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Erinnerungskapelle für Absturzopfer

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Stararchitekt Oscar Niemeyer zeichnete die Pläne für den Gedenkort in Schilksee

shz.de von
erstellt am 13.Dez.2013 | 06:15 Uhr

Der Absturz eines Air-France-Airbus in den Atlantik am 1.Juni 2009 gilt als eine der größten Tragödien der Passagier-Luftfahrt, 228 Menschen starben, darunter 28 Deutsche. Unter den Opfern war auch der in Kiel-Schilksee geborene und aufgewachsene Architekt Moritz Kock (54†). Er war an Bord der Maschine AF 447 auf dem Weg von Rio de Janeiro, wo er den befreundeten und weltberühmten Architekten Oscar Niemeyer traf, um ihm das Modell der gemeinsam entwickelten Kapelle zu präsentieren.

Niemeyer war begeistert, so erzählt Fernanda von Oppersdorff, Kocks Witwe: „Er signierte es und bat meinen Mann, das Modell noch bei ihm zulassen, weil er es in das Buch über seine Sakralbauten mitaufnehmen wollte.“ Nur deshalb existiert das Modell heute noch und liegt nicht gemeinsam mit den Opfern auf dem Grund des Atlantiks. Fernanda von Oppersdorff holte es im September nach dem Unglück bei Niemeyer ab.

Ein Jahr nach dem Absturz wurde auf einem Hinterbliebenen-Treffen der Wunsch laut, einen Ort zu haben, an den man gehen könne, um zu trauern, erzählt die Witwe. „Die Idee der Kapelle, die in einem so besonderem Bezug zu dem Absturz steht, wurde begeistert angenommen.“ Auch für den mittlerweile verstorbenen Oscar Niemeyer sei es eine Ehre gewesen, die Kapelle diesem Zweck zu widmen, so von Oppersdorff. Doch wo soll der einzige Sakralbau Niemeyers in Europa stehen? Ein Bezug zum Meer war den Hinterbliebenen wichtig, weil nur 51 der 228 Opfer geborgen werden konnten. Fernanda von Oppersdorff erinnerte sich an die „schöne Steilküste“ in Schilksee, an dem sie mit ihrem Mann das erste Mal spazieren gegangen ist. Das Glück: Das Grundstück am Funkstellenweg, auf dem die elf mal elf Meter lange und fünf Meter hohe Erinnerungskapelle errichtet werden soll, gehört der Stadt. 2011, nach einem sensiblen Planungsverfahren, wie Bürgermeister Peter Todeskino betonte, hatte Torsten Albig, damals Oberbürgermeister zu einem Hinterbliebenen-Treffen eingeladen, bei dem auch die Spendenzusage von Air-France und Airbus zustande kam. Insgesamt 300 000 der nötigen 450 000 Euro hat Fernanda von Oppersdorff zusammen und ist zuversichtlich. „Unser Wunsch wäre es, am fünften Jahrestag, dem 1. Juni 2014, den Grundstein für die Kapelle zu legen“, sagt Fernanda von Oppersdorff. Einige Schilkseer fühlten sich in der Ortsbeiratssitzung von der fertigen Idee der Verwaltung überrumpelt. Doch Ortsbeiratsvorsitzender Christoph Holst sagt: „Ich freue mich auf das Projekt. Die Formgebung ist wunderschön und ich glaube, es kann ein guter Anziehungspunkt für Schilksee sein.“

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