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Cineastischer Schatz : Erstmals wieder auf der Leinwand: Kieler Wochenschau 1968/69

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Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Seit über 45 Jahren schlummerte die „Kieler Lupe“ im dunklen Keller-Archiv. Jetzt haben Gerald Grote und Thomas Plöger die eigene Kieler Wochenschau Ende der 60er-Jahre aufbereitet zu der ersten Vorstellung seit der Ursendung. Es gibt ein Wiedersehen mit Vico Torriani, Ben E. King, Uwe Beyer und anderen Prominenten.

shz.de von
erstellt am 13.Nov.2014 | 21:37 Uhr

Gegen die Bezeichnung „kinoverrückt“ haben Thomas Plöger (57) und Gerald Grote (59) nichts einzuwenden. Ganz im Gegenteil. Die beiden Filmenthusiasten haben einen Schatz geborgen, der sich über 45 Jahre lang in dunklen Kellerarchiven verbarg. Am Mittwoch, 19. November, präsentieren sie im Metro-Kino an der Holtenauer Straße den Zusammenschnitt Kieler Wochenschauen aus den Jahren 1968/69. Das Material war nach der Ursendung nie wieder öffentlich gezeigt worden.

Mit der „Kieler Lupe“ hat es eine ganz besondere Geschichte. Kinobetreiber Klaus Scepanik, dem rund um die Förde neun Lichtspielhäuser gehörten, präsentierte Ende der 60er-Jahre eine eigene Wochenschau. Das hatte in Deutschland keine andere Stadt zu bieten, wie Plöger und Grote herausgefunden haben. Die mehrminütigen Streifen liefen – ältere Kinobesucher erinnern sich – stets vor dem Hauptprogramm.

Im typischen Wochenschau-Stil beschreibt die „Kieler Lupe“ etwa den Besuch von Vico Torriani und seinem „Goldenen Schuss“ in der Ostseehalle, das Auslaufen des Schulschiffes „Deutschland“ oder den Auftritt von Soul-Legende Ben E. King im „Vanilla fudge“ am Dreiecksplatz. Die Regionalliga-Kicker von Holstein Kiel sind ebenso zu bestaunen wie der blonde Hüne Uwe Beyer. Der Hammerwerfer errang bei den Olympischen Spielen in Tokio 1964 die Bronzemedaille – dieser Ruhm verhalf ihm zur Rolle als wackerer Drachentöter Siegfried in den „Nibelungen“.

Etwa 10 000 Mark kostete jede Ausgabe. Bei den damaligen Eintrittspreisen von 2,50 Mark hätten also mindestens 4000 Besucher kommen müssen. Doch die Rechnung ging nicht auf. Scepanik musste seine „Kieler Lupe“ nach acht Ausgaben einstellen, im Frühjahr ’69 war es mit dem ehrgeizigen Projekt vorbei. Die Filmrollen wanderten ins Archiv des Wochenschau-Verlages in Schwalbach am Taunus.

Jahrelang vergeblich mühten sich Grote und Plöger um die Filmrechte. Bis sie bei Scepaniks Bruder Hans-Jürgen anklopften, der ihnen als Alleinerbe die Genehmigung erteilte. So kommen am Mittwoch 430 Gäste in den Genuss, die Wiedergeburt der „Kieler Lupe“ zu erleben. Weitere Vorstellungen sind geplant – und außerdem ist das gesamte Filmmaterial auch auf einer DVD gespeichert. Für 10 Euro erhält man Einblicke in das gesellschaftliche Leben an der Förde vor 45 Jahren.

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