500 bis 600 Flüchtlinge : Erst Asyl-Quartier, später Studentenbude

Fast wie in einer Vorlesung: Landes-Koordinator Thiemo Lüeße klärte die Gäste im Hörraum der alten PH über die Pläne auf.
Fast wie in einer Vorlesung: Landes-Koordinator Thiemo Lüeße klärte die Gäste im Hörraum der alten PH über die Pläne auf.

Es werden immer mehr Einzelheiten bekannt: Die geplante Erstaufnahme-Einrichtung für Flüchtlinge ist für 500 bis 600 Personen ausgelegt. In ferner Zukunft können dort dann auch Studenten wohnen. Vorübergehend – bis Ende 2016 – wird ein abgegrenztes Containerdorf für dioe Asylbewerber erbaut.

shz.de von
01. Juli 2015, 10:48 Uhr

Nachbarn bekundeten Angst um ihre Sicherheit in den Abendstunden. Ein besorgter Vater fragte sich, ob seine jungen Töchter nach dem Hockeyspiel unbehelligt duschen können, eine Anwohnerin sorgte sich um den Wert ihrer Immobilie. Bei der Informationsrunde über die geplante Asylbewerber-Unterkunft in der Nähe der Kieler Universität stellten sich der Kieler Sozialdezernent Gerwin Stöcken und der Landes-Koordinator Thiemo Lüeße den Fragen der Gäste.

Am Bremerskamp in Sichtweite zur Uni-Bibliothek soll eine Erstaufnahme-Einrichtung für 500 bis 600 Flüchtlinge entstehen (wir berichteten). Das Land verkauft das jetzige Maisfeld an einen Investor, wie Lüeße sagte. Das „Kieler Modell“ sieht zwölf Quadratmeter große Wohneinheiten für jeweils zwei Flüchtlinge vor. Später könnten dort Studenten wohnen.

Das kleine Dorf soll Ende 2016 stehen. In der Zwischenzeit wird auf einer Grünfläche direkt neben dem Nordmarksportfeld eine provisorische Container-Unterkunft errichtet. Mannschaften, die dort bisher trainieren, müssen auf den „Norder“ ausweichen. „Nach anderthalb Jahren sind die Container wieder weg“, kündigte Stöcken an.

Er stellte aber auch fest: „Die Einrichtung wird kein Knast sein.“ Die Polizei ist tagsüber mit fünf Mann vor Ort, nachts kontrolliert ein Wachdienst. Stöcken versprach den Anwohnern, sie mit den Problemen nicht alleine zu lassen. Eine Überforderung des Quartiers sieht er mit der Unterkunft nicht: „Niemand muss die Einrichtung lieben, aber niemand muss sie fürchten.“

Einen „Generalverdacht“ gegen die Flüchtlinge wiesen mehrere Redner zurück. Man müsse ihnen mit Respekt begegnen, Kiel sei immer weltoffen gewesen. Unter dem Beifall vieler Zuhörer bekundete ein künftiger Nachbar: „Die Menschen kommen hierher, weil es ihnen schlecht geht. Wir sollten ihnen helfen.“

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