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Entschärft in nur zwölf Minuten

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

250 Kilogramm, ein Zünder, guter Zustand: Kampfmittelräumdienst machte amerikanische Fliegerbombe in rekordverdächtiger Zeit unschädlich

shz.de von
erstellt am 15.Feb.2014 | 07:01 Uhr

Kaum war der Knall der roten Leuchtrakete um fünf Minuten vor Zwei verhallt, da gab es schon fast die Entwarnung. Um 14.07 Uhr hallte das Signal über den Dächern des Gewerbegebietes in Kiel-Wellsee: Bombe entschärft. Zwölf Minuten, das war auch für Oliver Kinast vom Kampfmittelräumdienst rekordverdächtig: „Wir haben Glück gehabt“, sagte er hinterher. Glück mit dem unkomplizierten Zünder. Glück mit wenig Verschmutzungen. Glück mit dem guten Zustand des Blindgängers.

Der Fünf-Zentner-Brocken, standardmäßige amerikanische Fliegerbombe aus dem Zweiten Weltkrieg, lag gut zwei Meter tief in der Erde. Er war wenig deformiert, das Zünder-Gewinde nicht beschädigt. „Wir konnten den Heckzünder mit der Hand herausschrauben“, erklärte Experte Kinast, der besonders den technischen, selbstbestimmten Charakter dieser Arbeit schätzt. Etwa 20 bis 30 Bomben habe er bereits unschädlich gemacht, berichtete der Leiter des Kampfmittelräumdienstes.

Eine Stunde vor Beginn der Entschärfung war aus Sicherheitsgründen eine 500-Meter-Sperrzone um den Fundort der Bombe eingerichtet worden. Uwe Eidinger von der Kieler Polizei berichtete, seine 37 Beamten im Einsatz hätten den Bereich, der zum Teil Gewerbegebiet, zum Teil Wohngegend ist, problemlos evakuieren können: „Die Leute waren diszipliniert.“ Auch Feuerwehr und Rettungsdienste organisierten den Einsatz fast routinemäßig mit 48 Helfern. Einsatzleiter Jochim Jahn: „Eine Besonderheit war, dass bis zwölf Uhr mittags eine Kita geräumt sein musste.“

Für einen 70-jährigen Kieler im Rollstuhl wurde die Zeit am Ende knapp: Als um 12.30 Uhr noch kein Hilfsdienst für ihn im Stauffenbergring angelangt war, rief Tochter Annika Kleps (28) die Polizei an. Kurz vor Einrichtung der Sperrzone fuhren Mitarbeiter des Malteser Hilfsdienstes den pflegebedürftigen Mann zu einer nahe gelegenen Grundschule. Annika Kleps hoffte da noch auf eine kurze Dauer der Entschärfung: „Er kann nur eine Stunde im Rollstuhl sitzen.“

Der Stadtteil Wellsee ist im Zweiten Weltkrieg stark bombardiert worden. Der Kampfmittelräumdienst hatte auf dem Grundstück des Fundorts der aktuellen Bombe, auf dem gebaut werden soll, daher gezielt gesucht. Anhand von Testbohrungen, etwa sechs bis acht Meter tief ins Erdreich, versuchten die Spezialisten mit Sonden Anomalien festzustellen. Allein auf diesem Areal bohrten sie an 400 Stellen – eine Aufgabe, die drei Wochen Zeit in Anspruch genommen hat. Und es wird weitergehen: „Wir gehen davon aus, dass dies nicht die letzte Bombe in Wellsee gewesen sein wird“, sagte Oliver Kinast. Erst Ende letzten Jahres wurde nur wenige hundert Meter entfernt die letzte Fliegerbombe enschärft.

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