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„Stena Germanica“ aus Kiel : EU-Meereskommissar Vella nimmt Methanol-Ostseefähre in Betrieb

vom

Auf der Ostsee ist die erste kommerzielle Fähre mit Methanolantrieb unterwegs. Beim Start der neuen Technik war am Freitag auch der neue EU-Meereskommissar Vella dabei. Der Malteser sprach von einem Pilotprojekt.

shz.de von
erstellt am 27.Mär.2015 | 16:50 Uhr

Kiel | Zum Abschluss seines Besuchs in Schleswig-Holstein hat der neue EU-Meeresschutzkommissar Karmenu Vella die weltweit erste Methanol-Ostseefähre „Stena Germanica“ offiziell in Betrieb genommen. „Dies könnte ein Pilotprojekt nicht nur für Europa, sondern auch in globaler Hinsicht sein“, sagte Vella am Freitag in Kiel.

Die Frage der Luftqualität sei schließlich nicht nur in der Europäischen Union, sondern weltweit ein Thema. „Dieses Projekt ist sehr wichtig, den der Transport auf See wird weiter zunehmen“, sagte Vella. Deshalb sei es umso notwendiger, die Umwelteinflüsse so gering wie möglich zu halten. „Methanol-Antriebe sind dafür ein Weg, die Emissionen zu reduzieren.“

Schleswig-Holsteins Wirtschaftsminister Reinhard Meyer (SPD) appellierte an Vella, derartige Vorhaben müssten EU-weit folgen. „So etwas kann ich mir auch sehr gut im Mittelmeer vorstellen.“ Beide Politiker waren sich einig waren, dass die EU in diesem Fall nicht als „Regulierer“, sondern als Macher auftrete.

Hintergrund sind die seit Jahresbeginn auf der Ostsee geltenden strengeren Bedingungen für den Ausstoß von Schwefel. Die Kosten für den Umbau der „Stena Germanica“ beliefen sich auf 22 Millionen Euro, die Hälfte davon sind Fördermittel der EU. Der Verband Deutscher Reeder (VDR) begrüßte das Engagement der schwedischen Reederei. „Damit möglichst viele Reedereien die mitunter hohen Zusatzkosten für grüne Antriebstechnik im harten Wettbewerb stemmen können, muss das im Koalitionsvertrag vereinbarte Förderprogramm auf den Weg gebracht werden“, forderte Verbandssprecher Christof Schwaner.

Im Falle Stena verringert sich nach Reedereiangaben der Ausstoß von Schwefel im Vergleich zu anderen Treibstoffen durch den Einsatz von Methanol um 99 Prozent, der von Schwefel um 60 Prozent, von Rußpartikeln um 95 Prozent und von Kohlendioxid um 25 Prozent.

Das Fährschiff wurde auf einer Werft in Polen umgerüstet. Methanol ist die primäre Antriebsquelle, die Techniker können aber auch auf die Nutzung von Marinediesel umschalten.

EU-Meereskommissar Vella war seit Donnerstag in Kiel. Es war zugleich sein erster Deutschland-Besuch in dem Amt. Nach Vellas Ansicht kann Schleswig-Holstein als „Geburtsstätte der Meerespolitik in Europa“ bezeichnet werden. Es habe bereits 2004 als eines der ersten Länder eine eigene integrierte Meerespolitik entwickelt. Am Freitag traf der 64 Jahre alte ehemalige Tourismus- und Industrieminister von Malta in Kiel auch mit dem maritimen Koordinator der Bundesregierung, Uwe Beckmeyer, zusammen.

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