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Er bringt bekannte Köpfe zum Qualmen

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Herbert Motzek ist Kiels einziger Pfeifenmacher / Geschäft mit „Danebrog“ seit 1975 / Prominente aus Politik und Showgeschäft kaufen bei ihm

Wenn am Knooper Weg zwischen Fleethörn und Wilhelminenstraße die dänische Nationalflagge „Danebrog“ weht, dann wissen Stammkunden, dass das Geschäft von Herbert Motzek, das er seit 1975 mit Ehefrau Lizzie betreibt, geöffnet ist. Ein Geschäft, das die Herzen vieler Raucher höher schlagen lässt, auch wenn es für die Branche eher untypisch ist. Zigaretten sucht man hier vergeblich. Lizzie und Herbert Motzek erfüllen die Wünsche von Genussrauchern. Neben Zigarren aus aller Welt, die edelsten lagern in einem der größten begehbaren Humidore Schleswig-Holsteins, hält Herbert Motzek ein breites Angebot an Pfeifen – zurzeit an die 1000 Stück -, Tabak und Zubehör für seine Kunden bereit. Das Besondere: Nicht nur Pfeifen von bekannten Herstellern kann man kaufen, sondern auch eine echte „Motzek“ – Herbert Motzek ist der einzige Pfeifenmacher Kiels und einer von nur wenigen in Schleswig-Holstein.

Quasi parallel mit der Eröffnung seines Geschäfts erlernte Motzek bei Viggo Nielsen im dänischen Faaborg, einem der Großen der Branche, das Handwerk des Pfeifenmachers. „Ich wollte nicht nur Pfeifen verkaufen, ich wollte auch wissen, wie sie gemacht werden“, so der gelernte Glasmaler. Hintergrund war ursprünglich, seinen Kunden einen günstigen Reparaturservice ohne lange Wartezeiten anbieten zu können, woraus dann das Pfeifenmachen geworden ist. „Irgendwann war ich dann soweit, dass ich es wagte, meine Pfeifen auch anzubieten“, erzählt Motzek.

Sechs bis zehn Stunden und alles in allem knapp 80 einzelne Arbeitsschritte braucht es, um in seiner kleinen Werkstatt eine Pfeife herzustellen. Um die 40 Pfeifen fertigt Motzek pro Jahr, überwiegend auf Bestellung. „Im Vordergrund steht, dass die Pfeife rauchtechnisch perfekt sein soll, danach kommt das Design, das dem Kunden eine Extrafreude bereiten soll“, betont der 67jährige. Auch wenn das Design erst an zweiter Stelle steht, wird großer Wert darauf gelegt, dass sich die Pfeifen gut anfassen lassen und auch gut aussehen. So nimmt Motzek jedes Stück Bruyèreholz – das seit dem 19. Jahrhundert zur Pfeifenherstellung genutzte Wurzelholz der im Mittelmeerraum beheimateten Baumheide – in die Hand, um „darin zu lesen“, sich das Holz und dessen Maserung genau anzusehen, um das Bestmögliche aus dem groben Klotz herauszuholen, bevor es an die Arbeit geht. Und manches Mal holt er so viel heraus, dass es ihm schwer fällt, die Pfeife zu verkaufen. Die Anerkennung und positiven Reaktionen der Kunden aber entschädigen ihn – und glaubhaft versichert Motzek, dass die Freude der Kunden ihm fast mehr bedeutet als das Geld, das er für seine Arbeit bekommt.

Unter seinen Kunden sind etliche Prominente aus Politik, Wirtschaft und Showgeschäft. Björn Engholm oder Joachim „Blacky“ Fuchsberger beispielsweise rauchen Motzek-Pfeifen. Auch Schriftsteller oder frühere Bonner Bundespolitiker, die man eigentlich nur mit Pfeife kennt, zählt der in Eisleben geborene und in Limburg aufgewachsene Motzek zu seinem Kundenkreis – manche rauchen seine Pfeifen, einige auch „nur“ seinen Tabak.

Denn 1978 erhielt Motzek eine Lizenz zur Tabakherstellung und ist der bundesweit einzige Händler, der seinen eigenen Tabak selbst herstellt. Und auch hier war die Intention: „Von dem, was ich verkaufe, will ich Ahnung haben“, sagt Motzek. Die Mischung der Tabake übernimmt als gebürtige Dänin Ehefrau Lizzie. „Meine Frau hat auf Seminaren die besseren Erkenntnisse erworben, deshalb überlasse ich ihr das Mischen. Die Endkontrolle übernehme aber wieder ich“, erläutert Herbert Motzek schmunzelnd die Arbeitsteilung, während er an einer Pfeife zieht.

Dass ein Besuch des Geschäfts für die Kunden nicht nur ein „schnöder“ Einkauf ist, versteht sich fast von selbst. Es wird nicht nur gekauft – es wird geschnackt, auch mal geraucht und vor allem wird auf Augenhöhe umfangreich beraten. Aber – die Zeit bringt es mit sich – viele Kunden kennt der Pfeifenmacher gar nicht persönlich. Denn auch im Internet vertreibt er seine Waren an Kunden in ganz Deutschland sowie in England, im Mittelmeerraum und etlichen anderen Ländern weltweit bis hin nach Dubai.

Angesprochen auf die Gesundheitsschädlichkeit des Rauchens, antwortet Herbert Motzek augenzwinkernd mit einem Zitat des deutschen Arztes Paracelsus (1493 – 1541): „Alle Dinge sind Gift. Allein die Dosis macht, daß ein Ding kein Gift ist“.


Motzek Cigarrendepot & Pfeifenmacher, Knooper Weg 46, Öffnungszeiten: Donnerstag und Feitag, 9 bis 18 Uhr; Samstag 9 bis13 Uhr



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erstellt am 28.Okt.2013 | 07:18 Uhr

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