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Tod in Lentföhrden : Ex-Freundin erstochen - Prozess in Kiel

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Als die Beziehung endete, wollte ein junges Paar befreundet bleiben. Dann erstach der 20-Jährige die junge Frau bei Lentföhrden im Kreis Segeberg. Für den Staatsanwalt ist klar: „Der Angeklagte beging die Tat aus Eifersucht.“

Kiel | Als der Angeklagte in Saal 137 des Kieler Landgerichts geführt wird, ist ein leises Weinen zu hören. Es kommt von der Bank der Nebenkläger. Dort sitzen die Eltern und Geschwister der jungen Frau, die Leroy V. (21) getötet haben soll.  Der hagere junge Mann mit dem leicht fliehenden Kinn weicht den Blicken und Tränen aus. Er setzt sich neben seinen Rechtsanwalt und verschränkt die Arme.

Der Abiturient und angehende Fachinformatiker aus Eckernförde muss sich wegen heimtückischen Mordes verantworten. Er soll seiner Ex-Freundin nach dem Sex ein Küchenmesser in den Rücken gestoßen haben. „Der Angeklagte beging die Tat aus Eifersucht“, sagt Staatsanwalt Achim Hackethal.

Vier Jahre lang waren die beiden ein Paar gewesen, dann trennte sich Inge M. (20), die eine Ausbildung zur medizinisch-technischen Assistentin begonnen hatte. Der Staatsanwalt: „Der Angeklagte hat weiter den Kontakt  gesucht, was seine Ex-Freundin erlaubte. Als er jedoch erfuhr, dass sie einen neuen Freund hatte, fühlte er sich hintergangen.“

Laut Anklage plante Leroy V. deshalb, Inge M. zu ermorden. Am Tattag, dem 8. April 2013, besuchte er die Ex-Freundin laut Staatsanwaltschaft in ihrer Wohnung in Kaltenkirchen. Hackethal: „Beide brachen zu einer gemeinsamen Einkaufsfahrt aus, verabredeten dann aber, Sex zu haben.“ Bei Lentföhrden (Kreis Segeberg) bog Leroy V. in einen Feldweg nahe der Bundesstraße 4 ab.

Nach dem Sex soll Leroy V. seine Ex-Freundin, die ihm den Rücken zuwandte, gebeten haben, kurz zu warten. „Er wollte es ihr unmöglich machen, sich zu verteidigen“, sagt der Staatsanwalt. „Der Angeklagte zog ein Küchenmesser mit 21 Zentimeter Klingenlänge aus einer Sporttasche und stach ihr wuchtig in den Rücken.“ Das Messer durchstieß die Rippen und durchtrennte die Lungenschlagader. Beim Herausziehen brach es ab.

Inge M. verblutete. Die Leiche ließ der Angeklagte auf dem Feldweg zurück. Seine Flucht endete nach nur zehn Kilometern. Einem Verkehrspolizisten war seine unsichere Fahrweise aufgefallen. Der Beamte stoppte den Wagen – und bemerkte Blut an den Händen des Fahrers und Blutspuren an der hinteren Beifahrertür. Leroy V. gestand sofort: „Ich habe meine Ex-Freundin umgebracht.“

Da der Angeklagte zur Tatzeit noch Heranwachsender war, verhandelt die Jugendstrafkammer. Sie entscheidet: Das Verfahren wird bis zur Urteilsverkündung unter Ausschluss der Öffentlichkeit fortgesetzt. Der Sachverständige erklärt: „Der Angeklagte würde über viele Dinge, die psychodynamisch wichtig sind, um die Tat zu verstehen, in der Öffentlichkeit nicht sprechen.“

Dem sh:z sagten die Eltern von Leroy V. kurz nach der Tat über das Verhältnis des jungen Paares: „Sie konnten nicht mit-, aber auch nicht ohne einander.“ Trennungen seien immer wieder Versöhnungen gefolgt. Das Opfer sei für sie wie eine Tochter gewesen, für ihren Sohn die erste große Liebe. Die beste Freundin der Ermordeten sagte am Rande des Prozesses über den Angeklagten: „Er war distanziert und ein Einzelgänger.“

Die Eltern und Geschwister von Inge M. haben auf Facebook eine Erinnerungsseite eingerichtet. In einer Fotocollage ziehen die Bilder eines kurzen Lebens vorüber. Bilder einer glücklichen Kindheit, Bilder einer strahlend-schönen jungen Frau. „Danke, das wir dich haben durften“, steht darunter. Aber auch: „Ich hoffe so sehr, dass er seine gerechte Strafe bekommen wird.“ Nach dem Jugendstrafrecht drohen dem Angeklagten bis zu 15 Jahre Haft. Für den Prozess sind sechs weitere Verhandlungstage angesetzt.

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erstellt am 02.10.2013 | 18:00 Uhr

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