.

Kiel | Er zweigte 1,1 Millionen Euro  ab – und ist wütend, dass man es ihm so leicht gemacht hat. Seit Dienstag steht der ehemalige Leiter des Finanzwesens im Zentrum für Integrative Psychiatrie (ZIP) vor dem Kieler Landgericht. Der Vorwurf lautet: Untreue.

Von 2010 bis 2015 soll Joachim O. (64) Gelder auf sein Konto und die Konten seiner beiden Söhne umgeleitet haben. 91 Fälle listet die Anklage auf. Die kleinste Summe betrug 206 Euro, der größte Batzen 41.000 Euro.

Joachim O. ist ein hochgewachsener Mann, der auf der Anklagebank zusammensinkt, als die Richter den Saal betreten. Er umklammert einen Aktenordner und sagt: „Ich habe es getan. Aber es kommt mir so vor, als seien es die Taten eines Fremden.“ Rechtschaffenheit sei eigentlich seine Lebensmaxime, die er auch seinen Söhnen immer gepredigt habe. Beide erhielten je eine Immobilie, auch Joachim O. kaufte sich von dem Geld ein Haus.

Überweisungen konnten im ZIP, einer Tochter des Universitätsklinikums, nur nach dem Vier-Augen-Prinzip getätigt werden. „Der zweite Zeichnungsberechtigte hat auf mein Bitten jedoch einfach nur seinen Code eingegeben“, sagt Joachim O. und fügt hinzu, er sei wütend, dass die Taten niemanden aufgefallen seien und man es ihm so leicht gemacht habe. „Ich habe Kollegen ja immer wieder Hinweise auf Unregelmäßigkeiten gegeben, damit sie mich stoppen“, erklärt er. Das passierte aber erst nach über drei Jahren, als einer Buchhalterin drei Überweisungen auffielen.

Ein Motiv für die Untreue sieht der Leiter des Finanzwesens (6000 Euro brutto) in seinen großen Ängsten. „Ich hatte eine angsterfüllte Mutter, die mich schon im  Mutterleib damit infiziert hat.“ Angst habe ihn sein gesamtes weiteres Leben umgetrieben. Da sei die Angst gewesen, seine Familie nicht ernähren zu können, wie Joachim O. dem Richter erklärt. Und der Gerichtsgutachterin hatte er anvertraut, seine schlimmste Vorstellung sei, dass seine Söhne Hilfsarbeiter werden könnten. „Auf Luxus habe ich nie Wert gelegt, mir ging es um die Absicherung der Zukunft meiner Söhne.“ Er habe ihnen ein besserer Vater sein wollen, als seine Eltern es für ihn waren.

Die beiden Söhne wollen von den Taten ihres Vaters jedoch nicht profitieren, haben angekündigt, 950.000 Euro zur Begleichung der Schuld aufzubringen. Auch Joachim O. hat bereits 73.500 Euro an das ZIP zurückgezahlt, eine Abtretungserklärung für alle Rentenbezüge über der Freigrenze abgegeben. Er glaubt allerdings nicht, 1,1 Millionen Euro veruntreut zu haben. „Es waren nur 750.000 Euro.“

Laut Gutachterin ist Joachim O. wohl nur eingeschränkt schuldfähig, da seine Steuerungsfähigkeit erheblich gemindert ist. Grund sind hirnorganische Schäden, die bereits vor 2010 festgestellt worden seien. Bei vergleichbaren Patienten sorge die Erkrankung für ein asoziales Verhalten, dass stark auf die  Befriedigung der eigenen Bedürfnisse ausgerichtet sei. Der Prozess wird Freitag fortgesetzt.

 

zur Startseite

von
erstellt am 02.Feb.2016 | 20:59 Uhr

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen