LSV trifft Leo-Blindencamp : „Es ist wie Achterbahn-Fahren“

LSV-Vorsitzender René Lancelle (v.re.) erklärte den beiden österreichischen Blindencamp-Teilnehmerinnen Barbara Geher und Marie-Theres Fürstauer die Funktionsweise der Cessna. Fotos: Suhr
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LSV-Vorsitzender René Lancelle (v.re.) erklärte den beiden österreichischen Blindencamp-Teilnehmerinnen Barbara Geher und Marie-Theres Fürstauer die Funktionsweise der Cessna. Fotos: Suhr

20 blinde oder stark seh-eingeschränkte junge Menschen gingen beim Luftsportverein Kiel jetzt auf Tuchfühlung mit den Kleinflugzeugen.

shz.de von
13. August 2018, 12:02 Uhr

Dass das Wort „Inklusion“ beim Luftsportverein Kiel (LSV) mehr als eine leere Worthülse ist, zeigt der Verein unter anderem mit seinem jährlichen Mitflugtag für Menschen mit und ohne Behinderung. Aber auch sonst wird der inklusive Gedanke gelebt. Am Wochenende waren 20 blinde und stark sehbehinderte junge Teilnehmer des Leo-Blindencamps zu Gast in Holtenau. Zum 19. Mal organisierten die Leos – die Jugendorganisation des Lions-Clubs – aus ganz Norddeutschland gemeinsam mit dem Lions-Club Kaltenkirchen das alle zwei Jahre stattfindende Camp.

An dem „Leo Youth Camp for Blinds“ nehmen junge Menschen zwischen 18 und 25 Jahren aus ganz Europa teil. „Damit wird den jungen Blinden eine Ferienzeit ermöglicht, während der sie Dinge erleben können, die im alltäglichen Leben nicht gegeben sind“, so Fenja Hesselschwerdt von den Lions. Als Beispiele nannte sie Autofahren, Klettern im Hochseilgarten oder auch den Kiez-Abend in Hamburg. Und eben den Mitflugtag beim LSV. Darauf gekommen waren die Organisatoren über den im Internet erwähnten inklusiven Mitflugtag des LSV. Am Flugplatz wurde die Gruppe, neben den 20 Teilnehmern aus elf Ländern auch Betreuer der Leos und Mitglieder der Kaltenkirchener Lions, vom LSV-Vorsitzenden René Lancelle und von Pilotin Ute Hölscher, begrüßt. Und dann sollten die Rundflüge losgehen.

Sollten, denn erst schickte Petrus eine dunkle Regenfront mit reichlich Wasser und Wind. Danach aber starteten die Flüge mit zwei Maschinen des LSV, die jeweils drei Passagiere mitnahmen. Auch die drei Österreicherinnen Marie-Theres Fürstauer (25), Barbara Geher (23), die beide von Geburt an blind sind, und Sarah Gaicher (25), die ein Restsehvermögen von drei bis fünf Prozent hat, gingen in einer Cessna 172N Skyhawk in die Luft. Ihre Pilotin Uta Hölscher ist auch sonst für den Bereich Inklusion im Kieler Luftsportverein zuständig.

„Ich bin gespannt, wie sich ein Flug mit einem kleinen Sportflugzeug anfühlt“, so Marie-Theres Fürstauer vor dem Start. Nach der Landung war die einhellige Meinung der Drei: „Super!“. „Man spürt jede Bewegung des Flugzeugs, zeitweise geht es rauf und runter – es ist wie Achterbahn-Fahren“, so Marie-Theres. Und Barbara Geher, die im Cockpit neben Ute Hölscher saß, durfte in der Luft sogar die Maschine fliegen. „Ich war überrascht, wie stark das Flugzeug auf Lenkbewegungen reagiert“, stellte sie fest.

Und Sarah Gaicher, die die Förde mit ihrem kleinen Restsehvermögen erkennen konnte, fand, „dass das Meer von oben witzig aussah“. Alle drei würden es jederzeit wieder mitmachen, genauso wie das Segeln auf der Alster oder das Schlittenfahren in einer Skihalle – denn all das hatten sie bereits erlebt.

Während der Rundflüge konnten die am Boden Wartenden die Flugzeuge „ertasten“, natürlich mit fachkundiger Erklärung durch René Lancelle und anderen Vereinsmitgliedern. Oder sie bestiegen den Tower und bekamen auch dort fachkundige Erklärungen zu den Abläufen vor Ort. Und auch wenn das Wetter etwas turbulent war und am Nachmittag nochmals Regen aufkam, konnten die Organisatoren und der LSV Kiel allen Teilnehmern den Traum vom Fliegen erfüllen, wie die LSV-Pilotin Ute Hölscher am Abend mitteilte.

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