Kirchenkreis Altholstein : Erstmals eine Pröpstin für Kiel

Bischof Gothart Magaard (links) und Synodenpräses Michael Rapp nehmen die neugewählte Pröpstin Almut Witt in die Mitte.
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Bischof Gothart Magaard (links) und Synodenpräses Michael Rapp nehmen die neugewählte Pröpstin Almut Witt in die Mitte.

Almut Witt, langjährige Pastorin in der Kirchengemeinde Borby-Land, setzte sich bei der Propstwahl gegen zwei Mitbewerber durch. Auf der Synode des Kirchenkreises Altholstein erhielt sie im dritten Wahlgang die erforderliche Mehrheit.

shz.de von
25. März 2018, 17:37 Uhr

Almut Witt heißt die neue Kieler Pröpstin. Die Synode des (evangelischen) Kirchenkreises Altholstein entschied sich am späten Freitagabend in der Marktkirche St. Nikolai im dritten Wahlgang mit der absoluten Mehrheit von 56 Stimmen für die 54-jährige Pastorin aus der Kirchengemeinde Borby-Land (Eckernförde).

Ihr Konkurrent Pastor Jens Voß aus Kiel-Holtenau unterlag in dieser Stichwahl mit 45 Stimmen. Bereits im Wahlgang zuvor war mit der Hamburger Pastorin Renate Fallbrüg die dritte Bewerberin um den leitenden Posten in Altholstein ausgeschieden. Almut Witt tritt ihr Amt als Pröpstin zum 1. September an. Die leitende Geistliche folgt damit auf Thomas Lienau-Becker, der als Aids-Seelsorger nach Hamburg wechselt und sich gestern Abend im Gottesdienst der Kirche St. Georg am Hauptbahnhof seiner Gemeinde vorstellte.

„Ich kann es noch gar nicht richtig fassen“, freute sich Almut Witt nach ihrer Wahl. Sie hatte bereits in der ersten Abstimmung mit 42 Stimmen die Nase leicht vorn. Im zweiten Wahlgang vergrößerte sich der Abstand zwischen ihr (52) und Jens Voß (43). Mit acht Stimmen schied Pastorin Renate Fallbrüg zur Stichwahl aus.

„Den Ausschlag für meine Person könnte gegeben haben, dass ich in einer guten Mischung mit Kiel vertraut bin, aber trotzdem von außen komme“, sagte Almut Witt hinterher. Auch habe sie bei den Mitgliedern den Wunsch verspürt, eine Frau ins Amt zu wählen. In Zukunft leitet sie gemeinsam mit den Propstkollegen Stefan Block (Neumünster) und Kurt Riecke (Bad Bramstedt) den Kirchenkreis Altholstein.

In ihrer Vorstellung vor den 103 zur Wahl anwesenden Synodalen zog die in Kiel geborene und aufgewachsene Theologin überraschende Parallelen zwischen den Herausforderungen in ihrer bisherigen Region Schwansen – wo sie 24 Jahre lang als Pastorin in der Kirchengemeinde Borby-Land wirkte – und der Landeshauptstadt. „Wir dürfen uns hier wie dort nicht vom Rückgang der Mitglieder- und Pastorenzahlen in den kommenden Jahren überrennen lassen“, lautet die Überzeugung der künftigen Pröpstin.

Für die Kirchengemeinden der Stadt gelte es vielmehr, ihr eigenes Profil zu entdecken – nicht in Konkurrenz, sondern in der Vielfalt untereinander. „Es geht nicht zuletzt darum, Dinge zu lassen, die nicht mehr notwendig von uns getan werden müssen. Dadurch schaffen wir Raum und Kraft, Kirche zu gestalten mit dem, was uns wirklich ausmacht: das Evangelium auch morgen noch zu verkünden.“ Deshalb will sie Veränderungen mutig angehen und einen Rahmen schaffen, der auch Ehrenamtliche ermutigt und einbindet.

Der Schleswiger Bischof Gothart Magaard, der vor Ort in der Kirche St. Nikolai die Wahl begleitete, gratulierte Almut Witt zu ihrer Wahl: „Ich wünsche ihr Gottes stärkenden Segen für ihren Dienst und freue mich auf die Zusammenarbeit in den kommenden Jahren.“ Michael Rapp, Präses der Altholsteiner Synode, dankte den drei Kandidaten: „Ihnen allen möchte ich meinen Respekt zollen und meine Hochachtung zum Ausdruck bringen. Ich ahne, wie lange Ihre Vorbereitung zur Wahl gedauert hat und welch hoher Anspannung Sie ausgesetzt waren.“

Almut Witt ist für zehn Jahre als Pröpstin der sogenannten Propstei Nord im Kirchenkreis Altholstein gewählt. Dieses Gebiet umfasst 20 Kirchengemeinden sowohl in der Landeshauptstadt als auch rund um die Förde. Damit ist sie für annähernd 95 000 Kirchenmitglieder zuständig und Vorgesetzte von 50 Pastoren. Almut Witt ist die erste Frau in dieser Position in Kiel.

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